Dieses Jahr neigt sich (endlich) dem Ende, also versuche ich auch noch einige 2020er Filme zu sehen. Daneben möchte ich euch auch nicht meine Meinung zum 2019er-Film „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ vorenthalten.

Uncle Frank

gesehen auf Prime Video in der deutschen Synchro

7/10 Paul Bettany spielt die Titelrolle und Paul Bettany beweist wieder einmal, welch guter Schauspieler er ist. Sophia Lillis spielt die andere Hauptrolle, seine Nichte, die ihm den einzigen Intellektuellen der Familie nacheifert. 1973 spielt dieser Film von Alan Ball (Drehbuchoscar für „American Beauty“) und stellt das Thema Homosexualität in den Mittelpunkt, denn Uncle Frank ist schwul und dessen Vater hat ihn dafür immer wieder Verachtung spüren lassen. Sicher, die Geschichte ist nicht neu und doch funktioniert „Uncle Frank“ sehr gut, was vor allem an Bettany und Lillis liegt. Die Besetzung liest sich auch ganz nett mit ewigen Nebendarstellern wie Steve Zahn, Judy Greer und Stephen Root. Dramaturgisch flacht der Film vor allem im Roadmovieteil etwas ab, um zum Ende hin noch einmal komplett zu packen.

Was Wir Wollten

gesehen auf Netflix

4/10 Österreichs Kandidat für den Internationalen Film bei den Oscars ist eine Gurke, das Thema ist wichtig und bietet genügend Grundlage für einen packenden Film, jedoch ist „Was Wir Wollten“ ein schrecklich ödes Drama. Lavinia Wilson spielt hervorragend, Elyas M´Barek spielt das was er kann, aber sonst kann ich diesem Kinderwunschdrama nichts abgewinnen. Lange habe ich keinen 90-Minuten Film gesehen, der mir so lang vorkam. „Was Wir Wollten“ wurde von der Editoren Ulrike Kofler inszeniert, umso verwunderlicher, dass das Pacing überhaupt nicht funktioniert. Die Bilder sind solide, aber so Ecken-/Kantenlos, dass alles nach Filmhochschule schreit. Viel zu lange passiert nix, keine Erkenntnisse, bräsig geschriebene Dialoge überwiegen, abgesehen vom Nachbar, der strohtrockene Sprüche raushauen darf.

Relic

gesehen auf Prime Video in der deutschen Synchro

4/10 Hochgelobt wurde dieses Horrordrama, das dieses Jahr auch auf dem Fantasy Filmfest lief, ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass hier jemand „Hereditary“ gesehen hat und gedacht hat, sowas ähnliches kann ich auch machen. So ist „Relic“ über längere Zeit ein Familiendrama im Gewand eines Horrorfilms, allerdings empfand ich den Film über längere Zeit als qüalend langweilig. Das Ende ist dann auch wieder zu quatschig, auch wenn es immerhin ein paar Horrorspitzen gibt, dafür funktioniert das ganze als Familiendrama kaum noch, außer man versteift sich auf Symbolismen und Metaphern, dann kann man hier mehr Gehalt entdecken.

Der wunderbare Mr. Rogers (A Beautiful Day in the Neighborhood)

gesehen per Blu-Ray in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln

8/10 Dank Pandemie um eine Kinoauswertung gebracht, liefert Marielle Heller mit „A Beautiful Day in the Neighborhood“ einfach einen schönen Film. Tom Hanks ist als Fred Rogers, dem wohl sympathischsten und empathischsten Menschen der US-Geschichte. Heller inszeniert den Film wie eine Episode der langjährigen Kinderserie. Wenn Rogers im Prolog erscheint fühlt es sich schon wie eine kräftige Umarmung an und im Grunde beschreibt das den gesamten Film. Rogers soll von Lloyd Vogel interviewt werden, Vogel ist ein unangenehmer Gesprächspartner, der seinen journalistischen Auftrag hier zunächst ablehnt. Zunächst skeptisch, ob Rogers nur eine Rolle spielt, lässt sich Vogel auf Rogers ein und versteht seine Ansichten. Rogers ist dabei mehr als der immer nette Mann, besonders wenn Vogel ihm entgegnet, dass seine Kinder es nicht leicht mit ihm als Vater hatten oder wenn Rogers sagt, wenn er wütend ist spielt er alle tiefen Töne des Klaviers oder haut einen klumpen Ton, zeigt sich, dass Rogers vor allem eine besondere Reflexionsfähigkeit zu besitzen scheint. Auch wenn dieser Film nicht direkt mit Weihnachten in Verbindung steht, passt er perfekt in die besinnliche Zeit.

Porträt einer jungen Frau in Flammen (Portrait de la jeune fille en feu)

gesehen auf Prime Video in der deutschen Synchronfassung

8/10 Wenn man sich das internationale Kino 2019 vor Augen führt, hat der vierte Film von Celine Sciamma einen Hype kreiert, der nur durch Bong Joon-Hos „Parasite“ getoppt wurde, auch wenn den Film sowohl die Auswahl als französischer Oscarbeitrag als auch die Auszeichnung beim Cesar verwehrt blieb. Die Story ist denkbar einfach, eine junge Malerin kommt 1773 auf eine Insel um heimlich ein Porträt einer adligen, die nach Italien verheiratet werden soll, zu zeichnen. Celine Sciamma zeichnet dabei jedoch ein intimes Porträt, welches trotz seiner Langsamkeit in seinen Bann zieht. Dieser Film ist sinnlich, erotisch, ergreifend, fantastisch fotografiert und ebenso beeindruckend auf der Soundebene. Filmmusik ist wahnsinnig sparsam, aber dann ungeheuer ergreifend. Adele Haenel und Noemie Merlant liefern eine beeindruckende Performance. Kurz gesagt, dieser Film ist all das, was „Blau ist eine warme Farbe“ wäre. Einzig der Mittelteil, bei dem die Annäherung etwas in den Hintergrund tritt, verhindert eine höhere Wertung.

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6 Kommentare zu „Neulich im Stream: Uncle Frank, Was Wir Wollten, Relic, Der wunderbare Mr. Rogers, Porträt einer jungen Frau in Flammen

  1. Und nochmal schön gegen „blau ist eine warme Farbe“ gestichelt 😀 Finde beide Filme sehr gelungen auf ihre Art und Weiße. Beide haben ja einen komplett anderen Ansatz was ihre Liebesgeschichte betrifft.

    Mal gucken ob ich Uncle Frank noch schaffe, auf meiner Liste bis zum Jahresende ist er drauf. Hat durchaus Potenzial.

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    1. Eigentlich müsste ich mir den nochmal ansehen, aber der hat sich so präsent eingebrannt, dass ich darauf verzichten kann.

      Was steht denn da noch drauf? Ich hab auch noch einige Kandidaten, die ich noch sehen will und vorm 25 kann ich die Liste eh nicht finalisieren.

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      1. Ich hab bis zum 28.12. Zeit, dann ist Aufnahme 😀 Auf der Liste stehen 20 Filme:
        Da 5 Bloods, Trial of Chigaco 7, Uncle Frank, Birds of Prey, Ruf der Wildnis, Soul, Onwand, Im thinking of ending things, Der Unsichtbare, Underwater, Berlin Alexanderplatz, Eurovion Song Contest, Enola Homles, On the Rocks, Palm Springs, New Mutants, Entfant Terribel, Les Miserables, Uncut Gems und Hexen Hexen

        Mal gucken wie viel ich schaffe, immerhin muss ich ja zeitgleich die Bond Filme bis zum 14.01 schauen

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        1. 20 Filme in fünfzehn Tagen, werde ich wahrscheinlich schaffen, du wahrscheinlich nicht (von Bond mal abgesehen). Chicago 7, Soul, Onward, I’m thinking of ending things, Uncut Gems und Les Miserables solltest du unbedingt sehen. Enola Holmes kannste streichen, weil belanglos. Palm Springs, haste VPN?
          Ich Zweifel ob da noch ne anständige Top Ten bei rausspringt.

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          1. Da zweifel ich auch dran, selbst wenn ich noch alle Filme gucken sollte. Soul ist gesetzt, beim Rest schau ich mal, wozu ich Lust habe. Fandest du „Thinking of ending things“ nicht schlecht?
            Leider kein VPN, mal schauen ob was ich da mache

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            1. Im Thinking of ending things musste ich ein zweites Mal sehen, dann fand ich ihn gut und es ist ein Film an dem man sich abarbeiten kann.
              Ohne VPN würde ich jetzt noch die paar Wochen auf den DE Release von „Palm Springs“ warten.

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