Ein Vorteil der Contentarmut bei Apple + ist, dass man die Filme, die dort im Laufe des Jahres gelandet sind, gegen Ende des Jahres nachholen kann und das innerhalb der sieben Tage Probezeitraum. Wobei an der Qualität der Filme kann noch nachgebessert werden.

On The Rocks

gesehen in der Originalfassung mit Untertiteln

Laura (Rashida Jones) ist eine gestresste berufstätige Mutter, ihr Ehemann (Marlon Wayens) ist beruflich extrem erfolgreich, aber auch sehr viel unterwegs. Zweifel an dessen Treue werden durch Lauras chauvinistischen Vater Felix (Bill Murray) gesäht.

Der genannte Plot braucht einiges an Zeit, um sich zu entwickeln, so erleben wir erst einmal eine halbe Stunde aus Lauras Leben, was sicher gut beobachtet ist und ansprechend ausgespielt, aber im Grunde legt dieser Streifen erst mit dem Auftreten von Bill Murray los. Der spielt eine total aus der Zeit gefallene Figur, die normalerweise komplett verrissen werden würde, durch Murrays Charme sich jedoch irgendwie durchmogelt. Die Chemie zwischen Jones und Murray stimmt und hin und wieder ist der Film nicht nur charmant, sondern witzig. Die gesamte Sequenz, in der die beiden in einem roten Cabrio durch New York fahren ist so unterhaltsam, dass man fast vergisst, dass hin und wieder Szenen doch arg Dröge sind. Bei der Auflösung bin ich mir noch unsicher, wie ich sie finde, aber „On The Rocks“ ist ein typischer Sonntagnachmittagsfilm und glücklicherweise habe ich ihn an einem Sonntagnachmittag gesehen. 6/10

Wolfwalkers

Irland 17. Jahrhundert: Die junge Robyn möchte wie ihr Vater Bill ein Wolfjäger werden. Bill soll in Irland für Lord Cromwell das Volk unterdrücken, während Robyn durch einen Wolfsbiss zur Wolfwalkerin wird und sich mit Mebh anfreundet und in der Folge ihr naives Bild hinterfragt.

Christian von audio/visuell hat diesen Film als denjenigen bezeichnet, den man dieses Jahr sehen sollte. Leider kann ich das nicht ganz teilen, zu viele Kleinigkeiten hindern diesen Animationsfilm daran, zu meinen Jahresfavoriten zu zählen. Da ist zum einen der Stil, in den Wäldern wunderschön, herrlich verspielt, in manchen Stadtszenen aber zu sehr wie ein Ripoff von Wes Anderson Filmen, besonders was die Symmetrie angeht. Erzählerisch wurde der Vergleich zu „Prinzessin Mononoke“ geschlagen, welchen ich immer noch nicht gesehen habe. Mich hat die Naturgeschichte jedoch rausgerissen aus dem Zwiespalt, den Robyn in ihrer Rolle als geheime Pocahontas (ja, auch hier wieder die Tentapole) hat und vor allem aus der Angst des Vaters die Tochter zu verlieren, die dazu führt, dass er sie fast verliert. Bill als bornierte Vaterfigur ist für mich auch das Highlight des Films, mit einer gelungenen Charakterentwicklung. Warum er seine Tochter nur fast verliert? Nichts hat Konsequenzen, sondern wird durch Magie korrigiert, wodurch der Film ein Happy Happy End erhält, was auch nicht zu dem Film passt. Das klingt alles negativer als es ist, aber die überschwänglichen Kritiken (nicht nur von Christian) kann ich nicht teilen. 7/10

Greyhound

Februar 1942: Commander Krause (Tom Hanks) gelangt bei seinem erstem Kommando auf der Greyhound ohne europäische Luftunterstützung (sie kommt nach 50 Stunden) in brenzliche Situationen.

Tom Hanks sollte das Drehbuch schreiben sein lassen, was jetzt genau die Handlung sein soll, habe ich kaum verstanden und „Greyhound“ ist unstrukturiert (dabei aber wohl historisch nicht wirklich belegt) und über weite Strecken wenig fesselnd, dafür aber größtenteils hölzern. Negativ aufgefallen ist mir das CGI, das wirklich aussieht, als sei der Film zwanzig Jahre alt, aber schockierender weise soll der Film Kandidat für die besten visuellen Effects bei den Academy Awards sein (bitte nicht). Ansonsten ist „Greyhound“ ein ganz okayes Kriegsschiffszenario mit Tom Hanks als derjenige, der hier über sich hinauswächst, seine eigene Leistung aber nüchtern einschätzt. 5/10

The Banker

Bernard Gerrett (Anthony Mackie) und Joe Morris (Samuel L. Jackson) können in den 1960ern mithilfe des weißen Strohmanns Matt Steiner (Nicholas Hoult) ein Banken-/Immobilienkonsortium aufbauen.

„The Banker“ reiht sich in diese Art Rassismusfilme ein, die einen das Thema in einem Feel-Good Film verpackt servieren. Ein wenig liegt es auch daran, dass ich mit zunehmenden Alter der Herangehensweise müßig werde, doch im Gegensatz zu „The Help“, „Hidden Figures“ oder auch „Green Book“ fand ich diesen Film nicht einmal sehenswert. Schauspielerisch ist der Film in Ordnung, ansonsten fühlt sich das Ganze zu sehr nach einem Heist-Movie an, wodurch die Assoziation zum Illegalen naheliegt, anstatt darauf hinzuweisen, dass die Umstände skandalös sind, werden also die Protagonisten indirekt kriminalisiert und vom Film verurteilt. Daneben schafft es „The Banker“ auch in keinem Moment zu unterhalten, die Dialoge, die die Geschehnisse erklären sollen, erscheinen öde, der Film versucht zu sehr die komplizierten Vorgänge zu erklären und am Ende soll der Film sich dann plötzlich vom Feel-Good Charakter (der schon vorher zweifelhaft erscheint) lösen. Kurzum, „The Banker“ ist ein verkorkster Film. 4/10

7 Kommentare zu „Neulich bei Apple +: On The Rocks, Wolfwalkers, Greyhound, The Banker

  1. Ha, lustig – genau diese vier Filme (plus die Beastie Boys Doku) habe ich in meiner Probewoche auch geschaut. Bei Greyhound bin ich bei dir, alle anderen fand ich mindestens ein Stück besser.
    Den Kritikpunkt bzgl der Stadtoptik kann ich nicht so wirklich nachvollziehen – sie soll ja ganz bewusst den möglichst großen Kontrast zum Wald bilden. Und auch den Punkt mit den Konsequenzen (was du dir mit Benni teilst) sehe ich nicht so. Das Heilen ist das erste, was man im Film zu sehen bekommt. Und gerade im Kontext eines primär für Kinder gemachten Films finde ich diesen Kritikpunkt doch recht… seltsam.

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    1. Du bist auch ein wenig gnädiger in deinen Wertungen, so inzwischen mein Gefühl.

      Ja, aber warum sieht das dann aus wie ein Wes Anderson Film? Da geht das visuelle Konzept meiner Ansicht nicht auf.
      Ich bin ja der Meinung, dass man Kindern auch Mal was aussetzen sollte (so wie der gute alte Walt Disney) und da ist das hier mir einfach zu viel gewesen, vor allem das Ende. Insgesamt haben sich bei mir Kleinigkeiten aufsummiert, dass ich mit dem Ende dann auch nicht mehr so gut gestellt bin und dann bleibt ein guter Film, aber einer den ich niemals in meine Topliste aufnehmen würde und von daher bin ich sehr gespannt auf die nächste Podcastfolge

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      1. Da stimme ich dir zu – ich bin gefühlt dieses Jahr tatsächlich etwas positiver gegenüber vielen Filmen als im Jahr zuvor. Liegt wohl auch an der Gesamtsituation, in der ich mich sehr auf meinen Optimismus stürze und keine Lust habe, nach Fehler oder Schwächen zu suchen, wenn mir die Filme eine gute Zeit bescheren.

        Was heißt denn, er sehe aus wie ein Anderson-Film? Weil er in den Stadtszenen auf Symmetrie setzt? Und inwiefern geht das nicht auf, dass das im Kontrast zu den Waldszenen steht?
        Und – etwas spitz gefragt – wo hat denn der „gute alte Walt Disney“ den Kindern mehr zugemutet, was Tode von Figuren betrifft, mit Ausnahme jener Filme, die nicht gerade darauf setzen, dass die Hauptfigur einen tragischen Verlust direkt im ersten Akt erleidet? Das Heilen und auch die Rettung der Mutter bilden die Prämisse von Wolfwalkers. Sie dann am Ende doch sterben zu lassen, wäre meiner Ansicht nach wiederum inkonsequent.

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        1. Bei mir hat dieses Jahr das Bennisyndrom eingesetzt^^
          Die Symmetrie hat mich aus dem Film jedesmal rausgerissen. Das war mir dann zu viel des Guten.

          Alice im Wunderland fällt mir ad hoc ein.

          Das Happy Happy End hätte nicht sein müssen, das hat es mir dann erst madig gemacht.

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  2. On the Rocks und Wolfwalkers habe ich die Tage auch gesehen. On the Rocks fand ich grauenhaft, Bill Murray ging mir auf die Nerven, viele Sequenzen völlig an den Haaren herbeigezogen, wirklich furchtbar. Wolfwalkers fand ich okay, aber da hatte ich mir vielleicht etwas mehr versprochen. Ich mochte die Figuren aber schon nicht sonderlich, die Wälder fand ich traumschön. An Wes Anderson-Filme hat mich aber nichts erinnert. Die anderen beiden Filme wollte ich mir nicht angucken.

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    1. Bill Murray war halt Bill Murray, insgesamt ganz ok.
      Wolfwalkers, ja ich hatte mir auch mehr versprochen, die Wälder waren zum niederknien.
      Gerade bei „The Banker“ denke ich mir, dass du den wohl komplett hassen würdest, wenn ich den schon so schwach finde.

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