Zu ehren von Lufio, der in eine Blogpause geht und vorher eine Woche lang täglich seine Pile of Shame abarbeitet, habe ich mich entschlossen daran anzuschließen und selbst sieben Filme an sieben Tagen zu sehen. Im Endeffekt wurden es sieben Filme innerhalb von neun Tagen und drei der ursprünglich geplanten Filme habe ich dann doch ersetzt, schlicht aus Zeitknappheit (sonst hättet ihr hier was zu „Der Pate 2“, „Zwei glorreiche Halunken“ und dem ersten „Harry Potter“ gelesen) und der Beitrag kommt auch nochmal ein paar Tage später.

Stagecoach (auch bekannt als „Ringo“)

gesehen auf Prime Video

John Ford inszeniert hiermit die Westernvariation eines Road Movies. In den 1880ern thematisiert der Film eine Gruppe Menschen, die durch das Gebiet des Apachen Geronimo fahren und dabei schwelende Konflikte lösen müssen.

Nun John Ford ist einer der Regiealtmeister, der ein Händchen für Inszenierung hatte, aber in seinen Western herrscht aber auch jene klischeehafte Darstellung des indigenen Volks vor, die man klassischen US-Western immer vorhalten kann. In „Stagecoach“ wird zunächst aber nur über die Apachen gesprochen, während die Gruppendynamik herausragt und einen interessanten Film liefert, auch wenn die Handlung simpel gestrickt ist (die Gruppe muss von Arizona nach New Mexico). Zwei Drittel des Films funktioniert das wunderbar, auch wenn die einzelnen Stränge sehr typisch sind, so haben wir eine Liebesgeschichte zwischen einem Outlaw und einer Prostituierten und der Konflikt zwischen den Anständigen und Anstandslosen, wo Ford geschickt diese moralische Einteilung konterkarieren lässt und den Bankier derart auflaufen lässt, dass überraschend viel Kapitalismuskritik durchsickert. Leider kommt dann im letzten Drittel der oblligatorische Kampf mit den Indigenen, der „Stagecoach“ doch ordentlich abfallen lässt. 7/10

Der Mann, der zu viel wusste (The Man Who Knew Too Much)

gesehen auf Prime Video

Ben (James Stewart) und Jo McKenna (Doris Day) machen mit ihren Sohn Urlaub in Marokko und treffen dabei auf Louis Bernard, der jedoch kurz darauf stirbt und Ben die Nachricht mitgibt, dass in London ein Attentat auf einen Staatsmann stattfinden wird. Während die McKennas von der Polizei befragt werden, entführt das unscheinbare Ehepaar Drayton ihren Sohn Hank.

Alfred Hitchcock remakt hier seinen 1935er Schwarz-Weiß Film und holt dank der verbesserten Technik mehr aus der Grundgeschichte heraus (auch wenn der Schwarz-Weiß Film immer das Plus in Gestalt von Peter Lorre haben wird). Hinzu kommt, dass sowohl James Stewart (keine Überraschung) als auch Doris Day (eine kleine Überraschung) in ihren Rollen höchst effektiv sind und der Film in seinen zwei Stunden Laufzeit einen sehr guten Fluss hat. Zügig wird aufgelöst, das beide Verbrechen zusammenhängen, womit dann auch ein Schauplatzwechsel nach London durchgeführt werden kann. Dort entspinnen sich dann typische Suspenseszenen, wodurch der Film klar als Hitchcock zu erkennen ist. Elemente, wie die kühle Blonde werden aufgeweicht (so agiert Jo zwar rational, zeigt jedoch intensiv ihre Muttergefühle), wohingegen der unscheinbare Mann, der in eine Verschwörung gerät ein gern genommenes Elemente Hitchcocks ist. Ähnlich wie „Das Fenster zum Hof“ und „Der unsichtbare Dritte“ ist dies ein Film, den man einen Hitchcockfrischling empfehlen kann, bevor die sich an die kantigeren „Psycho“ und „Vertigo“ wagen, auch wenn er nicht ganz heran kommt. Ein sehr guter sowohl spannender als auch unterhaltsamer Film ist „Der Mann, der zu viel wusste“ definitiv. 8/10

Leoparden küßt man nicht (Bringing Up Baby)

gesehen auf DVD

Dr. David Huxley (großartig: Cary Grant) ist ein vergeistigter Wissenschaftler, der eher durch Zufall auf die vitale Susan Vance (Katherine Hepburn) am Vortag seiner geplanten Hochzeit trifft und durch Verwicklungen muss er sich auch am Tag seiner geplanten Hochzeit mit ihr rumschlagen und mit dem Leoparden Baby.

Nicht wenige Stimmen sagen, dass „Leoparden küßt man nicht“ die Screwball-Komödie schlechthin ist und sicher es gibt gute Argumente dafür. Die Dialogzeilen besonders zwischen Grant und Hepburn sind furios und viele Szenen sind auch heute noch herrlich witzig. Daneben hat „Leoparden küßt man nicht“ eindeutig sexuelle Untertöne, die für diese Zeit vollkommen furios erscheinen und die Aussage, dass man nicht verkopfen sollte. Allerdings funktioniert nicht mehr der ganze Film so gut. Das liegt zumindest meiner Wahrnehmung nach an der etwas überfrachteten Handlung, die zwar dazu führt, dass Huxley sich mit Susan herumschlagen muss, allerdings auch den Film besonders im Mittelteil etwas ziellos wirken lässt, aber witzige Szenen gibt es immer noch dank der verrückten Charaktere in hohem Maße. 7/10

Mr. Smith geht nach Washington (Mr. Smith goes to Washington)

gesehen auf Blu-Ray

Der allseits beliebte Pfadfinderführer Jefferson Smith (James Stewart) wird aufgrund seiner unbedarften Art zum neuen Senator ernannt, um weiterhin einen eigentlich unnötigen Staudamm finanzieren zu können. Smith hat jedoch eigene Pläne, bis ihm Korruption vorgeworfen wird.

Frank Capra ist ein faszinierender Filmemacher. Zu Beginn der Tonfilmära hat er eine Reihe von Filmen gedreht, die die amerikanische Gesellschaft bzw. Bestandteile offen kritisieren und schafft es dabei oft im Ton optimistisch zu sein. Genau dies trifft auch auf die Politsatire „Mr. Smith goes to Washington“ zu, der trotz seiner üppigen Lauflänge von 134 Minuten durchgängig unterhält und mit Charme die amerikanische Politik vorführt. Der idealistische Jefferson Smith wirkt wie ein Muster eines leichtgläubigen Amerikaners, der erkennen muss, dass die Politik ihre Tücken hat. James Stewart spielt diesen Jefferson Smith entzückend, naiv genug, um immer als der Saubermann zu wirken, aber intelligent genug, um sich glaubwürdig aus der Schlinge zu ziehen. Besonders zeigt Stewart sein können in den Filibuster-Szenen (die den Höhepunkt des Films darstellen). Daneben gibt es auch die übliche Liebesgeschichte und die etwas plötzliche Leuterung eines der egomanisch agierenden Politiker, was aber im Rahmen des Films nicht stört. 8/10

Wenn die Gondeln Trauer tragen (Don´t Look Now)

gesehen auf Blu-Ray

Nach dem Tod seiner Tochter arbeitet der britische Architekt John Baxter (Donald Sutherland) dennoch in Venedig. Während seines Aufenthalts zusammen mit seiner Frau Laura (Julie Christie) begegnen sie unter anderem einer Seherin, die meint der Tochter ginge es gut. Daneben beginnen beide ihre Tochter zu sehen oder meinen es zumindest.

Nach der Sichtung dieses Streifens konnte ich die gezogene Parallele zum von mir geliebten „Midsommar“ nachvollziehen. Ari Asters Film nutzt nämlich eine sehr ähnliche Einführung, so beginnt „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ (ein fantastischer deutscher Titel, wenn auch ganz anders als der Originaltitel) mit dem beschriebenen Trauerereignis, worauf ein Szeneriewechsel erfolgt. Besonders der Bruch des romantisch konnotierten Venedigs hin zu einem mystischen Ort, der Seelengräben hervorbringt, macht diesen Film neben dem gelungenen Schauspiel sehenswert. Regisseur Nicolas Roeg inszeniert diesen Film hervorragend, auch wenn die Horrorkomponente nach heutigen Sehgewohnheiten jedoch arg verloren hat. Als wortkarges Beziehungsdrama funktioniert der Streifen jedoch auch heute noch sehr gut, auch wenn mir manche unübersehbare religiöse Konnotation zu aufdringlich war. 7/10

Bram Stoker´s Dracula (Dracula)

gesehen auf Netflix

Aus Frust über den Selbstmord seiner geliebten Elizabeta schändet Prinz Dracul (Gary Oldman) ein Kreuz, worauf er von Gott zum Vampir Dracula verwandelt wird. Als der englische Anwalt Jonathan Harker (Keanu Reeves) nach Transsilvanien reißt, entdeckt Dracula die frappierende Ähnlichkeit von Harkers Verlobten (Wynona Rider) zu seiner Elizabeta. Dracula täuscht Harker und reißt nach England um „seine“ Geliebte zu finden. Prof. Abraham Van Helsing (Anthony Hopkins) will ihn stoppen.

Wie schlecht kann ein Film mit Gary Oldman und Anthony Hopkins sein? Die Antwort liefert „Dracula“, ein Film der unter den stetigen Widerspruch zwischen dem permanenten Overacting nahezu aller Darsteller und dem stoischen Nichtspiel von Keanu Reeves leidet und der mehr wie eine Parodie auf Bram Stokers Roman gilt, obwohl Francis Ford Coppolas als werkgetreueste Verfilmung gilt. Schöne gut gemachte Settings und Kostüme bietet der Film, jedoch funktioniert weder die tragische Liebesgeschichte noch die Horrorkomponente zufriedenstellend, sodass nur der Bilderrausch hängen bleibt. 4/10

Ödipussi

gesehen auf Prime Video

Paul Winkelmann (Loriot) leidet eindeutig an einer Art Ödipuskomplex, jedoch beginnt er sich in die Psychotherapeutin Margarethe Tietze (Evelyn Hamann) zu verlieben.

Nun, die erste halbe Stunde von „Ödipussi“ ist grandios. Wunderbar nimmt Loriot hier die obere Mittelschicht mit ihrem Vereinswesen (diese Vereinssitzungen sind zum schießen) ebenso aufs Korn wie er visuellen Humor einfließen lässt. Ich musste zu Beginn in jeder Szene lauthals lachen, immer und immer wieder. Immer wieder passen die Humorspitzen, überlappen sich teilweise sogar, doch dann beginnt dieser Film seine Narrative auszubauen und verliert einiges an Biss und Cleverness, das hohe Anfangsniveau kann nicht gehalten werden, wodurch am Ende wie auch beim Nachfolger „Pappa Ante Portas“ ein solider Film bleibt (wobei Pappa Ante Portas seine Glanzstücke besser über den gesamten Film zu verteilen weiß), der jedoch mit danach kaum erreichten Humorspitzen auf die deutsche Spießbürgerschaft glänzen kann. 6/10

4 Kommentare zu „Klassikerparade Spezial – Stagecoach, Der Mann der zu viel wusste, Leoparden küßt man nicht, Mr. Smith geht nach Washington, Wenn die Gondeln Trauer tragen, Dracula, Ödipussi

  1. „sonst hättet ihr hier was zu „Der Pate 2“, „Zwei glorreiche Halunken“ und dem ersten „Harry Potter“ gelesen“ … also DAS hätte ich gerne gelesen 😀

    Coppolas Dracula war für mich eher immer wie ein Bühnenstück mit pompöser Ausstattung und aufdrehenden Schauspielern. Aber ich muss den nochmal sehen, zu lange her.

    Ödipussi ist schlechter als Papa ante Portas und wie du schon richtig sagst, ist die Story relativ egal. Meine Lieblingsszene ist das Aufeinandertreffen zwischen der Mutter und den „Schwiegereltern“, dieses anständige Verhalten während man unter der Blume große Verachtung gegenüber hat. Achja und die Szenen mit der Beratung ist auch großartig 😀

    Gefällt 1 Person

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