In der Nacht von Sonntag auf Montag wurden die Oscars verliehen und nun wird es Zeit, dass ich meine Meinung dazu abgebe. Vorweg sei eins gesagt, ich habe die Show dieses Jahr nicht gesehen, aus verschiedenen Gründen. Zum einen war es mir schlicht nahezu unmöglich, mir die Nacht um die Ohren zu schlagen, wenn ich am nächsten Tag mehrere Univeranstaltungen ab früh morgens habe, zum anderen war ich so wenig emotional involviert wie seit mehreren Jahren nicht mehr. Woran das lag? So wenig Filme, wie seit drei Jahren nicht konnte ich im Vorhinein sehen und einige Filme, die im Nominierungsrennen waren hätte ich mir nicht angesehen, wenn ich nicht um ihren Status als Oscar-Kandidaten gewusst hätte. Um ein paar Beispiele wären da zu nennen: Ma Rainey´s Black Bottom, One Night in Miami, Mank (wobei da David Fincher als Regisseur auch eine Rolle gespielt hat), Pieces of a Woman habe ich mir bis heute nicht angeguckt (und wahrscheinlich wird der Film auf meiner Netflix-Watchlist kleben bleiben). Andere Filme waren ohne auf mindestens halblegale Wege einzuschlagen hierzulande nicht zu sehen und doch hatte ich das Gefühl ich bin nicht allein.

Auch wenn die Filmqualität zumindest bei den Filmen, die ich sehen konnte, sich nicht wesentlich von durchschnittlichen Oscarjahrgängen unterschied, hatte sich bei Filmfans das Gefühl durchgesetzt, pandemiebedingt sei das ein schwacher Jahrgang. Ein Grund, selten waren die Favoriten so unbekannt beim breiten Publikum und das obwohl noch nie so viele Filme im Heimkino zu sehen waren. Dieser Oscar-Jahrgang ist meiner Meinung nach der sichtbare Höhepunkt einer jahrelangen Entwicklung, die kurzzeitig auf der Jagd nach Einschaltquoten aufgegeben worden sind. Die Halbwertszeit der Oscarfilme wird kürzer. Glaubt ihr mir nicht? Wer erinnert sich heute noch an Filme wie The Descendants, The Help, Life of Pi, Selma, Brooklyn und Lion? Alles oscarnominierte Filme der letzten zehn Jahre, die heute nur noch von wenigen gekannt werden. Nun ist das keine neue Entwicklung, sondern eine stätige Anpassung an eine immer schnelllebigere Zeit und wenn man in die Achtziger zurückgeht, merkt man, es gab schon einmal eine Zeit, in der die Oscargewinner/-nominierten eher unbekannt waren, bevor in den Neunzigern Filme wie „Das Schweigen der Lämmer“, „Forrest Gump“, „Braveheart“, „Titanic“ ausgezeichnet worden sind. Warum dieser Exkurs? Weil er beschreibt, was ein Problem der Oscars geworden ist. Auf der Jagd TV-Einschaltquoten zu halten gar noch zu verbessern, ungeachtet der Tatsache, dass Streaming dem TV-Markt mehr schadet als dem Kinomarkt (vor der Pandemie), wurden in den letzten Jahren wieder populärere Filme wie „Black Panther“, „Bohemian Rhapsody“ und „A Star Is Born“ nominiert und im letzten jahr kam der glückliche Fall, dass Filme wie „Once Upon A Time In Hollywood“, „The Irishman“, „1917“ und auch „Parasite“ eine enorme Popularität gewinnen konnten. Dennoch bleibt der Trend negativ, dieses Jahr hat sich der Trend verstärkt, vielleicht auch weil es keinen Publikumsliebling bei den Oscars gab, selbst der meistgesehene westliche Film „Tenet“ hätte das nicht verhindern können, zu kontrovers waren die Reaktionen auf Christopher Nolans Film. Die Oscars befinden sich in einer Identitätskrise, so zumindest meine Wahrnehmung. Dieser Preis hat eine besondere Legitimation: Es ist der Preis (nahezu) aller Filmschaffenden der anglo-amerikanischen Filmindustrie. Deswegen ist dies der wichtigste Preis der Filmindustrie und das wird er solange blieben, solange die anglo-amerikanische Dominanz in der Filmbranche erhalten bleibt. Aus dieser Perspektive war der Sieg Parasites eine Niederlage, wenn man aber weiter blickt muss man sagen, dieser Akt, den man zynisch als kulturelle Aneignung bezeichnen könnte, eine andere Aussage verbreitet. Wir entscheiden, was der beste Film des Jahres ist und wenn der seltene Fall eintritt und es ist ein asiatischer Film, dann zeichnen wir diesen Film aus und ehren die Macher davon. Umso ernüchternder aus meiner persönlichen Perspektive, dass „Another Round“ nicht zumindest eine Nominierung als Bester Film erringen konnte. Zumindest die Regisseure haben nach dieser 2020 durchgebrochenen Divise (Filme wie „Roma“, „Liebe“ und „Tiger & Dragon“ haben dies zumindest angedeutet) gehandelt und Thomas Vinterberg für seine Regieleistung nominiert und natürlich sage ich das aus meiner Perspektive, dass „Another Round“ für mich einer der besten Filme der letzten Jahre ist. Anstatt weiter die Relevanz des Preises in den Einschaltquoten zu suchen, sollten die Oscars stattdessen selbstbewusst verkörpern, wir zeichnen die Filme aus, die wir am besten finden aus und wenn ihr da andere Sichtweisen habt, dann vergibt doch selbst Preise (ok, das ist jetzt natürlich polemisch, aber man versteht was ich meine). Die Oscars haben ihr Selbstbewusstsein verloren, das wiegt schwerer als das messbare Abschalten der Zuschauer, wenn es zu politisch wird. Ein weiterer Punkt, der mir sauer aufstößt, ist die Tatsache, dass die Oscars sich zu sehr nach jenen Filmpublizisten, die die Oscars gern kritisieren ohne auf die Hintergründe zu blicken, richten, was sich auch darin zeigt, dass die Oscarnominierungen (ebenso wie jene der Filmgilden) ähnlicher zu jenen werden, die die Kritiker ausloben, abgesehen von Filmen, die nun wirklich keiner außer den Kritikern gesehen hat. Dennoch werden Filmjournalisten immer Kritik finden, wäre dieses Jahr nicht sowohl eine asiatisch-stämmige Schauspielerin und Regisseurin sowie ein afro-amerikanischer Schauspieler ausgezeichnet worden, hätte es wieder einen von jenen Filmjournalisten angestachelten Shitstorm gegeben, wie man Anthony Hopkins anstelle von Chadwick Boseman als Besten Hauptdarsteller auszuzeichnen, nachdem nahezu alle wichtigen Indikatorpreise Boseman ausgezeichnet haben. Es ist ein Beispiel dafür, wie politisch korrekt die Oscars sein sollen, wahrscheinlich auch verstärkt durch die als Fehler angesehene Auszeichnung Green Books im Jahr 2019 und wenn man genau hinsieht, merkt man, ja diese #oscarssowhite Shitstörme haben etwas bewirkt. Die Academy stellt sich diverser auf, lädt mehr Frauen, PoC und internationale Filmschaffende ein Mitglied zu werden, aber die Oscars allein können die Filmbranche nicht revolutionieren. Solange es keine guten Filme gibt, die PoC thematisieren, können sie nicht nominiert werden und der Anspruch der Oscars muss es sein, die aus ihrer Sicht besten Filme auszuzeichnen und nicht die woke Entscheidung zu treffen. „Moonlight“ ist deshalb ein glanzvoller Oscargewinner, weil er ohne Zweifel zu den besten Oscarsiegern der jüngsten Zeit zu zählen, weil Barry Jenkins eine emotionale Geschichte unkonventionell und beeindruckend inszeniert. „Moonlight“ überragt nicht aufgrund der Tatsache, dass der Film im Milieu der PoC spielt, sondern wie in diesem Milieu ein überragender Film spielt.

Wenn man dann im Vergleich sieht, welch bräsige Filme „Ma Rainey´s Black Bottom“ und „One Night in Miami“ (beides Kritikerlieblinge) geworden sind, kann man nur froh sein, dass diese Filme nicht um den Hauptpreis konkurriert haben. Nun habe ich die Oscars hart angegangen, aber wenn ich manche Meinung lese, dann platzt mir fast die Hutschnur. So hat es in der deutschen Filmfanblase mal wieder ein vielbeachtetes Video gegeben. Traditionell hat sich Wolfgang M. Schmitt, jener „Filmkritiker“, bei dem sich lohnen würde eine eigene Analyse seiner als Videoessays vorgetragenen „Kritiken“ zu schreiben, wieder die Oscars vorgeknöpft. Jedes Jahr erzählt Schmitt warum mehr oder weniger alle Oscarnominierten Filme bestenfalls mittelmäßig seien (Ausnahme letztes Jahr), dieses Jahr hat er jeden Film verrissen, abgesehen von „Promising Young Woman“ den er, wenn ich sein Geschwurbel richtig interpretiert habe als mittelmäßig, aber auch als verschenktes Potenzial wertet. Nun, wenn man aus persönlicher Kränkung, weil der eigene Lieblingsfilm nicht nominiert ist, derart lächerlich rumrantet, obwohl man sich ja als erhabener „Filmkritiker“ versteht, dann zeigt man, dass man eben doch borniert ist und im Hinblick auf die Oscars befangen. An sich nicht schlimm, aber sich so über die größte Vereinigung westlicher Filmschaffenden zu heben ist an Arroganz nicht zu überbieten. Der wahre Schaden ist jedoch, dass diese Haltung unreflektiert von Filmfreunden übernommen wird und die Oscars sich mit Vorwürfen auseinandersetzen müssen, die ihnen nicht gerecht wird. Wenn es solche Videos in Deutschland gibt, dann gibt es sie sicher auch in den USA. Nun, nicht jeder Filmfan muss die Oscars ernst nehmen, wer Genrefilme bevorzugt, kann in der Regel mit den Oscars nichts anfangen, aber man sollte sie als Filmpreis der Filmschaffenden respektieren und nicht unqualifizierte Dampfplauderei betreiben (gilt auch für die deutschen Medien, die von „Mank“ als großen Oscarfavoriten geschrieben haben), dafür müssen die Oscars jedoch ihr Selbstverständnis wiedererlangen.

Nach diesem etwas ausgearteten Gesamtblick doch zum Abschluss ein paar Worte zur Verleihung 2021. Da ich die Show nicht gesehen habe (ich habe nur die emotionale Rede von Thomas Vinterberg gesehen), kann ich gar nicht so viel zur Show selbst sagen. Die durch die immer noch herrschende Corona-Pandemie erzeugte intimere Atmosphäre hat mir in dem Auszug, den ich gesehen habe sehr gut gefallen. Das können die Oscars gerne beibehalten. Die Idee mit den Schauspielpreisen abzuschließen halte ich für eine Schnapsidee, gelinde gesagt. Es ist klar zu erkennen gewesen, dass die posthume Auszeichnung Chadwick Bosemans der Höhepunkt am Ende der Show sein sollte. Dumm, wenn die Academy dann doch Anthony Hopkins, der nicht anwesend oder zugeschaltet war, auszeichnet. Die Idee auf einen Moderator zu verzichten ist, zumindest wenn man Einschaltquoten einfahren möchte, immer noch fahrlässig. Meine favorisierte Lösung wäre ja ein gemischtes Moderationsduo aus einem/einer Filmschaffenden und einem/einer Moderator-/in. Ebenso ist das Streichen nahezu aller Showelemente aus der Sicht Einschaltquoten zu machen als fast schon sensationell dämlich zu bezeichnen. Wie passend, dass das Bild, das von den diesjährigen Oscars um die Welt ging Glenn Close Bootydance, der Teil des einzigen Showelements (eines Spiels, bei dem Filmsongs danach kategorisiert werden sollten, ob sie den Oscar gewonnen haben, nominiert waren oder übergangen worden sind) gewesen ist. Die Kategorie des Besten Filmsongs ist in einer Zeit, in dem kaum Filme solche haben inzwischen auch überflüssig geworden. Bezeichnend, dass vier der fünf nominierten Songs Abspannsongs waren und natürlich hat nicht der einzige echte Filmsong gewonnen. Von daher abschaffen und stattdessen endlich die Kategorien „Bestes Stuntensemble“ und „Best Casting“ einführen. Daneben bin ich jedoch heilfroh, dass auch dieses Jahr, jenem Jahr in dem Filme nicht im Kino gezeigt werden müssen, um nominiert werden zu können, kein Netflixfilm die Hauptkategorie gewonnen hat. Das hat zwei Gründe, zum ersten meine persönlich wachsende Abneigung gegen Netflix, die Milliarden in bestenfalls unterdurchschnittlichen Content verprassen, um sich dann mit ein-zwei Perlen renommierter Regisseure pro Jahr bei den Oscars schmücken zu können oder im Fall von „The Trial of the Chicago 7“ einen Film wegzukaufen, mit demselben Ziel. Zum anderen bin ich der Meinung, auch wenn das in Pandemiezeiten natürlich anders aussieht, dass Filme die für den Streamingmarkt produziert werden bzw. kein exklusives Kinoauswertungsfenster (das länger ist als einen Monat) haben, nichts bei den Oscars zu suchen haben.

Nach all den negativen zum Abschluss dann doch jene Preise, die mich besonders gefreut haben: Die Auszeichnung von „Another Round“ als Bester Internationaler Film, Anthony Hopkins Ehrung einfach, weil er ein derart guter Schauspieler ist, der mehrfache Oscarmeriten verdient hat, der Drehbuchpreis für „Promising Young Woman“ und die Auszeichnungen für „Soul“ und „Sound of Metal“, der eine Preis für „Tenet“. Ich hoffe alsbald die Filme „Minari“, „The Father“, „Nomadland“ und „Judas and the Black Messiah“ sehen zu können, die mir den Blick auf diesen Oscarjahrgang noch ein wenig aufhellen können.

18 Kommentare zu „Meine Meinung zu den Oscars (2021)

  1. Stimme dir in großen Teilen zu, besonders was das Selbstbewusstsein angeht, könnten die Oscars so viel besser auftreten.

    Was die Show 2021 angeht, äußere ich mich am Freitag ausführlich dazu. Aber wenn die Oscars endlich wieder relevanter werden wollen und mehr Zuschauer anziehen wollen, dann müssen sie entweder kontroverse Entscheidungen bei den Filmen treffen oder eine Show inszenieren, wo man als Zuschauer sich wirklich drauf freuen kann und alles passieren kann. Nichts davon macht die Academy, kein Wunder dass dann unter 10 Mio Leute einschalten nur um Namen von Zetteln zu sehen

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      1. Hab ich Eventmanagement studiert oder was? Ach warte, Mist. Ist natürlich schwer zu sagen und mal soll es ja auch nicht fokussieren, nur unbedingt kontrovers zu sein. Bei der Show würde ein Moderator und eine Produktionsfirma schon helfen, die mal neue Wege geht.

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          1. Neue Kategorien, Wegfall von alten Kategorien, aggresives Marketing im Sinne von „nur hier werden die besten Filme der Welt ausgezeichnet“ (können die Amerikaner normal sehr gut) und was die Show Sachen angeht, hab ich Ecce grad eben schon geantwortet was meine Ideen wären. Fake it until you make it. Das ganze Auftreten müsste sich komplett verändern, damit die Leute einschalten, alleine weil sie Angst haben etwas zu verpassen. Andere Idee wäre natürlich solche Späße wie „Bester Fanliebling“, aber das wäre nur kontrovers und hätte keinen Mehrwert

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            1. Danke für die Aufklärung, hast wohl auch Biologie studiert. Habe ich wohl falsch verstanden. Da du geschrieben hast „kontroverse Entscheidungen bei den Filmen“ habe ich gedacht, du wolltest Marvel oder Michael Bay Ehre zukommen lassen.

              Die Leute haben doch jahrelang die Oscars geschaut. Ohne feste Moderation ging es jedenfalls nicht bergauf. Vielleicht kommt die Academy auf eine Verbindung…

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              1. Da hab ich mich falsch ausgedrückt. Einzig internationaler können die Nominierten noch sein, aber nach „Parasite“ darf man sich ja nichtmal darüber noch beschwerden. Die nehmen uns einfach alles!

                Ach was, ein Showmaster zieht Leute an? Ich hoffe ja auf Kai Apfel

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    1. Ich weiß nicht, ob das deutlich genug angeklungen ist, aber meiner Meinung nach sollen die Oscars auf die Show scheißen und sagen ihr guckt uns, weil ihr LIVE erleben wollt, wie sich Lebensträume von filmschaffenden erfüllen. Die Einschaltquote ist nicht das was den Preis definiert, sondern seine Tradition und wer ihn verleiht. Jegliche Showinszenierung zieht das ganze in die Länge und kürzen könnte man sonst nur bei den Laudatios
      Kontroverse Entscheidungen treffen sie ja genug, je nachdem wen du fragst, war es kontrovers „Tenet“ nur zwei mal zu nominieren^^

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      1. Man sieht, du hast die Show nicht gesehen. Das war nämlich genau das, eine Preisverleihung wo man sich für die Gewinner*Innen freuen sollte und die allein durch die Freude am Film und den Emotionen leben sollte. Ging übelst nach hinten los, es war stinklangweilig. Mit Show Elementen mein ich auch nicht nur bisschen Musik und Songs raten, sondern einen Moderator der über die Filme herzieht, eine Inszenierung der Preise die passend ist mit unterlegten Filmszenen, cringe Momente mit Hollywoodlegenden, Trailer Premieren usw. Alles ist besser als 3,5 Stunden Namen von Zetteln lesen

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        1. Soll ich dir was sagen? Besser so als ein Riesentantam, denn worum soll es denn sonst gehen, außer darum wer die Preise gewinnt? Ich gucke die Oscars wenn dann deswegen^^
          Es ist nicht die Mehrheitsmeinung, aber die Oscars sollten sich das Recht rausnehmen und darauf keine Wert legen

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          1. Aber allein für die Wissensvermittlung reicht mir auch der Wikipedia Artikel. Ich schau die Oscars zwar auch deswegen, aber auch wegen Entertainment, Spaß am Thema Film und ein bisschen wegen dem cringe

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  2. Dieser Beitrag ist in meinen Augen (wie Du es jmd. vorwirfst, von dem ich noch nie zuvor gehört habe) viel Geschwurbel, stilistisch und inhaltlich. Ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll. 😏

    Erst mal muss man den eigentlichen Preis (den Oscar) von der Oscar-Verleihung trennen. Das eine ist die Entscheidung (der einzelnen Mitglieder in der Academy), das andere der Produzenten der Show, was sie für eine Show auf die Beine stellen. Die Academy hat zwar den Auftrag erteilt, die Oscar-Verleihung auszurichten, es liegt aber ab da an quasi nicht mehr in ihren Händen, was am Ende für eine Show dabei herauskommt. In dieser Show sollten einzig und allein die Nominierten und Gewinner gefeiert werden, das ist dieses Jahr leider teilweise etwas missglückt, auch weil die Produzenten offensichtlich einen anderen Ausgang für die Kategorie Bester Hauptdarsteller erwartet haben. Man sollte zur eigentlichen Oscar-Verleihung nicht Stellung nehmen, wenn man sie nicht gesehen hat.

    Es war, in meinen Augen, ein sehr starker Oscar-Jahrgang. Du gibst selbst zu, dass Du kaum einen Film gesehen hast, warum nimmst Du Dir dann das Recht heraus, zu beurteilen, dass es ein schwacher Jahrgang war? Man kann nicht immer über etwas schreiben, wenn man hier und da mal irgendwo etwas aufschnappt hat. Nur weil es kein Mainstream-Oscar-Kandidat dabei war? Die Oscars sind keine Populariätsveranstaltung, dafür gibt es andere Filmpreisverleihungen (Critics´Choice Awards, MTV Movie Awards, etc), sondern sie feiern die Filmkunst. Selten ist ein Blockbuster heutzutage noch Filmkunst. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie Du dich damals fürchterlich darüber aufgeregt hast, dass „La La Land“ nicht gewonnen hast, zu dem Zeitpunkt hattest Du wahrscheinlich „Moonlight“ noch nicht gesehen. Die Oscars öffnen vielen Filminteressierten die Augen, dass es neben den, von ihnen sonst konsumierten Filmen eben noch andere (kleinere, besondere) Filme gibt. Ich kann zumindest für Amerika sprechen, nach den Oscar-Nominierungen (und auch später der Preisverleihung) gehen die Amerikaner eben gerade für diese Filme, die sie für sich vorher gar nicht in Erwägung gezogen haben, ins Kino. So sind die Oscars auch eine Art Werbeveranstaltung für andere, außergewöhnliche Filme. In Deutschland funktioniert das nicht so gut, auch wenn beispielsweise „Parasite“ im letzten Jahr einen Ansturm auf die Kinos auslöste.

    Die Oscars befinden sich auch nicht in einer Identitätskrise. Die Mitglieder der Academy werden internationaler, weiblicher und diverser, damit ändert sich auch der Geschmack der Academy. Wenn die Oscar-Academy nicht das Selbstbewusst hätte, das sie hat, hätte sie beispielsweise wie die britische Filmakademie, eine Jury dieses Jahr entscheiden lassen und bei der finalen Entscheidung alles daran gesetzt, dass tatsächlich Viola Davis und Chadwick Boseman ausgezeichnet worden wären. Den Shitstorm hinsichtlich Anthony Hopkins Gewinn, den gibt es. Leider, aber er kommt von denjenigen, die der festen Überzeugung sind, dass ein amerikanischer Star, diesen Oscar verdient hat und nicht Anthony Hopkins.

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    1. Moment, ich denke wir missverstehen uns, denn so wie du meine Aussagen hier darstellst habe ich sie nicht getätigt.
      Ich habe betont, dass ich die Show nicht gesehen habe und habe dementsprechend auch nur Dinge bewertet, die man beurteilen kann ohne die Show gesehen zu haben und die Entscheidung nicht mit dem Besten Film zu enden ist so eine.

      Wo habe ich den gesagt, dass es ein schwacher Jahrgang ist? Ich habe gesagt, dass diese Meinung vorherrscht, weil die Filme vergleichsweise unbekannt sind und habe dann gesagt, dass von den Filmen, die ich bisher sehen konnte es mindestens ein solider (durchschnittlicher) Jahrgang ist und schließe damit ab, dass mir die Filme, die noch fehlen, das noch positiv nach oben verändern. Ich sage übrigens auch nicht (mehr), dass unbedingt ein populärer Film dabei sein muss. Ich schreibe sogar, dass dies dieses Jahr ein Ding der Unmöglichkeit darstellt und dass diese Filme, so ist meine Kritik ausflüchte sind, um wieder mehr Filmfans anzusprechen. Im Grunde sage ich ja, selbst populäre Filme können nicht verhindern, dass die Einschaltquoten sinken und weiter sinken werden. Die Oscars sollen die Filmkunst auszeichnen, da gebe ich dir Recht, daran hinderlich ist der Gedanke, gesellschaftliche Relevanz käme von Einschaltquoten der Preisverleihung. Das ist mein Punkt und das ist der Vorwurf der Identitätskrise des Oscars. Sie handeln nicht nach der Maxime Filmkunst auszuzeichnen, sondern wollen es Filmfans, Filmkritikern zu sehr recht machen.

      Schön, dass du nochmal „Moonlight“ ansprichst, den ich auch deswegen genommen hat, weil er meine Sicht auf die Oscars ein wenig verändert hat. Sie sollen den ihrer Meinung nach besten Film auszeichnen (für mich ist es in dem Jahr „La La Land“ gewesen, „Moonlight“ hätte ich im Nachhinein auf Zwei oder Drei gesetzt) und „Moonlight“ ist ein großartiger Film. Die sollen Blockbuster nominieren, wenn es großartige Filme sind, da fallen mir aber nur Filme wie Blade Runner 2049 und Mad Max (den ich immer noch leicht überschätzt finde, aber den ich auch immer mehr mag).
      Der Oscareffekt der Filme ist aber auch nicht mehr so groß wie er mal war und dieses Jahr wird er wahrscheinlich noch schwächer ausfallen.
      In Deutschland ist es fast russisch Roulette wie ein Film nach den Oscars funktioniert, mal überraschend gut, mal nahezu ungesehen.

      Die Identitätskrise, die ich festmache, mache ich nicht an der Mitgliederschaft fest, das lobe ich und wünsche mir, dass das mehr mutige Entscheidungen kommen, wie es in der Regiegilde Gang und Gebe ist. Entscheidungen, die unabhängiger sind von Filmkritikern und davon, was gut ankommt.
      Wenn Einschaltquoten der Faktor der Oscarverleihung sind, dann kann ich nicht von Selbstbewusstsein sprechen, bei den Nominierungen waren sie selbstbewusst als sie „One Night in Miami“ und „Ma Rainey´s Black Bottom“ nicht für den Besten Film nominiert haben. Bei der Preisvergabe auch, bei der Organisation der Verleihung nur zum Teil. Ich befürchte nächstes Jar werden wir uns wieder über irgendeinen Film wie „Bohemian Rhapsody“ aufregen, der nominiert wird, obwohl er bestenfalls mittelmäßig ist, eben weil die Oscars zu sehr auf Quoten und Akzeptanz der Filmfreunde zu hoffen, anstatt auf die eigene Tradition und Stellung zu verweisen.

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      1. „Auch wenn die Filmqualität zumindest bei den Filmen, die ich sehen konnte, sich nicht wesentlich von durchschnittlichen Oscarjahrgängen hatte sich das Gefühl durchgesetzt, pandemiebedingt sei das ein schwacher Jahrgang.“
        So habe ich das aber verstanden. Wie gesagt, vieles in dem Beitrag ist verschwurbelt ausgedrückt. 😒Wenn viel-gesehene, populäre Filme für den Oscar nominiert sind, steigt automatisch die Einschaltquote. Das war schon immer so. Da braucht man auch keine Show-Einlagen.

        Die Academy will es nicht Filmfans und Filmkritikern recht machen, das ist der wirklich schnuppe. Es hängt eher davon ab, was die jeweiligen Mitglieder tatsächlich auch für Filme gesehen haben. Filmkritiker, aber auch beispielsweise die HFPA geben den Academy-Mitglieder Impulse, was sie sich ansehen sollen, mehr nicht. Sie können ja kaum über 300 Filme gucken, es wird ihnen durch Filmkritiker etwas appetitlich aussehendes auf den Tisch gestellt, essen müssen sie aber alleine. Dazu kommen noch Filme, die sie aufgrund von Hörensagen gucken. Es ist eine geheime Entscheidung der einzelnen Mitglieder (in ihrem jeweiligen Fachgebiet), welchen Film sie in der jeweiligen Kategorien nominieren und die Entscheidung aller Mitglieder, wer den Oscar gewinnt. Es gibt keine Jury-Entscheidung, daher orientieren sie sich auch nicht an Filmkritikern, sondern, was ihnen – jedem einzelnen – gefällt. Sonst wäre „Green Book“ auch nicht als Gewinnerfilm ausgezeichnet und „Bohemian Rhapsody“ hätte auch nicht so viele Oscars (4 – unfassbar) gewonnen.

        Das Problem der Einschaltquoten ist das Problem, dass die Academy vor einigen Jahren einen langjährigen Deal mit ABC (sprich Disney) gemacht hat. Damit haben sie einen großen Fehler begangen, den sie sicher auch mittlerweile bereuen. Finanziell war das Ganze sicherlich lukrativ (schließlich musste ja das neue Academy-Museum gebaut/bezahlt werden), aber so haben sie sich auf Jahre (ich glaube der Vertrag geht noch bis 2028) abhängig gemacht. Sonst wären die Einschaltquoten auch egal, so bekommen sie Druck vom House of Mouse. Ich hoffe, sie lernen daraus und machen keinen solchen Deal mehr. Ich und viele andere würde auch 50$ oder so zahlen, um mir die Show anzuschauen. Dann bleiben wenigstens die Zuschauer weg, die die Show eh nur gucken, um sich hinterher darüber aufzuregen. Die Oscars waren und sind Nische. Daran wird sich nichts ändern.

        Im nächsten Jahr werden 10 Filme für den Oscar nominiert, natürlich wird da mindestens eine Gurke dabei sein. 🙄

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        1. Ich hätte es mir auch einfach machen können und entweder auf die bösen Filmfans, die die Veranstaltung nicht mehr gucken oder die Academy drauf hauen können. Würde dem Thema jedoch nicht gerecht werden.
          Den Zusammenhang zwischen populären Filmen und der Oscarquote überschätzt du meiner Meinung nach, wenn ich mir die Einschaltquoten der letzten zwanzig Jahre ansehe. Wenn die Academy das genauso sieht, werden sie nächstes Jahr wieder populärere Filme in Erwägung ziehen.

          Sorry, aber Reaktionen wie die angedachte Kategorie „Best Popular Film“ oder die Idee Preise in Werbungen zu verlegen zeigen, dass es zumindest diejenigen, die die Academy führen daran gelegen ist, es allen Recht zu machen. Entweder die Academy agiert danach oder reagiert wieder einmal auf irgendeinen Shitstorm. Mir ist auch das Prozudere bekannt, dass die Academymitglieder geheim abstimmen und dennoch willst du doch nicht behaupten, dass es keine oder kaum Academymitglieder gibt, die sich von Filmkritikern oder anderen Mitgliedern oder von anderen Faktoren beeinflussen lassen und dass es viel zu viele Mitglieder gibt, die abstimmen ohne genug Filme gesehen zu haben.
          „Die Oscars waren und sind Nische.“
          Ich bin davon überzeugt, dass die Oscars das anders sehen und daher so agieren wie sie agieren und genau das meine Ich, wenn ich eine Identitätskrise diagnostiziere. Sie sind Nische, aber sie müssen das Selbstbewusstsein haben die besten Filme auszuzeichnen und über oft unberechtigte Kritik zu stehen, anstatt halbgare Veränderungen herbeiführen zu wollen. Das kannst du gerne anders sehen und ich bin auch bereit meine Meinung zu revidieren, wenn die Academy zum Beispiel nächstes Jahr nicht wieder mehr Showelemente in der Show einfließen lässt und populärere Filme nur ihrer Popularität willen nominiert. Ich gehe aber stark davon aus, dass sie bis dahin die nächste Schnapsidee präsentieren werden.

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          1. Ich weiss, ehrlich gesagt, bis jetzt nicht, was das eigentliche Thema bei Deinem Beitrag (Meine Meinung zu den Oscars 2021) sein sollte.

            Wie ich schon sagte, die Academy hat einen langjährigen Deal mit Disney, sie haben wahnsinnig viel Geld für den Verkauf der weltweite Rechte für die Ausstrahlung der Oscars bekommen. Ich weiß nicht, ob Du weisst, wie Fernsehen funktioniert. Teure Sendungen und Shows müssen refinanziert werden und das geschieht durch Werbung. Um so weniger Menschen die Sendungen und Shows gucken, um so weniger generieren sie potenzielle Werbepartner. Dann kommt es dazu, das kannst Du auch im deutschen Fernsehen beobachten, dass Sendungen/Shows einen anderen Sendetermin bekommen oder gar abgesetzt werden. Daher kommt bei der Oscar-Academy der Druck im Ursprung, also in diesem Fall von Disney. Dann kommt es auch zu solchen abstrusen Überlegungen, wie beispielsweise die Kategorie „Best Popular Film“ einzuführen. Sie wollen es nicht allen Recht machen, sie wollen (oder müssen) es ihrem Vertragspartner Recht machen. Auch darf man nicht vergessen, dass sich das Medienverhalten in den letzten 20 Jahren krass verändert hat. Viele gucken kaum noch lineares Fernsehen, es sind ja nicht nur die Oscars die einen Zuschauerschwund zu beklagen haben, auch die Grammys und andere große Shows. Das sollte man miteinbeziehen in Entscheidungen, die von Verantwortlichen getroffen werden. Große Stars haben früher immer die Zuschauer vor den Fernseher gezogen, heute kannst Du den meisten Stars auf Instagram oder anderen Sozialen Medien folgen.

            Es gibt sicherlich ein paar Academy-Mitglieder, die sich auch von Filmkritikern beeinflussen lassen, aber sie haben offensichtlich ne eigene Meinung, sonst hätten sie beispielsweise viele Filme, die ganz offensichtlich bei den meisten Kritikern durchgefallen sind (beispielsweise Bohemian Rhapsody, der bei so vielen Kritikern negativ bewertet wurde) nicht als Besten Film nominiert. Klar haben viele (allen voran die PR-Leute und PR-Firmen) einen großen Einfluss auf die Academy-Mitglieder, aber eben nicht die Filmkritiker. Ohne die aber wiederum gäbe es keine Vorauswahl für die Academy-Mitglieder, was sie sich vielleicht noch anschauen sollten.

            Jede öffentliche Person, jedes Unternehmen, jede Organisation tut gut daran, auf einen Shitstorm zu reagieren. Vor zwanzig Jahren gab es natürlich auch schon Kritik an der Verleihung oder den Entscheidungen der Academy, sie wurden aber von einzelnen Journalisten in den Zeitungen geäußert. Das hat dann vielleicht in Hollywood kurz Aufsehen erregt, aber nicht weltweit. Mit den die Sozialen Medien hat die Kritik eine ganz andere Dimension erfahren. Negative Posts entwickeln eine Eigendynamik, schnell ist es ein Shitstorm da und der kann einen erheblichen Imageschaden nach sich ziehen. Um einen nachhaltigen Schaden abzuwenden, muss jede öffentliche Person, jedes Unternehmen und jede Organisation auf einen Shitstorm reagieren. Aussitzen ist in den wenigsten Fällen eine Option. Stell Dir mal vor, die hätten damals überhaupt nicht auf #oscarssowhite reagiert. Eine Reaktion hat nichts mit zu wenig Selbstbewusstsein oder einer gar Identitätskrise seitens der Academy zutun, sondern ist das ganz normale Reagieren in der heutigen Zeit.

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