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Anthony (Anthony Hopkins) misstraut seiner Tochter Anne (Olivia Colman) und vor allem ihrem Lebensgefährten (Rufus Sewell), doch warum verändert sich andauernd die Wohnung und warum sieht Anne auf einmal anders aus?

Meine Meinung zum Film

Demenz ist eine grausame Krankheit, wer das bezweifelt, darf sich gerne „The Father“ ansehen. Basierend auf seinem Theaterstück inszeniert Florian Zeller diesen Film als fast schon kafkaeskes Stück Film. Zeller schrieb das Drehbuch zum Film mit Anthony Hopkins als Wunschdarsteller für die Rolle des alten demenzkranken Mannes. Hopkins teilt mit ihm seine Geburtsdaten sowie seinen Vornamen. Nicht nur deswegen entsteht eine unheimliche Nähe zu dieser Figur. Hopkins verschwimmt gerade zu mit dem Anthony, den er hier so umsichtig mit Leben füllt. Der Film konzentriert sich darauf den Fortlauf der Geschichte aus seiner Perspektive zu erzählen.

Umso größer ist dabei das Faustpfand das Hopkins für den Film bringt. In ausnahmslos jeder Szene zeigt Hopkins große Schauspielkunst, wie er mit seiner Mimik arbeitet, wie seine Stimme Mal weich und zerbrechlich klingt, manchmal in den lichten Momenten die große Stimmkraft des Charaktermimen hervorscheint, wie Anthony mit den anderen Figuren interagiert, wie er herumirrt, wie man jegliche Gefühle aus dem Gesicht ablesen kann, wie plötzliche Stimmungswechsel stimmig wirken und schlussendlich wie Hopkins zu jeder Zeit von innen nach außen spielt ohne auch nur einen Funken zu übertreiben. Hierbei handelt es sich vielleicht sogar um Hopkins beste Schauspielleistung, so überzeugend, wie er hier den Demenzkranken darstellt, ist dafür jeder Filmpreis dieser Welt angemessen. Alleine schon Hopkins Schauspielleistung lässt Demenz schockierender wirken als weit mehr als 90% der Horrorfilme. Hopkins kann jedoch auch dermaßen glänzen, weil wirklich alle Darsteller überzeugend in ihren Rollen sind. Egal ob Imogen Potts, Mark Gatiss, Olivia Williams oder Rufus Sewell, sie alle spielen ihre Rollen in ihren Szenen ideal, vor allem unter dem Eindruck, dass wir hier das aus der Sicht Anthonys erleben. Die zweite Stand-Out Performance ist jedoch jene von Olivia Colman als Anthony Tochter Anne. Colman darf auch eine ganze Palette an Emotionen aufbieten und schafft es ebenso subtil wie Hopkins ihre Rolle zu interpretieren. Colmans Anne changiert zwischen Verzweiflung ob des Zustands ihres Vaters, aufopfernden Kampf am Rande der Selbstaufgabe und Kränkung seitens des Vaters, der sie immer wieder verletzt. Obwohl ihr Verhältnis mindestens angespannt ist, so bezeichnet Anthony Anne gerne Mal als die streberhafte, nervige Tochter, kämpft Anne um die beste Lösung für ihren Vater und wehrt sich lange dagegen ihren Vater ins Altenheim zu geben. Dadurch, dass wir das alles aus Anthonys Perspektive sehen, wirkt dies jedoch manchmal anders, wenn er Anne vorhält sie würde nach Paris gehen wollen, was sie ihm gesagt habe.

Man merkt ziemlich schnell, dass Anthony sein Zeit-/Orientierungsgefühl immer weiter verliert und er einen unzuverlässigen Erzähler darstellt. Uns als Zuschauern gelingt es erst mit zunehmender Dauer das von Anthony erlebte zu abstrahieren und den Lauf der gezeigten Szenen zu dechiffrieren. Hier zeigt sich die Brillanz dieses Drehbuchs, welches Hopkins und allen anderen eine famose Bühne bereitet, um Demenz in nie dagewesener Vehemenz zu präsentieren. Jedoch macht Zeller nicht den Fehler sich alleine auf die Darsteller und sein auf der Theaterbühne funktionierendes Stück zu verlassen, um die Flmadaption auf die Beine zu stellen. Auch wenn „The Father“ praktisch permanent in Anthonys Wohnraum spielt, schafft es Zeller diesen Film wie einen Kinofilm und nicht wie ein Theaterstück als Film zu inszenieren. Wie mit den sich ständig wechselnden Gegebenheiten zunächst subtil und mit zunehmender Wirkung der Demenz deutlicher gespielt wird, passt sich perfekt in die Gegebenheiten an. Neben dem perfekten Szenenbild, hilft auch die Schnittsetzung bei der Wirkung dieses Films. Während Anthony nicht mehr weiß, wie ihm geschieht, ist für uns dieses Gefühl zu jeder Zeit greifbar und wirkt mit ungeheurer Stärke.

Fazit

Nahezu perfekt inszeniertes Drama rund um ein famoses Ensemble angeführt von Anthony Hopkins und Olivia Colman. „The Father“ ist ein weiterer Beweis, dass großes Kino oft nicht viel mehr braucht als eine interessante Geschichte, glaubhafte Darstellungen und ein stimmiges Setting. 9/10

Daten & Fakten

Regie: Florian Zeller

Drehbuch: Christopher Hampton, Florian Zeller

Länge: 98 Minuten

Genre: Drama

Darsteller: Anthony Hopkins, Olivia Colman, Rufus Sewell, Olivia Williams, Imogen Potts, Mark Gatiss

Gesehen am 27.08.2021 im Apollo Aachen in der OmdU

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