Gefühlt gab es ewig keine Klassikerparade mehr, in Wirklichkeit war es doch nur etwas mehr als ein Monat, dafür gibt es heute jedoch eine Rekordzahl an Filmbesprechungen innerhalb dieser Rubrik unter anderem mit einem Oscargewinner, der in Österreich kaum bekannt ist, obwohl er dort spielt, mit Paul Thomas Andersons Blick auf die Pornofilmszene sowie Sergio Leones zweitem Western.

Der Rosenkrieg (War of the Roses)

gesehen auf Disney +

Danny DeVito inszeniert sich als Scheidungsanwalt, der die brutale, aber auch urkomische Scheidung der Roses (gespielt von Michael Douglas & Kathleen Turner) schildert.

Wenn ein Filmtitel sich als geflügeltes Wort etabliert, dann ist der kulturelle Impact sehr hoch, so auch bei „Der Rosenkrieg“. Michael Douglas und Kathleen Turner zusammen funktionieren in jeglicher Beziehung wunderbar (alternativ kann ich noch „Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten“ nahe legen) und wie Danny DeVito diesen Film inszeniert ist bemerkenswert. So bedient sich „Der Rosenkrieg“ ähnlich wie „Unsere teuflischen Nachbarn“ Horrorstilmitteln, um sie in ein komödiantisches Setting zu bringen. Dabei geht dieser Film zunächst nuanciert und balanciert vor, etabliert das Glück der Roses, zeigt aber früh auf, dass der Schein trügt, um den Scheidungskrieg, der in der zweiten Hälfte des Films folgt aufzubauen. Dieser Scheidungskrieg ist zwar vollkommen überzogen mit einer Verfolgungsjagd quer durchs Haus, aber dennoch Warnung genug, sich nicht in einen solchen zu begeben. 7/10

A Better Tomorrow (auch bekannt als City Wolf)

gesehen auf DVD

John Woos Actionfilm, der als Geburt des Heroic Bloodsheds gilt bietet einen Hauptplot rund um einen Polizisten Kit (oder auch Billie genannt) und seinen für die Triaden Ho Tse arbeitenden Bruder. Ho Tse verhindert den Aufstieg des integren Kit, da befürchtet wird, dass dieser überlaufen könnte.

Bevor ich den Film gesehen habe, habe ich eigentlich gedacht, dass Chow Yun Fat, der später die Hauptrollen in John Woos HongKong-Filmen übernehmen sollte. auch hier jene übernimmt, er spielt jedoch eine Nebenrolle in diesem als Actionfilm getarnten Bruderdrama, indem Woo eigentlich alle Mittel entwickelt, die er später perfektionieren sollte. Das Spiel mit den Zeitlupen, die richtige Inszenierung wuchtiger und brutaler Actionszenen und sein Verständnis von einer Moral, die die Gesetze (sowohl die staatlichen als auch jene der Traiden) überragt, um zu einer Katharsis für seine Figuren zu kommen. Dabei schleppt sich „A Better Tomorrow“ jedoch ein wenig unrunder als „The Killer“ durch die Narrative, obwohl der Film knackige 95 Minuten Laufzeit hat. 7/10

Die Farbe des Geldes (The Color of Money)

gesehen auf Disney +

Der sich im Ruhestand befinde Billardprofi Eddie Felson (Paul Newman) entdeckt in der Bar das herausragende Talent Vincent Lauria (Tom Cruise) und will mit ihm gemeinsam Geld machen. Zusammen mit Vincents Freundin Carmen (Mary Elizabeth Mastrantonio) gehen sie zunächst auf Tour durch die Billardbars des Landes.

Tom Cruise Filme in der Zeit nach „Top Gun“ lassen sich oft als „Top Gun mit…“ kategorisieren. So ist „Tage des Donners“ nichts anderes als „Top Gun mit Autos“ und „Cocktail“ lässt sich leicht als „Top Gun an der Bar“ bezeichnen. Bei ungenauer Betrachtung ist auch „Die Farbe des Geldes“ nichts anderes als „Top Gun mit Billard“. Ungestümer Jüngling trifft auf Mentor, schaukelt nebenher eine Beziehung, während die Mentorenbeziehung Risse erhält. Nun ist „Die Farbe des Geldes“ in erster Linie Fortsetzung des 1961er Films „Haie der Großstadt“ und fokussiert sich deshalb auch auf Eddie Felson, voller Charisma verkörpert von Paul Newman, während Cruises Vincent Lauria ein wenig in den Hintergrund gerückt wird. Dank der wie immer sehr guten Regie von Martin Scorsese entsteht dabei ein unterhaltsamer Sportfilm, der zwar das Rad nicht neu erfindet, jedoch vor allem dank Michael Ballhaus Kameraarbeit immer noch frisch wirkt. 7/10

Apollo 13

gesehen auf Netflix

James A. Lovell (Tom Hanks) soll mit seiner Crew die Apollo 13 Mission absolvieren. Der Ausfall von Thomas Mattingly (Gary Sinise) soll nicht das letzte Drama dieser verkorksten Mission werden.

Ron Howard ist einer dieser Regisseure, die in der Regel solide Filme abliefern („Hillbilly Elegy“ als mahnende Ausnahme ausgenommen), jedoch selten einen wirklich großen Film abliefern. „Apollo 13“ wird gerne Mal als einer seiner besten Filme genannt und ich frage mich warum. Sicher, auch hier hat man einen soliden Film, der nicht viel falsch macht, aber der derart konventionell ist, dass man nicht mitgerissen wird. Das Drehbuch arbeitet klinisch das Protokoll ab, dennoch schleichen sich Leichtsinnsfehler in der Umsetzung ein, der altbekannten Geschichte wird kein neuer Aspekt abgewonnen (am interessantesten war noch das zunächst fehlende Interesse der US-Öffentlichkeit), die Figuren werden auch eher pflichtgemäß ausgearbeitet und ich traue mich kaum es zu sagen, aber Tom Hanks als „Jim“ Lovell halte ich für vollkommen fehlbesetzt. Da hat Howard einiges an besseren Filmen abgeliefert. 6/10

Boogie Nights

gesehen auf DVD

San Francisco 1977: Jack Horner (Burt Reynolds) entdeckt den jungen Kellner Eddie Adams (Mark Wahlberg) und macht Eddie, der sich nun Dirk Diggler nennt, zum Star seiner pornographischen Filme. In der Folge wird Eddies Werdegang und die, der Charaktere, die er trifft über die Jahre beleuchtet.

Paul Thomas Andersons zweiter Spielfilm ähnelt für meinen Geschmack ein wenig Tarantinos „Once Upon a Time in Hollywood“, nur dass dieser Film ein paar Jahre später und in der Pornofilmbranche spielt. Ähnlich mädernd laviert sich Anderson durch seine Erzählung, in der der damals noch als Model und Rapper Marky Mark bekannte Mark Wahlberg ein brillant aufgelegtes Ensemble anführt. Obwohl „Boogie Nights“ im Mittelteil seine Längen hat, ist dies ein bemerkenswerter Film, der es schafft die psycho-analytische Richtung, in die sich Anderson bewegen sollte vorwegzunehmen, dabei jedoch einen klassischen Unterhaltungsfilm zu liefern. Besonders hervorzuheben ist der sensationell passende Musikeinsatz in vielen Szenen, den Höhepunkt bildet eine herrlich absurde Szene in deren Mittelpunkt Rick Springfields Klassiker „Jessie´s Girl“ eingesetzt wird. Besagte Szene enthält auch noch einen der besten Kurzeinsätze des amerikanischen Kinos aller Zeiten. 8/10

Für ein paar Dollar mehr…

gesehen als Fernsehaufnahme

Ponchoträger Monco (Clint Eastwood) begibt sich wieder auf Kopfgeldjagd, bekommt diesmal jedoch Konkurrenz von einem ihm wohl bekannten Colonel (Lee Van Cleef). Sie raufen sich zusammen, um die Bande des Bankräubers El Indio zu stellen.

Sergio Leones zweiter Western zeigt schon deutlicher jenen Stil, für den er später verehrt werden sollte. Gemeinsam mit Komponist Ennio Morricone gelingt die Abstimmung von Bild und Score oft nahezu perfekt, die später als Leone-Shots bekannten Gesichtsaufnahmen finden vermehrt und stilsicher Einsatz und die gezeigte Action liefert feine Unterhaltung. Obwohl „Für ein paar Dollar mehr…“ damit ein spürbarer Fortschritt zum Vorgänger ist, rumpelt der Film nach einem besonders starken ersten Akt jedoch ein wenig ohne das epische von beispielsweise „Spiel mir das Lied vom Tod“ zu liefern. Ein weiterer Pluspunkt dieses gelungenen Westerns ist Lee van Cleef als Konkurrent des bekannten Monco. 7/10

The Sound of Music

gesehen auf Disney +

Salzburg 1938: Novizin Maria (Julie Andrews) wird Kindermädchen beim Marineoffizier Kapitän von Trapp (Christopher Plummer) und lehrt die Kinder des Kapitän mithilfe der Musik, wodurch eine innige Bindung entsteht.

Im Rahmen meines Ziels alle „Best Picture“ Gewinner der Oscars mindestens einmal zu sehen (Zur Info: Ich stehe bei 49 von 92) bin ich auf diesen in Deutschland und Österreich vergleichsweise unbekannten Film aufmerksam geworden, der allerdings weltweit das Bild unseres südlichen Nachbarn geprägt hat. Drastisch gesagt könnte man diese Parabel rund um die Trapp-Familie so heutzutage nicht mehr drehen, zu sehr würde man sich an der Süßlichkeit und der Wahrheitsverdrehung dieses Musicals stören. „The Sound of Music“ ist über zwei Drittel seiner Laufzeit glorios-feiner Edelkitsch, der wunderbar inszeniert ist, überraschend schwache Lieder zu bieten hat und vorhersehbar ist, bis zu dem Zeitpunkt als der Anschluss Österreichs an Nazideutschland nicht mehr umgangen werden kann und genutzt wird, um eine packende Fluchtstory der Trappfamilie zu erzählen. Der Bruch im Film ist derart drastisch, wie man es sonst eher selten erlebt (die aktuellsten Beispiele sind sicher „OUATIH“ und „Parasite“) und er funktioniert, um aus einen mittelmäßigen Streifen, der genauso als deutscher Heimatfilm durchgehen würde einen nahegehenden Film zu machen, da verzeihe ich auch die schwache Musik. 7/10

2 Kommentare zu „Klassikerparade (25) – Der Rosenkrieg, A Better Tomorrow, Die Farbe des Geldes, Apollo 13, Boogie Nights, Für ein paar Dollar mehr & The Sound of Music

  1. Mein Lieblingsfilm Deiner Liste ist natürlich „Boogie Nights“, „The Sound of Music“ habe ich ewig nicht mehr gesehen, habe ihn aber – wie die meisten (besseren) Musicals – auch auf DVD. Könnte man eigentlich auch mal wieder gucken, vor allen Dingen, weil Christopher Plummer jetzt ja leider nicht mehr unter uns weilt. 😢

    Gefällt 1 Person

    1. „Boogie Nights“ ist auch ein Klassefilm^^
      „The Sound of Music“ ich bin mal gespannt, wann der Film genauso auseinandergenommen wird, wie so manch anderer Klassiker, als Musical fand ich den eher mittelmäßig (die Lieder waren so gleichförmig), aber das Schauspiel und der letzte Akt waren schon top.

      Gefällt 1 Person

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