Es wird Mal wieder Zeit über ein paar Klassiker zu schmöckern. Heute unter anderem über mein erstes filmisches Erlebnis mit Ingmar Bergman und Sidney Lumets „Anti Dr. Seltsam“.

Wilde Erdbeeren (Smultronstället)

Der verwitwete Medizinprofessor Isak Borg begibt sich spontan per Auto statt per Flugzeug zu seinem 50-Jährigen Promotionsjubiläum. Im Gepäck hat er seine Schwiegertochter Marianne, welche sich mit Isaks Sohn Evald versöhnen möchte. Der Roadtrip führt dazu, dass Isak sein Leben Revue passieren lässt.

„Wilde Erdbeeren“ war mein erster Kontakt mit Ingmar Bergman Filmen und ich war im vorhinein hin- und hergerissen, ob mir seine Art Filme zu machen taugen würde. Dieser Roadtrip, der sicherlich das Genre maßgeblich geprägt hat, hat mich jedoch vom Gegenteil überzeugen können (auch wenn der danach von mir gesichtete und hier nicht besprochene „Szenen einer Ehe“ dies ein wenig relativiert hat). „Wilde Erdbeeren“ hat das Motiv der Selbsterkenntnis und Selbstfindung im Mittelpunkt, jedoch ausgehend von einer ungewöhnlichen Hauptfigur, dem 78-Jährigen erfolgreichen, gebildeten Professor, welcher nach und nach erkennt, dass sein Leben von einer Kälte geprägt war, welche er auch an seine Kinder weitergegeben hat, um daraufhin zu beschließen seinen Lebensabend komplett anders zu verbringen. Sicher bis auf das Alter des Protagonisten keine besondere Gegebenheit, jedoch nutzt Bergman das Format, was der Roadtrip bietet ideal aus, um Isak Borg auf Menschen unterschiedlichster Couleur prallen zu lassen und ihn sowohl mit ihnen interagieren zu lassen, als auch die stillen Momente zu inszenieren. Gepaart mit gut getimten Rückblenden entsteht ein gelungener Film, der stellenweise exzellente Dialoge zu bieten hat und einzig im Pacing ein wenig ruckelt. 8/10

Angriffsziel Moskau (Fail Safe)

Im Gewusel aus Kompetenzgerangel und Machtwillen wird der GAU eingeleitet. Der US-Amerikanische Erstschlag auf Moskau wird ohne Not in Auftrag gegeben und kann selbst vom US-Präsidenten nicht mehr gestoppt werden.

Im Gegensatz zu Stanley Kubricks „Dr. Seltsam oder wie ich lernte die Bombe zu lieben“ generiert Sidney Lumets „Angriffsziel Moskau“ keinerlei Komik aus dem geschilderten Kalter Kriegs Szenario, sondern schildert minutiös die groteske Entwicklung eines möglichen atomaren Erstschlags. Auf erdrückende Art und Weise wird in diesem sehr redefreudigen Film geschildert, wie das unvermeidbare noch abgewendet werden könnte, wie trainierte Verhaltensweisen einen Stopp des Angriffs verhindern, wie mehr oder weniger offensichlich intellektuell kapituliert wird. Über knapp zwei Stunden entspinnt Sidney Lumet (unter anderem verantwortlich für „Die Zwölf Geschworenen“) diese Schreckensvision. Dabei nutzt er nur Menschen, die in Büros reden, die telefonieren, die anordnen, die auf ein Radar zusehen müssen, wie der Angriff weiter verläuft und zieht daraus eine Spannung, die viele Thriller nicht erreichen. Ein eindrücksamer Nachweis, wie der Kalte Krieg eskalieren härre können. 8/10

Django

Der wortkarge Django (Franco Nero) rettet die Halbmexikanerin vor dem miesen Sheriff Jackson, welcher auch Djangos Ehefrau auf dem Gewissen hat. Der Mann, der immer einen Sarg hinter sich her zieht, nimmt Rache.

Django, benannt nach dem Jazzgitarristen Django Reinhardt ist zum geflügelten Wort für den Westernantihelden geworden und wurde zahlreich zum Vorbild genommen wie zuletzt vor ein paar Jahren von Quentin Tarantino. Sergio Corbuccis Originalfilm von 1966 ist zwar nur anderthalbstunden lang, fühlt sich an einigen Stellen jedoch zäh an, was an dem handlungsarmen Drehbuch liegt. Natürlich werden brutalspannende Momente geschaffen, was aber eher der Regie, dem Schnitt und der Musik zugeschrieben werden kann und die Austrahlung Franco Neros ist wie für die Rolle des wortkargen Western(anti)helden gemacht. Obwohl der Film auch bei den üppig ausgestalteten Actionszenen überzeugen kann, konnte mich dieser Italowestern weniger überzeugen als erhofft. 7/10

Tina – What´s Love Got To Do With It

Die junge Anna Mae Bullock (Angela Bassett) zieht die Aufmerksamkeit des charismatischen, aber auch toxischen Ike Turner (Laurence Fishburne) auf sich. Der ist ihr Sprungbrett zur großen Musikkarriere als Tina Turner, aber auch als Ehemann der schlimmste Alptraum.

Nun, Tina Turner selbst ist mit dem Film nicht komplett zufrieden, der Film habe sie zu sehr als wehrloses Opfer dargestellt. Verständliche Sichtweise, jedoch liegt darin meiner Meinung nach die Stärke des Films, gilt Turner dank ihrer kraftvollen Stimme und ihrer energiegeladenen Performances als Powerfrau. Die Misshandlung seitens Ike Turner war zwar zu dem Zeitpunkt schon bekannt, jedoch wirkt das ganze als Filmerlebnis beklemmender. Das liegt auch an den perfekten Performances von Angela Bassett und Laurence Fishburne. Dadurch kann kaschiert werden, dass der Film oft ohne Gespür für das richtige Pacing durch die Geschichte Turners peitscht, beginnend mit der Kindheit, endend mit dem Comeback mit „What´s Love Got To Do With It“ und dabei versucht ALLES dazwischen in zwei Stunden Film zu pressen. Glücklicherweise wird aber nicht jeder bekannte Song Turners gespielt, sondern nur jene, die in die gepresste Narrative passten. 7/10

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