Inhalt

Alexia (Agatha Rouselle) ist ein Star in der Autoshowbranche. Die erotische Tänzerin entpuppt sich jedoch als Serienmörderin, die auf der Flucht vor der Polizei die Identität Adriens annimmt, einem Jungen, der mehr als zehn Jahre verschwunden ist. Feuerwehrmann Vincent (Vincent Lindon) nimmt seinen Sohn wieder auf, doch Alexia/Adrien ist schwanger…von einem Auto!

Meine Meinung zum Film

Vor ein paar Jahren, da bin ich mir sicher, wäre es unmöglich gewesen, dass ein Film mit Horrorfilmanleihen die Goldene Palme in Cannes gewinnt. Der diesjährige Cannes-Gewinner „Titane“ präsentiert sich aber unter anderem mit gegen Ende immer zunehmenden Elementen des Body-Horrors und das ist wahrlich nicht das einzig verstörende am zweiten Langfilm von Autorenfilmerin Julia Ducornau.

Ducornau liefert mit „Titane“ einen zugegebenermaßen sperrig anmutenden Film, schlicht weil er sich Genrekonventionen nicht unterwirft und ein mit außergewöhnlich unzureichend beschriebenes Szenario als Ausgangspunkt für den Ritt durch den Film nimmt. „Titane“ entpuppt sich schnell als außergewöhnlicher Ritt, ein Film, der mehr durch die erzeugte Stimmung in den Bann zieht als durch die reine Narrative, die erzählte Geschichte taugt mehr als Anker denn als wirkliche Geschichte und doch lässt sich „Titane“ als rigoroses Statement zum Thema Identität lesen. Schließlich handelt es sich hierbei um einen Film, dessen Protagonisten Liebe und sexuelle Zuneigung allein zu Autos empfindet (was schon die Eröffnungssequenz angesiedelt in Alexias Kindheit offenbart) und die eine scheinbar unkontrollierbare Mordeslust hat, wenn jemand Ihr emotional oder körperlich zu nah kommt. Der gesamte erste Akt ist eng um diese schwer zu fassende (und nahezu unmöglich zu sympathisierende Hauptfigur aufgebaut). Dort schreckt Julia Ducornau auch nicht vor drastischer Gewaltdarstellung zurück, ebenso klar zeigt Ducornau den sexuellen Akt zwischen Alexia und einem Muscle-Car sowohl aus der Außenperspektive als auch mit Blick auf Alexias Empfindungen.

Mit der neuen Identitätsrolle als Adrien und der dadurch entstehenden Beziehung zu Vaterfigur Vincent öffnet sich er Film, der dann im richtigen Maß seine Identität wechselt. Der angerissene Serienkillerplot schwelt nur noch als Damoklesschwert über Alexia/Adrien, stattdessen rückt die Suche nach der eigenen Zufriedenheit zweier verlorener Seelen in den Mittelpunkt. Sowohl Adrien als auch Vincent erweisen sich als nicht besonders redselig, Adrien redet zunächst gar nicht mit Vincent, was diesen sichtlich mitnimmt. Spätestens hier entpuppt sich „Titane“ als besonders außergewöhnlich, denn nach einem solchen ersten Akt ein wortkarges, berührendes Drama zwischen zwei Personen zu schaffen, welches den Zuschauer genauso aufwühlt wie der explizite Auftakt und das in einer komplett anderen Art und Weise ist von ganz großer Seltenheit. Sicher sind einige Entscheidungen Ducornaus gewagt und der Film für die breite Masse unzugänglich, aber wie hier eine junge Regisseurin ohne Kompromisse Ihre Vision auf die Leinwand gebracht hat, beeindruckt mich zutiefst. Oftmals anstelle von Dialogen rückt der Ausdruck der Charaktere durch das Tanzen. Eine weitere Idee, die den Genremix weiter garniert, denn so vehement und häufig wie der Tanz als Element in den Film eingeworfen wird, besonders im zweiten Drittel, lässt sich „Titane“ auch als Tanzfilm bezeichnen, die Elemente nehmen den Film ebenso ein wie die Thrillerkomponente des Beginns, die Fantasykomponente rund um die Schwangerschaft und die gegen Ende explizite Body-Horrorkomponente. Alle Komponenten tragen zum Gelingen dieses gewagten Films bei und sorgen dafür, dass „Titane“ ein einzigartiges Filmerlebnis garantiert.

Fazit

Ein ebenso sperriges wie eigenwilliges Werk. „Titane“ ist ein wilder Ritt durch die Genres und die Suche nach der eigenen Identität. 8/10

Daten & Fakten

Regie & Drehbuch: Julia Ducornau

Darsteller: Agathe Rouselle, Vincent Lindon, Lais Salameh uvm

Genre: Drama, Fantasy, Thriller, Tanzfilm, Horror

Länge: 108 Minuten

Gesehen am 07.10.2021 im Apollo Kino Aachen

2 Kommentare zu „Titane

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