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Fern (Frances McDormand) lebte in einer Kleinstadt, die nach der Pleite der ansässigen Industrie ausstirbt. Fern entschloss sich als moderne Nomadin zu leben und mit ihrem Van durch Teile des Landes zu ziehen…

Meine Meinung zum Film

„Nomadland“ hat den Oscar als Bester Film gewonnen, das ändert die Art, wie ich einen Film gucke unweigerlich, so sehr ich mich dagegen wehre. Spätestens seit „The Shape of Water“ kenne ich das Gefühl mit einem Oscargewinner nicht im reinen zu sein, bei „Nomadland“ habe ich im vorhinein gedacht, dass das nicht so ein Fall sein würde. Das Thema „Wie leben moderne Nomaden in den USA?“ klang reizvoll, die positiven Stimmen sind sehr stark und der Preisregen spricht auch für sich.

Dann saß ich nach monatelanger Wartezeit im Kino („Nomadland“ war der zweite Kinofilm nach den Lockdown bei mir) und früh spürte ich, dass das für mich eine zähe Angelegenheit sein wird. Oft wird gelobt, wie wenig Zhao den Lebensstil der Nomaden bewertet. Direkt bewertet wird dieser tatsächlich nie, dennoch dachte ich bei der zweiten Szene des Films, die Fern beim urinieren irgendwo im Nirgendwo zeigt, das sie hier deplatziert war und den Lebensstil früh eine negative Konnotation mitgibt, schließlich ist es das Erste, was die Kinogänger zu sehen bekommen. Bald darauf hin spielt sich einiges in einer Amazoversandzentrale ab, wo Zhao drehen durfte. Vielleicht deswegen gerät der Film genau in diesen Momenten fast schon zum Werbefilm für den Versandgiganten, so wirken die Arbeitsbedingungen im Film wunderbar und dann wird im Laufe des Films mehrmals von Fern betont, dass Amazon gut zahlen würde. Bis auf Frances McDormand und David Strathairn (der nach dem ersten Drittel in den Film tritt) sind keine professionellen Darsteller zu sehen, stattdessen präsentiert uns Zhao jene Nomaden, die Jessica Bruder in der Romanvorlage „Nomaden bei der Arbeit“ begleitet hat. Wenn man sich dann vor Augen führt, dass einzig Fern derart positiv über Amazon spricht, bekommt der gesamte Abschnitt, der den Einstieg in den Film prägt, ein seltsames Geschmäckle. Passend dazu stimmen Vorwürfe mit ein, dass Zhao die Nomaden mit einem Dokumentarfilm geködert habe und wohl gedacht worden ist, dass Fern auch eine Nomaden sei und nicht nur eine Rolle spiele.

Das wäre weniger schwerwiegend, wenn diese Probleme nicht am Anfang des Films auftreten würden, denn nach dem schweren Einstieg, der mich von dem gezeigten weggestoßen hat, zeigt „Nomadland“ große Qualitäten. Da ist natürlich das Einfangen der schönen Naturbilder zu nennen. Auch wenn wenig geredet wird, gerade dann wenn Fern mit den echten Nomaden wie Swankie und Linda May interagiert entstehen kluge, mitnehmende Momente, hier hilft es wie natürlich sich Frances McDormand als Fern in das fast schon dokumentarische Setting einfügt. In diesen Momenten drückt „Nomadland“ bei mir die richtigen Knöpfe, wächst das Verständnis für diesen selbstgewählten Lebensweg und zieht der Film mich in seinen Bann. Dementgegen stehen aber andere Entscheidungen, die mir den Zugang zum Film über weite Strecken erschwert haben. Auch wenn sich Frances McDormand schauspielerisch ganz dem Ansatz von Chloe Zhao anpasst, stört mich die Fokussierung auf ihren Charakter, denn auch wenn wir ihr folgen erzählt der Film letztendlich mehr von Momentaufnahmen, die zu einem realen Charakter passen als zu einem fiktiven und so ganz konnte ich Frances McDormand als Schauspielerin vergessen. Als dann doch als Narrative noch eine Beziehung zwischen Fern und den von David Strathairn gespielten David angedeutet worden ist, habe ich dann nur gehofft, dass sich diese nicht festsetzt, weil es weder zum Film noch zum etablierten eigenbrötlerischen Charakter von Fern gepasst hätte.

Sehr wahrscheinlich hängt mein Problem mit dem Film sehr stark auch mit der Erwartungshaltung an den Film zusammen und letztendlich sind es Ansammlungen von kleinen Dingen, die den Filmgenuss bei mir getrübt haben, allerdings denke ich auch, dass „Nomadland“ vor allem ein Film ist, welcher zur genau richtigen Zeit erschienen ist. Denn besonders in Zeiten, in denen Freiheiten zugunste des Gesundheitsschutzes eingeschränkt sind (auch wenn sich in Europa und den USA das ganze wieder in die andere Richtung entwickelt) wirkt ein Film über moderne Nomaden deutlich stärker, weil sich Freiheitsgedanken spiegeln lassen. Aufgrund dessen erscheint es nur logisch, dass „Nomadland“ ausgerechnet im Corona Jahr bei den Oscars und der Awards Season abräumen konnte.

Fazit

Fast schon dokumentarisch, mit malerischen Bildern ausgestattet, erweist sich „Nomadland“ als einer dieser Filme, die einen vollkommen abholen könnten. Die anderen (wie Ich) bleiben etwas konsterniert zurück. 5/10

Daten & Fakten

Regie & Drehbuch: Chloe Zhao

Länge: 110 Minuten

Genre: Drama

Darsteller: Frances McDormand, David Strathairn

Gesehen am 17.06.2021 im UCI Düsseldorf

4 Kommentare zu „Nomadland

  1. Hm, kann deine Kritikpunkte nachvollziehen, teile sie aber insbesondere mit Blick auf den Einstieg nicht. So eine Bewertung (im negativen bzgl der Pinkelszene als auch im Positiven bzgl Amazon) nahm ich persönlich nicht wahr. War nach dem Kinogang auch dezent ernüchtert – aber der Film ist im Nachhinein nochmal ein kleines Stück gewachsen

    Gefällt 1 Person

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