Annie Lennox und Dave Stewart waren vor ihrem Erfolg als Musikduo ein Liebespaar, ein Umstand, der die Beziehung von derer zweier normalen Bandkollegen abhob. So kam es in einer regnerischen Nacht im September 1983 während eines New York Aufenthalts zu einem leidenschaftlichen Streit der beiden, die gerade in den letzten Zügen der Aufnahmen für das dritte Album „Touch“ (die Vorabsingle „Who´s that Girl“ war zu jenem Zeitpunkt schon veröffentlicht) waren. Während Stewart am Keyboard Platz nahm, wollte Lennox eben selbiges spielen, es kam zu einer Rangelei, Stewart spielte in der Folge eine Melodie am Keyboard, Lennox improvisierte beim Blick aus dem Fenster die Zeile „Here Comes The Rain Again, Falling On My Head Like A Memory“. In der Folge entstand noch in der selben Nacht die erste Rohversion zu „Here Comes The Rain Again“.

Nachdem „Love is A Stranger“ den Durchbruch für das britische Synth-Pop Duo bedeutete und „Sweet Dreams“ die beiden in die erste Liga der 80er Bands katapultierte, waren die Ansprüche höher. „Here Comes The Rain Again“ ist die Abkehr vom tanzbaren Sounds, der das Vorgängeralbum prägte und vielleicht der wichtigste Song für die Karriere der beiden. Dabei hatten Lennox und Stewart zurück im Londoner Heimstudio überlegt den Song Robert Plant (Ja, dem Led Zeppelin Frontmann) anzubieten, bevor sie ihn selbst final aufnahmen. Eine gute Entscheidung, denn Lennox vielseitige Stimme glänzt hier wie auf kaum einem anderen Eurythmicshit. Wo „Sweet Dreams“ textlich schon experimentell anmutete, wirkt „Here Comes The Rain Again“ noch unkonventioneller. So stechen neben der Titelzeile und der folgenden Zeile auch die Lyrikzeilen „So Talk To Me, Like Lovers Do“ heraus. Der Rest des Textes wird einmal bzw. zweimal gesungen. „Here Comes The Rain Again“ spielt mit dem Strophe-Refrain Schema und minimalisiert Refrainzeilen und entzerrt sie. Ähnlich verfährt der Song auch mit dem melodischem Schema: Die Keyboard- und Gitarrensounds orientieren sich lautmalerisch am Klang von prasselnden Regentropfen. Zum „Talk To Me, Like Lovers Do“ verändert sich der Sound, der Klang orientiert sich eher an einem Gewitter, der Song wirkt schneller. Dynamisch gesehen ist „Here Comes The Rain Again“ die ständige Abwechslung aus Anspannung und Entladung, ein musikalisches Gewitter im Gewand eines einprägsamen Synth-Pop Songs, der jedoch genauso gut als Rocker oder im Orchesterstil funktionieren könnte.

Wie bei den vorangegangen Hits setzen Eurythmics auf ein besonders Musikvideo. Auf der Orkney-Insel Hoy entstand ein geheimnisvoll wirkendes Video, welches auf MTV in Heavy Rotation gespielt wurde. Obwohl sich der Song gängigen Hit-Konventionen geschickt entzog, konnte der Song in Großbritannien in die Top Ten gelangen, in den USA sogar auf Platz Vier peaken und auch im deutschsprachigem Raum die Top Zwanzig erreichen. Wichtiger jedoch, der Song prägte das Image der Eurythmics nachhaltig, weg von der reinen Synth-Pop Band hin zu einer musikalisch vielseitigen Band.

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