Inhalt

Ruben (Riz Ahmed), Drummer aus Leidenschaft, verliert schlagartig sein Gehör. Seine Freundin und Duopartnerin Lou (Olivia Cooke) versucht ihn zu unterstützen, weiß jedoch nicht wie. Ruben steht am Scheideweg, eine teure OP, die ihn ein wenig Hörqualität zurückbringt oder das Leben in Joes (Paul Raci) Gemeinde aus Personen mit ähnlichen Erlebnissen.

Meine Gedanken zum Film

Da dieser Film in meinen Top Ten des Jahres 2020 gelandet ist, kann man sich sicher vorstellen, dass mir der Film außerordentlich gefallen hat. Besonders außergewöhnlich daran ist, dass „Sound of Metal“ für mich eher nach einem „Pflichtfilm“ galt, den ich respektieren würde, aber nicht besonders mögen würde. Darius Marder macht bei seinem Pflichtspieldebüt eine Menge richtig, anstatt lange Rubens Bandalltag zu zeigen, wird dieser zügig eingeführt (überhaupt ist das Pacing brillant) und sofort das Problem eingeführt. Rubens Gehörverlust wird dank der Soundarbeit pointiert greifbar gemacht. Immer wieder wird kurz eingeschoben, wie sich Rubens Gehör verändert, am deutlichsten beim ersten Moment des Hörverlusts.

Wie wichtig dieser inszenatorische Kniff ist, zeigt sich beim Blick auf Rubens Charakter. Anders als in anderen Filmen wird hier der leidende Protagonist nicht als kompletter Sympathieträger, bei dem man alleine dessen mitleidet, gezeigt. Ruben ist ein teilweise sperriger Charakter, dabei oft auch in seinem Handeln schwierig nachzuvollziehen. Ruben ist als Protagonist ambivalent gezeichnet, auch wenn man sein Handeln nicht immer versteht, ist es wesentlich näher daran, wie man sich selbst verhalten würde, würde man sein Gehör verlieren. Riz Ahmed gibt hier eine Performance, die jegliche Nominierung rechtfertigt. Intensiv und doch subtil und dann kommt noch hinzu, dass Ahmed das Schlagzeugspiel und die Gebärdensprache für die Rolle erlernt hat. Ebenso hervorzuheben ist Paul Raci als Gründer einer Gemeinde für Gehörlosen. Der ertaubte Raci spielt hier eine Variation seiner selbst auf beeindruckende Weise. Raci hilft beim Verständnisgewinn für diese kaum vorstellbare Situation. Im Vergleich dazu fällt Olivia Cooke als Freundin und Sängerin ein wenig ab, doch besonders gegen Ende wird aufgezeigt, weshalb ihre Figur für die Handlung essenziell ist.

Überhaupt ist das Ende mit der quälenden Entscheidung, welche Ruben dort fällt, eine der ganz großen Stärken dieses Dramas. Auch wenn man seine Entscheidung am Anfang des Films wohl nicht verstanden hätte, ist man am Ende vollkommen überzeugt, dass er hier eine richtige Entscheidung trifft. Der Weg dorthin ist voller Fehlentscheidungen, die sich genauer betrachtet in das Muster einordnen lassen, dass Ruben zu sehr nach der Vergangenheit strebt anstatt die Gegenwart zu akzeptieren. Alleine aus dieser Komponente lässt sich bei Bedarf eine Allegorie auf die Nostalgiebrille herausinterpretieren.

Fazit

„Sound of Metal“ ist ein virtuoses Drama, brillant im Sounddesign, eindrücklich in der Geschichte, vielschichtig in der Aussage. Gekrönt von einer beeindrucken Performance von Riz Ahmed. 8/10

Daten & Fakten

Regie: Darius Marder

Drehbuch: Darius & Abraham Marder

Produktionsland: USA

Darsteller: Riz Ahmed, Olivia Cooke, Paul Raci, Mathieu Almaric um

Genre: Drama

Länge: 121 Minuten

Gesehen am 20.12.2020 auf Prime Video in der OV mit deutschen Untertiteln

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3 Kommentare zu „Sound of Metal

      1. Ich würde mich auch darüber freuen, wenn der Film oder die Schauspieler eine größere Rolle bei den Oscars spielen. Leider hat der Film bei den wichtigen Kritikerpreisen gar nichts gewonnen, Paul Raci ist der einzige der immer wieder auftaucht und von kleineren Verbänden Preise absahnt.

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