Spotify bietet dem geneigten Nutzer jeden Freitag eine Zusammenstellung neuer Songs, die einem gefallen könnten. Im sogenannten „Release Radar“ finden sich jedoch häufiger Graupen, heute dabei: „La da da di“ von Bandido. Eine furchtbare Latin-HipHop Nummer, die mit dem 90er Eurodancesong „Be My Lover“ von La Bouche interpoliert. Während ich die Verwurstelung im Bandidosong nicht zu Ende hören konnte, kann ich „Be My Lover“ auch mehr als sechsundzwanzig Jahre nach Erscheinen empfehlen und damit Herzlich Willkommen zu einer erneuten Lobhudelei auf 90er Eurodance Formationen; heute: La Bouche.

La Bouche ist französisch und heißt der Mund, der Name täuscht jedoch, ist La Bouche ein deutsches Musikprojekt der Musikproduzenten Amir Saraf und Ulli Brenner. Dank der Unterstützung von Frank Farian (Mastermind hinter „Boney M.“ und „Milli Vanilli“) konnte sich das 1994 gegründete Musikprojekt in der Hochphase des Eurodancesounds als eine der erfolgreichsten etablieren. Einen Großteil des Erfolgs lässt sich auf die charismatische Sängerin Melanie Thornton zurückführen, die nicht nur mit ihrer kraftvollen Stimme zu überzeugen wusste. So kam es dazu, dass La Bouche ein wenig von der etablierten Struktur gerappte Strophe und von Sängerin gesungener Refrain abwichen, zugunsten der Stimme von Thornton, die auch die Strophen sang. Der Rap, zunächst von Robert Haynes., später dann von D. Lane McCray Jr., dominiert nur die Bridge, ansonsten sind die Songs auf Thornton zugeschnitten. Im Gegensatz zu den meisten Eurodanceprojekten konnte sich La Bouche zunächst auch in Nordamerika durchsetzen, die zweite Single „Be My Lover“ konnte immerhin bis auf Platz Sechs der Billboard Hot 100 vorstoßen. In Deutschland konnte sich „Be My Lover“ vier Wochen lang auf Platz Eins behaupten und neun weitere in den Top Ten halten. Der Song besticht dadurch, dass er auf den typischen Synthesizerdreiklang des Eurodance verzichtet und sich damit von anderen Genreklassikern abgrenzt. Stattdessen dominiert die synthetische Bassdrum den Song, der vom lautmalerischen „La Da Da Di“ eingeleitet wird. Der Text ist ansonsten einfach gehalten, es geht um sexuelle Anziehung zwischen Mann und Frau. Das daraufhin für den europäischen Markt produzierte Musikvideo zum Song ist weniger gut als der Song selbst gealtert, zeigt es Thornton als Lederdomina, die Männer gefangen hält.

Thornton wurde spätestens mit dem nachlassenden Erfolg der Formation, der vordergründig der Übersättigung der Hörer durch den Genresound zuzuschreiben ist, zu groß für La Bouche. Thronton verließ La Bouche mit auslaufen ihres Plattenvertrags im Februar 2000, um eine Solokarriere zu starten. Just in dem Moment als ihre Solokarriere mit der Ballade „Wonderful Dream“ (inzwischen ein Weihnachtsklassiker dank der jahrelangen Verwendung in der Coca-Cola Truck Werbung) an Fahrt aufnahm, verunglückt sie auf einem Flug nach Zürich am 24.11.2001 tödlich. La Bouche wurde 2017 mit neuer Sängerin und trotz erneuter Unterstützung durch Frank Farian mit bestenfalls semigroßen Erfolg wiederbelebt.

3 Kommentare zu „Song der Woche (7) – La Bouche „Be My Lover“

  1. Hach ja, 2001 war kein gutes Jahr, was die Musiker, die bei Flugzeugabstürzen ums Leben kamen, anbelangt. Die großartige Aaliyah hat es ja im gleichen Jahr erwischt. 😦

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