Ich bin diesen Monat nicht dazu gekommen, ausführliche Filmkritiken zu den von mir im Kino gesichteten Filmen zu schreiben. Von daher hier zumindest ein klenes Round-Up:

The Last Duel

Ridley Scotts Historienfilm lebt vor allem von einem der besten Drehbücher des Jahres. Was Scott daraus macht, funktioniert jedoch weniger gut als das Skript allein. Die Inszenierung ist zu oft dröge und hier wird gerne zu lang die Einstellung gehalten. Dafür funktionieren alle Darsteller sehr gut. Neben dem moralischen Zentrum der Margerite de Carrouges, die hervorragend von Jodie Comer verkörpert wird, ist auch Ben Affleck hier sehr stark. Das Duell ist aus inszenatorischer Sicht das Highlight, aus erzählerischer Sicht jedoch mehr ein Epilog. 7/10

Eternals

Chloe Zhao wollte einen Marvelfilm machen. Nun hat sie einen gemacht und ich bleibe dabei, das hätte sie lieber gelassen. „Eternals“ vereint ihre Schwächen mit denen des MCU und generiert einen der schwächsten Filme des durchschnittlichen Filmfranchises. Bis auf natürliches Licht und ein dadurch adäquates Colourgrading ist das auch durch und durch Marvelesk, wenn auch deutlich entschleunigt und in der Action reduziert. Richard Madden wirkt hier komplett verschenkt und der Humor stört noch mehr als sonst. 4/10

Wer noch mehr zu diesen Film von mir hören will, kann gerne hier reinhören: Dort diskutiere ich mit Christian über den Film sowie über zwei meiner Lieblinge des Jahres (Last Night in Soho und Titane)

Contra

Es ist durchaus irritierend an welchen Stellen deutsches Kinopublikum lacht, besonders kann man das aktuell an Sönke Wortmanns „Contra“ sehen. Wortmann inszeniert das ganze solide herunter, entschärft ein wenig das französische Original und entgeht dank einem starken Christoph Maria Herbst die Debatte, ob das hier ein rassistischer Film sei. Denn der von Herbst verkörperte Uniprofessor zeigt zutiefst rassistische Tendenzen und obwohl das Skript ihn wenig Fleisch für die Entwicklung zugesteht, schafft es Herbst diese Wendung zu verkaufen. Nilan Farooq fällt neben ihm leider ab, was aber dem Wohlfühlfaktor nicht schadet. Man ist geneigt vom deutschen „Green Book“ zu sprechen. 6/10

Lieber Thomas

Sperrige Autobiografie über Thomas Bartsch, der Schriftsteller werden wollte und dann nach der Ausreise aus der DDR als Filmemacher geendet ist. Verheiratet über längeren Zeitraum mit Katharina Thalbach (die hier soldie von Jella Haase verkörpert wird), entpuppt sich Bartsch schnell als Egomane, als schwieriger Charakter, als einer dieser intelligenten Menschen, die man dennoch nahezu verabscheut. Schwierige Voraussetzungen für ein zweeinhalb Stunden langes Biopic in Schwarz-Weiß. Das dennoch ein mehr als sehenswerter Film entsteht, liegt zum einen an dem Mal wieder glänzend aufgelegten Albrecht Schuch sowie an der Tatsache, dass Regisseur Andreas Kleinert (u.a Freischwimmer) und Drehbuchautor Thomas Wendrich (u.a. Je Suis Karl & Die Täter – Heute ist nicht alle Tage) Biopicklischees umschiffen, auch wenn sie damit dem Publikum eine harte Zeit im Kinosaal bescheren. 7/10

Ammonite

Der erste Gedanke nach Sichtung des Films war: „Uuh der Film war aber leise.“ „Ammonite“ ist ein schwer zu greifender Film. Der Rhythmus des Films hat mich vollkommen verwirrt. Kurz vor Schluss dachte ich, jetzt könnte das Ende sein oder wir beginnen gerade den zweiten Akt. Daher haftet diesen Film, der sich unweigerlich am famosen „Porträt einer Jungen Frau in Flammen“ messen lassen muss und daran scheitert, etwas sperriges an. Es ist interessant zu sehen, wie Kate Winslet sowohl die Wissenschaft als auch aufgrund ihrer Außenseiterposition in der Paläontologie das Proletariat verkörpert und sich dann in die melancholische Frau (wie immer gut: Saiorse Ronan) eines anderen Wissenschaftlers verliebt und doch fehlt irgendetwas, das mich vollends überzeugt. 6/10

Respect

Jennifer Hudson als Aretha Franklin in einem klassischen Musiker-Biopic. „Respect“ spielt vollkommen auf Nummer sicher. Dadurch entsteht ein guter Film, der allerdings auf vorhersehbaren Wegen trampelt. Dabei profitiert „Respect“ vor allem von der Kraft der Musik sowie von Forest Whittaker, der als Vater jede Szene, in der er zu sehen ist, stiehlt. Mit knapp zweieinhalb Stunden ist der Film zu lang und verliert besonders im dritten Akt ein wenig an Schwung, bevor er sich zu einem intimen wie gloriosen Finale, welches Stimmung macht das „Amazing Grace“ Konzert zu sehen, aufschwingen kann. 7/10

Ghostbusters – Legacy

Jason Reitman ist ein fähiger Regisseur, das hat er oft genug bewiesen. Dennoch durfte man skeptisch sein, ob dieser Nostalgiekick funktioniert und obwohl ich mit den originalen Ghostbusters Filmen nichts anfangen kann, mochte ich das, was Reitman hier macht. Carrie Coon und Paul Rudd funktionieren in ihren Rollen wunderbar, der Coming Of Age Aspekt passt wunderbar zur Geisterjagd, die streng genommen der größte Schwachpunkt dieses wohligen Films ist. Highlight ist McKenna Grace als Phoebe, die ist einfach wunderbar. 7/10

Große Freiheit

Noch einmal ein schwieriges, sperriges Drama. Bei „Große Freiheit“ kommt hinzu, dass Franz Rogowski und Georg Friedrich kaum zu verstehen sind. Die Erzählung über drei Zeiten hinweg funktioniert besser als ich bei Beginn der ersten Rückblende gedacht hätte. Die entsättigte Frabgebung unterstreicht den tristen Gefängnisalltag und die Thematik (die Strafverfolgung von Homosexualität im Nachkriegsdeutschland) lässt einen erschaudern. Umso erstaunlicher dann das Schlussbild des Streifens. 7/10

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7 Kommentare zu „Kino Round Up November: The Last Duel, Eternals, Contra, Lieber Thomas, Ammonite, Respect, Ghostbusters – Legacy, Große Freiheit

      1. Bei GB muss ich mal noch schauen, ob ich da meine Meinung niederschreibe…
        Lieber Thomad… hm, ich mag ja das anscheinend unkonventionelle Konzept, hab aber echt Zweifel, ob ich ne weitere 2,5stündige deutsche Geschichtslektion in s/w brauche.

        Gefällt 1 Person

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