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Post 9/11: Der Mauretanier Mohamedou Ould Slahi (Tahir Rahim) wird festgenommen und nach Guantanamo verschleppt, weil er über Unwege Kontakt zu Osama Bin Laden hatte. 2005 nimmt sich Nancy Hollander (Jodie Foster) dem Fall an, während Colonel Stuart Couch (Benedict Cumberbatch) die Anklage vorbereiten soll.

Meine Meinung zum Film

Mein erster Kinofilm nach dem langen Lockdown („Nomadland“ war ein paar Stunden später am selben Tag) und dann so ein schweres Thema. Regisseur Kevin MacDonald gelingt es hier ein wichtiges Thema in einen erzählerisch, aber auch visuell gelungenen Film zu transformieren. Zu Beginn des Films wird gekonnt mit dem Vorurteil gespielt, dass man als Zuschauer Salhi kritisch gegenüber steht. Sein Verhalten wirkt ein wenig seltsam, dennoch wirken die Warnungen der Wärter an Hollander und ihre Assistentin (gepielt von Shailene Woodley) überzogen. Wer am Anfang auf Details achtet, wird im Laufe des Films noch einen kleinen erzählerischen Mehrwert (dank der Rückblenden im Verlauf des Films) haben, der das Verhalten Salhis verständlicher macht.

Interessanterweise erzählt der Film nahezu permament aus drei Erzählperspektiven, jene Salhis, jene seiner Anwältinnen und jene von Ankläger Couch ohne dies in den meisten Momenten zu plakativ umzusetzen. Deswegen gelingt auch der Erzählfluss, trotz Rückblenden, die geschickt eingewoben werden. Dank dieser Tatsache gelingt auch der Spannungsaufbau, der sich lange auf die Frage ob die Vorwürfe gegenüber Salhi berechtigt sind bezieht, jedoch im Laufe des Films die Frage nach den Foltermethoden gegenüber Guantanamoinsassen in den Mittelpunkt rückt und dies äußerst effektiv in einer Rückblendensequenz, die schwer auszuhalten ist, auflöst. Der Fokus auf den Ankläger Couch wirkt zunächst etwas bemüht, gewinnt im Laufe des Films jedoch immer weiter an Bedeutung, da er die Entwicklung der Zuschauer, die immer mehr an der Schuld Salhis zweifeln und immer mehr seine Inhaftierung hinterfragen, ebenso durchmacht und aus dem System heraus das System hinterfragt. Benedict Cumberbatch spielt diesen Charakter, dessen Patriotismus immer mehr einer Skepsis, die in seinem Umfeld für Empörung sorgt, weicht, sehr nachvollziehbar. Ebenso überzeugend sind Jodie Foster (wenig überraschend) und glücklicherweise auch Shailene Woodley als naiv-idealistische Anwältin, die immer wieder Fehler macht, wie jenen Salhi zu bezeugen an seine Unschuld zu glauben, um dann enttäuscht von seinem unter Folter erzwungenen Geständnis zu sein. Besonders herausragend ist jedoch Tahir Rahim als titelgebender Mauretanier, der seine Rolle eindrücklich, oft sehr ruhig und dennoch mit beeindruckender Intensität verkörpert.

Besonders hervorzuheben ist die Geduld mit der Kevin MacDonald hier die Geschichte erzählt ohne dabei zu langsam zu erzählen, sondern im Stile des Paranoiafilms das Vertrauen des Zuschauers ins System stetig mit wachsender Dynamik zu beschädigen. Denn auch wenn dieser Streifen als Justizfilm zu kategorisieren ist, dauert es bis zur letzten Sequenz, bis zum ersten Mal ein Gerichtssaal zu sehen ist. Es mutet absurd an, dass Salhi jahrelang ohne Prozess gefangen gehalten worden ist, was ebenso wie die Existenz von Guantanamo in sehr gut geschriebenen Dialogen (exemplarisch sei die Szene zwischen Hollander und Couch im Guantanamocafe erwähnt) eingefangen wird. Ebenso gelingt die Mischung aus redelastigen Szenen als auch Szenen, die durch ihre Bilder mehr aussagen, wie beispielsweise die Überleitungen in die Rückblenden.

Fazit

Aus der Kategorie Aufklärungsfilm kommt ein weiterer sehr guter Vertreter: „Der Mauretanier“ ist ein systemkritischer Justizstreifen mit pointierten Darstellern, einer gelungen Regie sowie einem starken Drehbuch. 8/10

Daten & Fakten

Originaltitel: The Mauritanian

Regie: Kevin MacDonald

Drehbuch: Michael Brunner

Länge: 130 Minuten

Genre: Drama, Thriller, Justizfilm

Cast: Tahir Rahim, Jodie Foster, Benedict Cumberbatch, Shailene Woodley, Zachari Levy uw

Gesehen am 19.06.2021 im UCI Düsseldorf

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