Heute Abend ist es endlich soweit, nach der coronabedingten Zwangspause 2020 kehrt der Eurovision Song Contest zurück. Im ersten Semifinale treten sechzehn Länder aus und fechten zehn Finalplätze aus. Daneben sind auch die Zuschauer aus Deutschland stimmberechtigt. Verfolgen kann man das ganze auf ONE ab 21.00 Uhr und hier sind die teilnehmenden Länder:

  1. Litauen – The Roop „Discotheque“

Das erste Semifinale eröffnet mit einem echten Banger und einem möglichen Diskothekenkracher. The Roop, letztes Jahr siegreich in der deutschen Ersatzshow in Hamburg, gehören auch dieses Jahr wieder zum erweiterten Favoritenkreis und haben mit ihrem auch auf Corona übertragbaren Song einen perfekt choreographierten Auftritt, der nicht nur souverän ins Finale einziehen wird, sondern auch Chancen hat dieses Halbfinale zu gewinnen.

2. Slowenien – Ana Soklic „Amen“

Eine herausragende Sängerin bietet Slowenien auf, allerdings mit einem der schlimmsten ESC-Songs der jüngeren Zeit. Nicht nur, dass „Amen“ eine strunzlangweilige kirchen-gospelige Ballade ist, der Song hat eine furchtbare Aussage, dass ein Kind sich doch nicht so anstellen sollte und leiden zur Kindheit gehört. Wird dank der Jurys nicht letzter, aber fliegt dennoch klar im Semi raus.

3. Russland – Manizha „Russian Woman“

Das Konzept Trickkleid bekommt bei Manizhas Auftritt eine neue Dimension. Nicht nur deswegen wird dieser mutige feministische teilweise gerappter Beitrag ohne Probleme ins Finale einziehen. Der Song gewinnt im Live-Auftritt auch dank Manizha nochmal immens hinzu und würde auch ohne den obligatorischen Punktebonus (der ohne Armenien und Belarus geringer ausfallen dürfte) ins Finale einziehen.

4. Schweden – Tusse „Voices“

Schweden hat den Jurybonus und auch wenn „Voices“ sicher der schwächste Beitrag der Nordlichter seit zehn Jahren ist, wird dieser ausreichen um dieses flache Liedchen, das man eher beim UK vermuten würde, ins Finale zu bringen, auch wenn es dieses Jahr enger wird als sonst. Bitter, wenn man bedenkt, dass Interpret Tusse Potenzial für mehr hat.

5. Australien – Montaigne „Technicolour“

Australien ist nicht anwesend und muss auf das gelungene BackUp-Video zurückgreifen. Jedoch wird der leicht sperrige Song es sehr schwer haben mit dem Finaleinzug, auch weil Montaigne nicht anwesend sein kann und weil die Juries, auf die Australien mehr bauen muss als andere Länder, Probleme mit dem Titel haben könnten.

6. Nordmazedonien – Vasil „Here I Stand“

Die schlimmstmögliche Musicalballade ist es für Vasil geworden mit einer sehr auf ihn zentrierten Performance. Wenn schon untergehen, dann mit Ansage, so kann man dieses Jahr Nordmazedonien zusammenfassen und die Performance klaut man auch noch aus dem schwedischen Vorentscheid 2020. Der Kandidat für den letzten Platz.

7. Irland – Lesley Roy „Maps“

„Maps“ ist sicher einer der besten Popsongs im Wettbewerb, jedoch auch problematisch umzusetzen. Das Stagingteam hat sich eine Menge einfallen lassen, um den Vibe der Lyrics und des Videos einzufangen, jedoch klappt einiges nicht zu hundert Prozent und Lesley Roy wirkt auch ein wenig überfordert. Das wird mehr als eng für den Rekordsieger.

8. Zypern – Elena Tsagrinou „El Diablo“

Der Song ist ein schlimmes, schlecht gemachtes Plagiat eines sehr erfolgreichen Lady Gaga Songs. Die Performance jedoch ist gut gemacht und erstaunlicherweise hat sich Frau Tsagrinou als solide Sängerin erwiesen, weswegen ein Finale ohne Zypern zwar wünschenswert aber nahezu unmöglich erscheint.

9. Norwegen – TIX „Fallen Angel“

Die Inszenierung dieser Dieter Bohlen DSDS Gedächtnisballade ist dermaßen übertriebener Kitsch, dass es funktionieren kann, auch wenn die meisten europäischen Zusehenden nicht raffen gehen, dass das Andreas Haukelands (so TIX bürgerlicher Name) Kampf mit den Tourette Ticks symbolisieren soll. Von den Jurys sollte es aber nicht allzu viele Punkte geben.

10. Kroatien – Albina „Tick-Tock“

Der beste Song aus der übertrieben vertretenen Kategorie „Female Dance Pop“ kommt überraschenderweise aus Kroatien. Marvin Dietmann inszeniert daneben einen sehr gelungenen Auftritt mithilfe von vier Tänzern (ein Konzept, welches ebenso überhand nimmt im 2021er-Jahrgang) und Albina erweist sich als sehr gute Sängerin, umso unverständlicher, dass man so stark auf die zugelassenen Band-BackingVocals setzt.

11. Belgien – Hooverphonic „The Wrong Place“

Vorweg: Ich finde diesen Song unendlich langweilig, aber als einzige wirkliche ruhige Nummer hebt sich „The Wrong Place“ im Semi hervor, weswegen ein Finaleinzug nahezu sicher ist, vor allem, wenn man bedenkt, dass „The Wrong Place“ klassisches Juryfutter ist. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Belgien nach dem gestrigen Juryfinale in Führung liegt.

12. Israel – Eden Alene „Set Me Free“

Eden Alene singt den höchsten Ton der ESC-Geschichte, gestern saß dieser und ein paar andere jedoch nicht einwandfrei. Andere Vorzüge bietet die vergessliche Radiopopnummer in Ariana Grande-Manier kaum, das vier Tänzer Konzept wird bei Zypern und Kroatien besser umgesetzt, weswegen eine Finalteilnahme unwahrscheinlicher geworden ist.

13. Rumänien – ROXEN „Amnesia“

Der erste Auftritt beim Juryfinale war von technischen Problemen geprägt eine Katastrophe, weswegen Roxen genauso wie GO_A und Destiny nochmal auftreten durfte. Äußerlich nähert sich Roxen immer mehr Billie Eilish an, auch wenn sie am Ende doch auf ein Kleid als Bühnenoutfit setzt. Musikalisch geht ihre Midtemponummer jedoch in eine leicht andere Richtung. Die Probenwoche hat aus dem Dark Horse einen Borderlinequalifier gemacht.

14. Aserbaidschan – Efendi „Mata Hari“

Efendi hat einen soliden Song, der zwar quasi genauso ist wie ihr geplanter Beitrag für 2020 und ein wenig so klingt als hätte man bei der Songentwicklung alle Sofi Tukker Alben gehört. Allerdings ist ausgerechnet die Bühnenperformance, normalerweise eine Stärke des Landes, ungewöhnlich schwach und langweilig. Von daher könnte es das zweite Semiaus für Aserbaidschan geben.

15. Ukraine – GO_A „SHUM“

Die Ukraine wollen es wissen. Der mit Abstand innovativste Beitrag kommt von GO_A. Technorhythmen werden gemischt mit ukrainischer Folklore und dem „weißen“ Gesang und das ganze ergibt einen unglaublich hypnotischen Beitrag, der zwingend das Finale sehen muss und in der Probenwoche seine Dark Horse Vibes bestätigt hat.

16. Malta – Destiny „Je Me Casse“

Bis zur Probenwoche war Destiny mit ihrem electroswinggeschwängerten Dancesong auf Platz Eins der Wettquoten. In der Probenwoche folgten Problemchen und der Rückfall auf die Drei. Dennoch sollte Malta nicht nur sicher ins Finale kommen, sondern auch gute Chancen haben das Semi zu gewinnen.

Folgende zehn Teilnehmer kommen ins große Finale am Samstag (in Reihenfolge der Wahrscheinlichkeit, wie ich sie sehe):

Litauen

Malta

Ukraine

Zypern

Belgien

Russland

Schweden

Kroatien

Rumänien

Norwegen

Als Ausscheider sehe ich folgende Beiträge (je weiter unten, desto wahrscheinlicher das Halbfinalaus):

Aserbaidschan

Israel

Irland

Slowenien

Australien

Nordmazedonien

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