Ursprünglich wollte ich als zweites in dieser ESC Saison die schlechtesten ESC Gewinner auseinandernehmen. Nachdem mir beim durchhören aber nur vier Songs ohne Begleitumstände als derart schwach, dass ich sie in einer solchen Liste verewigen wollen würde, habe ich mich lieber auf meine nächste Liste gestürzt. Ich möchte euch diese vier Jahrgänge nicht vorenthalten, die alle in die Ära fallen, wo Televoting schon eingesetzt worden ist, so wären in meiner Hall of Shame sicher dabei die Siegersongs aus den Jahren 2001, 2002, 2008 und 2011 und ich empfehle jeden nicht den Reflex nachzugehen und sich noch einmal diese Songs anzuhören. Stattdessen widme ich etwas für mich angenehmeren und präsentiere einen Grund für meine ESC Liebe.

Ein Grund für meine Liebe für den Eurovision Song Contest ist die Tatsache, dass er besonders gegen Ende der Nullerjahre und zu Beginn des 2010er-Jahrzehnts hort jenes ausgerottet schienenden Musikstils wurde, der kommerziell schon 1996 so gut wie gestorben war und doch von jener Dancefloorbrillanz geprägt war, die mir inzwischen fehlt: der Eurodance oder wie er damals genannt worden war Dancefloormusik. Dabei handelt es sich um Produkte von Musikprojekten wie Culture Beat, Snap oder La Bouche, die Grundzüge des House mit einer Massenkompatibilität kombinierten, die die europäischen Charts regelrecht überrollten. Aber wem erzähle ich das, über kaum ein Genre habe ich so viel geschrieben wie über das beste Musikgenre, das die 90er hervorgebracht haben. Nun für die Revitalisierung war eine Anpassung notwendig, die ich gerne als schlagerisierung durchgehen lasse. Wer sich die deutschen Schlager der Jahre anhört, wird einen Einfluss auch erkennen können. Die ESC-Eurodancesongs verzichten komplett auf Rapparts, wie sie in den Neunzigern Usus waren, melodisiert die Synthesizerklänge und nutzt die moderne Studiotechnik um den Sound voluminöser klingen zu lassen. Ach ja, dank der 3 Minuten Länge wurde auch die Songstruktur gestutzt, Intros umfassen höchstens vier Takte und auch am Rest wurde ordentlich geknabbert.

Von daher sind einige Uptemposongs, die manche vielleicht in dieser Liste nicht gesehen hätten nicht dabei, so zum Beispiel die Schlageresken (zum Beispiel Schweden 2004) oder die ganzen Ethnobanger ala Griechenland 2005 oder Zypern 2018 nicht dabei. Der Großteil der zwanzig Songs stammt aus den Jahren 2006 bis 2013, genauso bemerkenswert ist die Tatsache, dass immerhin fünf Länder mit zwei Songs vertreten sind.

20. Cezar – It´s My Life (Rumänien 2013, Platz 13 im Finale)

Dracula im Autoscooterstyle

Over The Top in Reinform. Das Outfit ist unbeschreiblich, der Wechsel zur Opernstimme abrupt, aber ich habe immer noch Spaß damit und Synthies klirren ohne Ende.

19. Demy – This is Love (Griechenland 2017, Platz 19)

Der Blick ist schon creepy

Leichte Abzüge in der B-Note, das ganze ist schon plump, aber plump zieht beim ESC, daher auch mit Recht im Finale gestanden.

18. Sunstroke Project – Run Away (Moldawien 2010, Platz 22)

Epic Sax Guy natürlich im Thumbnail

Ich fand das schon gut, bevor der Epic Sax Guy Viral ging, die Idee ein Saxophonsolo in einen Eurodancesong einzubauen liebe ich und die Umsetzung ist auch gelungen, wenn man von den Outfits absieht.

17. Sakis Roukas – This is Our Night (Griechenland 2009, Platz 7)

Plump oder Sexy? Wahrscheinlich beides

Ein bisschen flach ist der Song ja, aber die Show reißt es irgendwie raus und Savis Roukas ist jetzt auch nicht so schlecht anzusehen.

16. Hera Björk – Je Ne Sais Quoi (Island 2010, Platz 19)

Gibt es doch zu: Ihr hättet eine Ballade erwartet

Mörderstimme in einem darauf ausgerichteten Synthesizerkorsett, zündete dann weniger als erwartet und musste sich mit Platz 19 begnügen, völlig unterberechtigt so weit hinten.

15. Loreen – Euphoria (Schweden 2012, Platz 1)

Die schwedische Antwort auf Waldorfschulen

Warum ausgerechnet dieser Song der Einzige ESC Gewinner ist? Er ist auch angenehm genug für diejenigen, die mit Eurodanceversatzstücken in ESC Songs nichts anfangen können und wertig gemacht und der Tanz hat auch geholfen?

14. Dustin the Turkey – Irelande Douze Points (Irland 2008, Aus im Semi)

Trash aber vom feinsten: Der singende Truthahn

Der beste irische ESC-Beitrag aller Zeiten! Das sage ich ohne jeglichen Hauch von Ironie, ein Trashfestival der allerersten Klasse und selbst der Text, der nur aus Irlande Douze Points und ansprechen der teilnehmenden Länder besteht gibt viel Interpretationsspielraum.

13. DJ Bobo – Vampires are Alive (Schweiz 2007, Aus im Semi)

Einer der schlimmsten Halbfinalvergehen: DJ Bobo nicht ins Finale zu voten

Große Namen ziehen nicht allein beim ESC. Warum aber ausgerechnet DJ Bobos fabelhaftes Vampirmärchen im Semi kleben bleiben musste, verstehe ich bis heute nicht. Einer der besten Songs von Rene Baumann und der hatte in den Neunzigern knaller wie „Pray“ oder „Freedom“ zu bieten.

12. Mihai Traistariu – Tornero (Rumänien 2006, Platz Vier)

Hat was unbeholfenes Mirai Traistariu

Voll auf die zwölf geht dieser Eurodancestompfer aus Rumänien, auch wenn der Auftritt überhaupt nicht zum Song passt hat es für den vierten Platz gereicht. Wo wäre das nur mit richtiger Inszenierung gelandet?

11. Cascada – Glorious (Deutschland 2013, Platz 21)

In der gekürzten LIVE-Fassung schwächer: „Glorious“ von Cascada

Bekannter Name schützt vorm scheitern nicht, musste auch Cascada erfahren. „Glorious“ ein typischer Eurodancesong hatte es von Beginn nicht leicht. Erst negative Stimmen nach dem Vorentscheid, dann der Plagiatsvorwurf und zuletzt ein verpatzter Auftritt, reichte dann nur für Platz 21 für einen Song, der Top 5 Material war.

10. Charlotte Perelli – Hero (Schweden 2008, Platz 18)

Die schwedische Cher: Charlotte Perelli

Der schlagereskeste Beitrag, den ich für diese Liste zugelassen habe und auch wenn man beim Anblick von „LaPerelli“ (Pirelli wäre aufgrund der Lippen passender) erstarren kann, der Song ist bockstark.

9. Bojana Stamenov – Beauty Never Lies (Serbien 2015, Platz 10)

Viel hilft hier auch viel

Beginnt als Musicalballade und gerät dann in ein fantastisches Eurodancegewitter. Alles an diesem Auftritt ist Over The Top aber es ist großartig.

8. Evridiki – Come Ci Comme Ca (Zypern 2007, Aus im Semi)

Vollkommen unverdient im Semi raus

Aus der Reihe: Unverdient raus im Semi. Evridikis dritter ESC-Song, ein Eurodancefeuerwerk gemischt mit Gitarren. Geht rein, Live Auftritt war zwar nur ok, hätte aber dennoch zwingend ins Finale kommen müssen.

7. Ani Lorak – Shady Lady (Ukraine 2008, Platz 2)

Hätte 2008 anstelle des Russen Dima Bilan gewinnen müssen

Es stimmte alles, nur hatte Dima Bilan einen prominenten Songschreiber (Timbaland) und den Eiskunstlaufweltmeister. Das toppte Ani Loraks meisterhaften Eurodancepopsong bei der Abstimmung, leider leider.

6. Eric Saade – Popular (Schweden 2011, Platz 3)

Quakiger Live Gesang kann doch funktionieren

Obwohl Eric Saades Stimme für manche zu quakig klang, Schweden hätte schon 2011 mit diesem Powersong den ESC gewinnen müssen. Ein Ohrwurm innerhalb exaltischer Synthies, die wummern und klirren als gäbe es kein Morgen mehr.

5. Ivi Adamou – La La Love (Zypern 2012, Platz 16)

Der ganze Auftritt schreit vor Energie

Nochmal die volle Kerbe, schon zu Beginn schreit uns dieser Song Eurodance entgegen. Die Synthies klirren auf, bevor dann die basslastige Strophe folgt. Ein Klassesong.

4. Kati Wolf – What about my Dreams? (Ungarn 2011, Platz 22)

Outfit war im Gegensatz zum Song nicht on Point

Kati Wolf, vormals Model, hatte unter der stimmlichen Last ihres Powerdancesongs zu klagen. Es gelang jedoch definitiv besser als ihr Outfit, das Mitschuld am eher schwachen Resultat für einen der Fanfavoriten des Jahres hatte.

3. Gina G – Ooh Aah Just a little bit (Großbritannien 1996, Platz 8)

Fast schon antik, Gina G in Oslo 1996

1996 war es noch ungewöhnlicher beim ESC musikalisch am Puls der Zeit zu sein, von daher erschien es fast revolutionär als das United Kingdom mit einem Eurodancesong (der Genrehöhepunkt lag gerade einmal zwei Jahre zurück) erschien. Selbst mit schwachem Gesang hätte es den Sieg geben müssen.

2. KeiiNO – Spirit in The Sky (Norwegen 2019, Platz 6)

Überraschungssieger beim Televote: KEiiNO

Beim Televote sogar vorn waren KEiiNO mit ihrem vergleichsweise (zu den anderen Songs der Liste) zurückgenommenen Eurodanceklopfer, aber die Freude der drei und der Zuschauer in der Halle übertrug sich auf die Zuschauer.

1. Euroband – This is My Life (Island 2008, Platz 14)

Großartig, wenn man von den Outfits absieht

Ganz ehrlich, das ist der beste Eurodancesong der nach 1994 produziert worden ist, eine Schande, dass der beim ESC keine Top Five Platzierung gemacht hat. Ich liebe es.

2 Kommentare zu „Meine Top 20 ESC Eurodance Songs

  1. Euroband – This is my Life ❤️❤️❤️

    Danke für diese schöne Best-of-Liste!
    Eine Perle fehlt mir: Läuft Sofi Marinovas ‚Love Unlimited‘ nicht unter Eurodance? 🤪

    Gefällt mir

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