In der heutigen Klassikerparaden geht es um einige Enttäuschungen und auch die Stammgäste Hitchcock und Wilder sind wieder einmal dabei:

Pusher

gesehen auf dem Amazon Prime Mubi Channel in der Originalfassung mit dt. Untertiteln

Frank (Kim Bodnia) und Tonny (erste Rolle von Mads Mikkelsen) handeln auf Komission mit Heroin des serbischen Drogenbosses Milo (Zlatko Buric). Bei einer Polizeirazzia müssen sie das Heroin versenken, wodurch Frank Milo 230.000 Kronen schuldet. Frank hat 48 Stunden Zeit das Geld zu beschaffen und nebenbei muss er sich mit seiner Beziehung zu Vic (Laura Dresbek) auseinandersetzen.

Nicholas Winding Refn ist Regisseur tonal seltsamer Filme, bei „Drive“ geht das vollkommen auf, bei seinem Regiedebüt „Pusher“ nur am Anfang. Der Film hat ein großes Problem, Mads Mikkelsen, der förmlich glüht, verschwindet aufgrund der Story schnell aus dem Film. Damit verliert der Streifen früh sein bestes Element. Daneben stört mich in dem Fall der raue, fast dokumentarisch anmutende Wackelkamerastil in Kombination mit der plötzlichen Gewalt und die Storyline rund um Frank und Vic stört auch nur im Film. Die Story an sich ist nicht schlecht, hat man aber zumindest ähnlich schon mehrmals in Gangsterfilmen gesehen. 5/10

The Rocky Horror Picture Show

gesehen per Leihstream auf Primevideo in der Originalfassung mit Untertiteln

Brad und Janet bleiben mit einem Platten liegen und landen im Schloss von Frank N. Further und eigentlich ist die Story auch vollkommen egal, aber irgendwann kommt dann noch raus, dass der und die anderen im Schloss eigentlich Aliens sind.

Musicals mag ich ja per se, aber dieses Kultmusical ist dermaßen storyfrei, dass es mich schon herausgefordert hat. Nach gängigen Bewertungsmaßstäben (Plot-/Charakterentwicklung, Kameraarbeit, Schnitt) ist das ein Totalausfall, allerdings hat dieser Film fantastische Musik. Glücklicherweise wird fast alles hier drinnen gesungen, sodass man das ganze doch ganz gut angucken kann. Einige Musicalszenen sind besonders stark wie jene des „Time Warps“ oder auch der Gastauftritt von Meat Loaf, andere Szenen sind eine Katastrophe (dann wenn nicht gesungen wird) und schauspielerisch ist das auch eher mäßig. Hinzu kommt der eigentlich vollkommen überflüssige Erzähler, aber ich kann nicht abstreiten, dass ich Spaß hatte. 6/10

Endstation Sehnsucht (A Streetcar Named Desire)

gesehen auf Blu-Ray in der deutschen Synchronisation

Blanche DuBois (Vivien Leigh) sucht ihre Schwester Stella (Kim Hunter) und ihren Ehemann Stanley (Marlon Brando) in New Orleans auf. Blanche ist schockiert, wie Stella in proletarischen Verhältnissen lebt, verschweigt jedoch warum sie sie besucht und warum sie nicht mehr als Lehrerin arbeitet. Bald schon entwickelt sich ein Feindschaftsverhältnis zwischen Blanche und Stanley.

Elia Kazan verfilmt das gleichnamige Theaterstück von Tennessee Williams sehr theaternah, schafft es jedoch die Stärken des Theaters mit denen des Films zu verbinden. So ist „A Streetcar Named Desire“ ein theateresk inszeniertes Meisterstück über den psychologischen Kampf zweier gebrochener Charaktere. Getragen vom vorzüglichen Spiel von Marlon Brando und Vivien Leigh entsteht ein spannendes Drama, das den Zuseher in seinen Bann zieht. Die Charaktere Blanche und Stanley sind ambivalent durch und durch grau gezeichnet und kämpfen um die Ankerfigur Stella, die die Sympathien auf ihrer Seite hat, weil sie durchgängig versucht zwischen den beiden zu vermitteln, in einer Art und Weise, die an Selbstaufgabe grenzt. Umso erlösender ist das im Vergleich zur Vorlage abweichende Ende, welches die Perspektivneutralität zwischen Blanche und Stanley einhält. Ein wenig hat der Zahn der Zeit auch an diesem Klassiker, bei dem ich verwundert war, dass er seinerzeit nicht den Oscar als besten Film gewonnen hat. 8/10

Ich kämpfe um dich (Spellbound)

gesehen auf Prime Video in der deutschen Synchronisation

Dr. Constance Peterson (Ingrid Bergman) arbeitet in einer psychiatrischen Einrichtung. Ihr neuer Chef Dr. Anthony Edwardes (Gregory Peck) schafft es ihr Herz zu erobern, doch Edwardes ist nicht der, als der er sich ausgibt.

Dieser brillant konstruierte Streifen von Alfred Hitchcock kann als der Hitchcock Film schlechthin wahrgenommen werden, denn wenn ein Film alle Elemente eines Hitchcockstreifens hat, dann dieser etwas in Vergessenheit geratene Mysterythriller. Wir haben in der Hauptrolle, eine blonde, hochintelligente Frau, die eine romantische Beziehung mit einem zweifelhaften Charakter eingeht und deswegen in eine Handlung verwickelt wird, in der sie über sich hinauswachsen muss. Daneben bietet „Spellbound“ einen fantastischen Score und überzeugende Schauspielleistungen. Die weiteren Wendungen dieses wendungsreichen Thrillers sollte man nicht kennen, wenn man „Ich kämpfe um dich“ (der deutsche Titel wird im Verlauf des Streifens an einer der wichtigsten Stellen genannt) das erste Mal ansieht. Der in Schwarz-Weiß gehaltene Streifen überzeugt durch die gewagte Einbindung von Sigmund Freuds Theorien, was in einer von Salvador Dali entworfenen Traumsequenz gipfelt, die die Einbindung von Träumen in Filmen revolutionierte und auch abgesehen von dieser Tatsache noch heute funktioniert. 8/10

Das verflixte 7. Jahr (The Seven Year Itch)

gesehen auf Blu-Ray in der deutschen Synchronisation

Richard Sherman (Tom Ewell) schickt seine Frau und sein Kind über den Sommer nach Maine. Der Tagträumer beginnt Zeit mit der hübschen jungen Nachbarin (Marilyn Monroe) zu verbringen, währenddessen stellt er sich die schlimmsten Szenarien vor, wie seine Frau davon erfahren könnte.

Dieser Billy Wilder Film ist überschätzt, ich hätte nicht gedacht, dass ich einen solchen Satz Mal schreiben würde, aber „Das verflixte 7. Jahr“ hat ihn sich verdient. Als Komödie bis auf das Ende ein Totalausfall, so hat dieser Film nichts von den komödiantischen Großtaten Wilders und als Film mit einer Moral auch arg weichgespült. Sicher, der Hayes Code hat es damals verboten offen Ehebruch zu zeigen (wie er in der Theatervorlage exerziert wird), jedoch war Wilder in anderen Werken kreativ genug, den Code zu umgehen und dennoch das verbotene zu vermitteln. Über weite Strecken dümpelt der Streifen vor sich hin, die Tagträume sind leidlich unterhaltsam, einzig das Zusammenspiel von Ewell und Monroe schaffen es dem ganzen eine gewisse Würze zu verleihen und der Drehbuchtrick mit dem Paddel ist auch sehr gut umgesetzt, aber sonst ist da nicht viel, was ich dem Film positiv anrechnen kann. „The Seven Year Itch“ ist ein bestenfalls durchschnittlicher Film und im Werk von Billy Wilder für mich ein Tiefpunkt. 5/10

3 Kommentare zu „Klassikerparade (24) – Pusher, The Rocky Horror Picture Show, Endstation Sehnsucht, Ich kämpfe um dich, Das verflixte 7. Jahr

  1. Bei der RHPS kann ich dir natürlich nicht zustimmen. Hinter den tollen Songs und dem Trashfaktor stecken auch echt gute Filmarbeiten. Die Charaktere sind einzigartig und bieten auch mehr als man denkt, Kamera und Licht sind für quasi Nö-Budget-Film fantastisch und ich mag tatsächlich so gut wie jede Szene. Wenn nicht gesungen wird, gibt es schön trashige Gags
    Der Film wächst bei jedem Schauen allein wegen seiner Andersartigkeit die nie kopiert werden konnte 😁

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    1. Ich hab kurz überlegt, ob ich stur mit Nö antworte, wäre dem Kommentar allerdings nicht gerecht geworden.
      Ich mag es wenn gesungen wird, sonst ist der Film ne 3/10. Anders sein alleine reicht nicht, dann wäre ich ja auch ne 10/10 (womit der Kommentar nun auch eine Humorbombe ist)

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      1. Natürlich geb ich dir Recht, dass „anders“ nicht gleich besser ist. Dieser Film ist aber eine Aufforderung Liebeserklärung „anders“ zu sein. Der Film feiert seine Charaktere (im Gegensatz zu dem biederen Paar) ab und die Botschaft ist einfach „man hat so viel mehr Spaß“ 😀 Ich hab wirklich selten einen so energie-geladenen Film gesehen, aber der Funke scheint dich nicht ganz getroffen zu haben. Aber wie gesagt: Ich fand den Film beim ersten Mal auch nur „gut“ bzw. eigentlich nur die Songs. Der wächst! 😀

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