Im Laufe der letzten Woche kamen mir einige Ideen, welchem Song ich den heutigen Beitrag widme. Mehrmals entschied ich mich um, um dann überraschend bei „Shout To The Top“ zu landen. Einige Leser werden jetzt verdutzt vorm Lesegerät sitzen und sich fragen, was stellst du uns denn heute vor? Dabei ist „Shout To The Top“ einer der meistgenutzten Popsongs, die es so gibt, aber er gehört fraglos in die Kategorie der Lieder, die jeder schon einmal, ich würde sogar wetten, mehrmals zumindest ausschnittsweise gehört hat ohne ihn erkennen zu können bzw. Interpret und Titel nennen zu können. Von daher wird heute die Reihenfolge ein wenig umgedreht, ist der YouTube-Link in der Regel am Ende des Beitrags zu finden, folgt er heute an dieser Stelle:

Jetzt nachdem ihr den Song gehört habt, werdet ihr sicher sagen „Du hattest Recht. Irgendwo hat man den schon einmal gehört“. Kleiner Tipp, in der Regel wird „Shout To The Top“ als Hintergrundmusik genutzt, um Dekadenz, Glamorösität oder schlicht Konsum anzudeuten. Die fluffige Klaviermelodie klingt wie die Vertonung des kurzen Glücksgefühls des Konsums, man könnte auch sagen, die Musik gewordene Champagnerschlürfung. So leicht geht diese Melodie ins Ohr und so schnell auch nicht wieder raus, jedoch lauert bei diesem Song eine Falle. Das „Bad Moon Rising„-Phänomen schlägt erneut zu, ein Lied klingt wie eine unbeschwerliche Gute-Laune Nummer offenbart sich jedoch bei genauerem Hinhören als das komplette Gegenteil. Nun ist der Songtext zu „Shout To The Top“ sicher vieldeutig interpretierbar, jedoch sticht für mich ein Anschnitt aus den hervorragenden Lyrics heraus:

„I was halfway home I was half insane

And every shop window I looked in just looked the same

I said send me a sign to save my life

‚Cause at this moment in time there is nothing certain in these day’s of mine“

aus der ersten Strophe des Songs

Jedes Ladenfenster sehe gleich aus, hält das lyrische Ich hier fest. Halb wahnsinnig geworden und flehend nach einem Zeichen um das Leben zu retten. Dieser Ausschnitt aus „Shout To The Top“ zeigt nicht nur die depressive Natur des Songtextes, sondern auch Konsumkritik. Der Song spielt also mit den später entstandenen Assoziationen. Die Tiefe des Songs entsteht hier eindeutig aus dem gesellschaftskritischen Text, welcher im Refrain und den Aufruf „We’re gonna shout to the top (shout)“ mündet. Die instrumentale Begleitung fungiert als Kontraindikation und lullt den Hörer zunächst ein. Schließlich dauert es für einen Popsong ewig lange bis die erste Strophe beginnt, bis dahin hören wir nur die ekstatische Klaviermelodie unterstützt durch die Rhythmusgruppe.

Wer sich jetzt fragt, warum ist dieser so gute Song nicht mehr im kollektiven Gedächtnis verankert, dem würde ich gerne eine Antwort geben, so ganz kann ich es mir auch nicht erklären, handelt es sich um Paul Wellers (Frontmann & Gitarrist) Gruppe auch nicht um ein One-Hit-Wonder, sondern um eine der erfolgreichsten Bands im Vereinigten Königreich der 1980er Jahre. „Shout To The Top“ ist dabei nicht einmal der seinerzeit kommerziell größte Erfolg der Band gewesen, gilt jedoch inzwischen als ihr bester Song. auch wenn Paul Weller meinte, dass die politische Komponente, die er in die Band einbrachte der Musik geschadet habe. Wie dem auch sei, die Band existierte bis 1990 als das angedachte fünfe Album von der Plattenfirma Polydor nicht auf den Markt gebracht worden war, da man einen kommerziellen Flop fürchtete. Das Album, welches sich an der aufkommenden Housemusik orientierte wurde erst acht Jahre später veröffentlicht, nachdem ein Remix von „Shout To The Top“ die US-Dancecharts anführte und eine kurzzeitige Renaissance des Songs auslösten.

2 Kommentare zu „Schräg, aber gut (85) – The Style Council „Shout To The Top“

  1. Weller hat in England einen fast gottähnlichen Status. Zu recht, wie ich finde. Auch wenn nicht jedes Album in den letzten Jahren nach meinem Geschmack waren, bin ich doch seit Jahren ein regelmäßiger Besuche seiner Konzerte. Sehr zu empfehlen 👍

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