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Texas 1870: Captain Jefferson Kyle Kidd (Tom Hanks) reißt durch das Land, um den Bürgern der bereisten Städte die aktuellen Nachrichten vorzulesen. Er findet die aussätzige Johanna (Helena Zengel), deren Eltern gestorben sind und die daraufhin bei einem inzwischen ausgerotteten Indianerstamm aufwuchs. Zunächst widerwillig nimmt Kidd das Kind mit auf seine Reisen.

Meine Gedanken zum Film

Der Pandemielage sei Dank hat sich Universal entschlossen den Film in einigen europäischen Ländern an Netflix zu verkaufen, wodurch „Neues aus der Welt“ hierzulande zunächst nur dort zu sehen ist. Es ist ein Jammer, denn dieser Film hat vor allem Qualitäten, die im Kino zur Geltung kommen. Epische Westernbilder eingebettet in einer ruhigen Erzählweise wirken im Heimkino bei weitem nicht so gut. Nun es ist aber auch so, dass dieser Film diese Bilder braucht um den Zuschauer zu überzeugen. „Neues aus der Welt“ bietet einen interessanten Einblick auf die Dienste eines Nachrichtenvorlesers, nutzt diesen Zugang im Laufe des Films jedoch nicht konsequent aus. So beginnt „Neues aus der Welt“ mit einer solchen Szene, in der gezeigt wird, wie Captain Kidd die Nachrichten vorliest. Die wenigen Sequenzen, die den Beruf zeigen sowie noch interessanter die Reaktion der Bürger, die sich von Ort zu Ort unterscheiden, auffangen sind die besten des Films.

Umso ärgerlicher, dass sich „News of the World“ (so der Originaltitel) auf die schon öfters gesehene Entwicklung einer Ersatzvaterbeziehung fokussiert. Diese wird aber auch derart schleichend erzählt, dass daneben immer noch Raum für kleine abgeschlossene Handlungssequenzen gegeben wird, sodass der Film ein wenig zu sehr vor sich hindümpelt und die zwei Stunden Laufzeit länger wirken als sie eigentlich sind. Die sich anbahnende Eltern-Kind Beziehung von Kidd und Johanna funktioniert auch nur dank der Darsteller, denn sowohl Tom Hanks als auch Helena Zengel sind durchaus überzeugend in ihren Rollen. Die Chemie der beiden entwickelt sich im Laufe des Films schön weiter, beide schaffen auch in dialogarmen Szenen ersprießlich zu spielen. Dabei werden beide jedoch im Laufe des Films nicht komplett gefordert, Zengel hat zwar ein, zwei Szenen in denen sie leicht „Systemsprenger“-Like aufspielen muss, ansonsten darf sie (zu) wenig sprechen, dennoch gelingt auch diese subtilere Leistung der jungen Nachwuchsdarstellerin. Die restlichen Darsteller wirken jedoch mehr wie Staffagen, was dem Film nicht besonders taugt. Einzig Michael Angelo Corvino als kurzzeitiger Antagonist, der Johanna entführen will, darf immerhin böse sein. Die Spannungssequenz im Wilden Westen funktioniert auch deswegen lange sehr gut, bis zu dem Moment als das CGI zu deutlich wird.

Der CGI-Einsatz, der im Falle von gehäuteten Bisons auch deutlich besser funktioniert als in der Spannungssequenz, ist auch eines der wenigen Anzeichen dafür, dass hier Paul Greengrass Regie geführt hat. Greengrass, der für ein paar der Jason Bourne Filme sowie „Captain Phillips“ und den hier verwendeten Schnellschnittstil bekannt wurde, hat hier eine komplett andere, klassisch westernartige Inszenierung gewählt. Mich hat das ganze am ehesten an die drei Filme, bei denen Kevin Costner offiziell Regie führte, erinnert. Langsame Erzählweise trifft auf stark komponierte Bilder und mehrere Handlungsflicken im Rahmen einer größeren Rahmenhandlung. Auch wenn „News of the World“ an Pacingproblemen leidet, ist diese Inszenierung sicher besser als eine Adaption der bekannten Stilmittel Greengrasses, ändert jedoch nichts daran, dass der Film nicht über den Durchschnitt hinaus kommt. Dazu passend auch der gelungene atmosphärische Score von James Newton Howard.

Fazit

Spannende Prämisse, die zugunsten einer konventionellen Handlung in den Hintergrund rückt in einem angenehmen entschleunigt inszenierten Film. Dies ist „Neues aus der Welt“, welcher vor allem dank des Protagonistenduos und der Bilder sehenswert erscheint, jedoch im durchschnittlichen Rahmen bleibt. 6/10

Daten & Fakten

Originaltitel: News of the World

Regie: Paul Greengrass

Drehbuch: Luke Davies, Paul Greengrass

Länge: 119 Minuten

Genre: Western, Drama

Darsteller: Tom Hanks, Helena Zengel, Michael Angelo Covino uvw.

Gesehen am 21. Februar auf Netflix in der Originalfassung und deutschen Untertiteln

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