Inhalt

Ende der 70er Jahre lernt Patrizia Riggiani (Lady GaGa) Maurizio Gucci (Adam Driver) kennen und verliebt sich sofort in ihn oder zumindest seinem Namen. Bald heiraten sie gegen den Willen von Maurizios Vater Rodolfo (Jeremy Irons). Kurz nach der Hochzeit bietet sich jedoch in Form einer Geburtstagseinladung von Onkel Aldo (Al Pacino) die Chance zurück in die Firma zu gehen. Patrizia triezt Maurizio dazu.

Meine Meinung zum Film

Der Trailer zum Film ist vielleicht der beste, den ich dieses Jahr gesehen habe. Es ist faszinierend, wie geschafft worden ist, dass der Film (sicherlich auch dank der ungebrochenen Starpower von Lada GaGa) einen überraschenden Hype generieren konnte und das obwohl schon der Trailer zeigte, dass der Film Probleme haben könnte. Angetrieben vom perfekt abgestimmten Remix von Blondies „Heart of Glass“ lassen sich Stilbrüche und übertriebene Akzente übertünchen. Bis die Presse „House of Gucci“ zu sehen bekam, wurde der Film sogar als einer der Top-Oscar-Kandidaten gehandelt. Man sollte vor der Sichtung jedoch nicht zu viel erwarten, vor allem sollte man keinen ernsthaftes Drama erwarten, sondern eher eine Hochglanzseifenoper.

Doch warum ist das so? Zunächst einmal muss ich wieder meine Meinung zu Ridley Scott breittreten, denn für mich ist der dank „Alien“ und „Blade Runner“ vollkommen überschätzt. In den letzten zwanzig Jahren hat Scott vielleicht zwei gute Filme gemacht, die eher vom Drehbuch als von der Regie gelebt haben und bei „House of Gucci“ zeigt sich auch warum. Scott, der für eine effizente Arbeitsweise bekannt ist, hat den Film irgendwie heruntergedreht. Manche Szenen sind ohne Grund nahezu Schwarz-Weiß, über andere liegt ein seltsamer Sepiafilter und manche sind derart hochglanzpoliert und ausgestattet, dass zu keiner Sekunde glaubhaft ist, dass das in den Siebzigern oder Achtzigern spielen soll. Mit dieser chaotischen Inszenierung passt sich Scott allerdings dem Drehbuch von Becky Johnston und Roberto Bentivegna an. In einem Jahr mit Blockbustergraupen wie „F9“ oder „Venom: Let there be Carnage“ bewirbt sich dieses hier für das dümmste Drehbuch des Jahres. Was der Fokus des Films sein soll, wird nie deutlich. Charakterentwicklungen sind in etwa so sprunghaft, dass alle eigentlich an Borderline leiden müssten und die Dialoge sind schlechter als in einer durchschnittlichen Nachmittagstelenovela. Mal ganz davon zu schweigen, dass der Film gefährlich nahe am Geschichtsrevisionismus (Maurizio wurde nie in die Armut geschickt) taumelt und doch den Zuschauern verklickern will, dass das alles so passiert sei.

Genauso faszinierend schlecht wie der Drehbucheintopf und das Lookratatouille ist der fiebrig gestörte Musikeinsatz im Film. In manchen Szenen werden Opernarien, die man inzwischen eher mit Kaffeewerbungen (oder alternativ mit der Ristorante-Werbung von Dr. Oetker) verbindet als musikalische Untermalung verwendet, in anderen Szenen wird vollkommen unpassende Musik verwendet. Bei der Hochzeit von Maurizio und Patrizia in den Siebzigern läuft nur für den Zuschauer hörbar George Michaels „Faith“. Gut, es ist ihr Schicksal zu heiraten, dafür hätte es keinen anachronistischen Needle Drop gebraucht. Noch lustiger ist allerdings eine Partyszene, in der ohne Gefühl für Tempo drei Discosongs hintereinander abgefeuert werden. Gut ohne die Donna Summer Songs hätte man auch nicht glauben können, dass die Kostümparty in den Siebzigern stattfinden soll, der Club sieht nämlich eher nach 2021 aus. Zwischendurch läuft auch einfach eine italienische Version von „I´m a Believer“, während Maurizio Gucci Trucks reinigt (Patrizia stammt aus einem Truckunternehmen) und Fußball spielt. Später dann läuft ohne Grund der Eurythmics-Klassiker „Here Comes the Rain again“ über mehrere Szenen hinweg, erst prägnant und dann im Hintergrund weiter. Ähnliches passiert auch noch mit Blondies „Heart of Glass“, der im Trailer noch perfekt angepasst worden ist. Gut, die letzteren Needle-Drops laufen auch schon spät im Film, wo man das ganze als verunfallte Farce begreift.

Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob der Film eine Farce sein sollte, oder ob der Film derart missglückt ist. Gut, um als gelungene Farce durchzugehen ist das Drehbuch einfach zu schlecht. Das haben sich auch die Nebendarsteller gedacht, um endlich zu den Punkten zu kommen, die aus „House of Gucci“ einen unterhaltsamen Film machen. Während Adam Driver noch normal, wenn auch mit italienischen Akzent spielt und in einer faszinierend steifen Art Fahrrad fährt, dreht der restliche Cast völlig frei. Jeremy Irons spricht Mal mit einem pseudo-italienischen Akzent, in anderen Szenen pfeift er vollkommen darauf und sitzt oft einfach nur herum, als wäre er in einer Kaffeewerbung. Dabei sieht er in den Edelklamotten herrlich beknackt aus. Dramatisch trashig wird es, wenn er todkrank aussehen soll und einfach aussieht, als wäre er in einen Lidschattenbottich gefallen. Ebenso trashig ist die Darstellung von Patrizia Riggiani. Gut, wenn man Originalaufnahmen der Dame sieht, merkt man, dass das trashige passt, aber eigentlich war das so nicht gewollt, zumindest wenn man Lady GaGas Schauspielcoach glauben schenkt. Gut, Frau Germanotta hat eine Ausstrahlung, die dieses übertrieben trashige (und den Mal ins Russische Mal ins Maltesische fallenden Akzent) passend wirken lässt, von einer guten Schauspielleistung ist sie aber meilenweit entfernt, auch wenn man ihr anmerkt, dass sie unbedingt einen Schauspieloscar will und damit das Projekt als einzige ernst nimmt. Der komplette Gegensatz ist Jared Leto. Der spricht ein wenig wie eine vom LSD unglücklich gemacht wordende Version Super Marios. Dieser larmoyant-weinerliche Tonfall im Kombination mit dem vollkommen übertiebenen italienischen Akzent lassen JEDE Szene mit Jared Leto zum Highlight werden. Meine Begleitung und Ich haben den gesamten Heimweg damit verbracht, Dialogzeilen von Letos Paolo Gucci zu imitieren. Jedes Mal wenn Leto eine seiner viel zu wenigen Szenen hatte, bin ich vor lachen beinahe aus dem Kinosessel gefallen, ein Teil von mir ist sogar der Meinung, dass er dafür eine Oscarnominierung erhalten sollte. Besonders herrlich die Szenen mit Al Pacino, der Leto unter den Tonnen von Protesen und in seinen furchtbaren Outfits nicht erkannt hat, der als Vater Aldo oft den Satz sagt „You´re an idiot, but you´re my idiot!“.

Pacino sieht immer wenn er eine Brille trägt auch aus wie Dieter Thomas Heck, der darauf wartet, die nächste Musiknummer anzusagen. Obwohl er italienische Wurzeln hat, ist sein italienischer Akzent genauso falsch klingend, wie jener von Leto oder Lady GaGa. Gerade deswegen sind einige Szenen zwischen Pacino und Leto Comedygold. Ich hätte mir gewünscht einen Film zu sehen, der das zum Zentrum hat und nicht Patrizia Riggianis Intrigenspiel und damit die Einleitung vom Ende des Familienunternehmen Gucci. Obwohl es da auch ein paar herrliche Unfallszenen gab, so sitzen arabische Investoren in der ersten Szene geschlossen mit AS Rom Anzügen da bei einer Familie aus Mailand(!). Auch herrlich eine Sexszene zwischen Lady GaGa und Adam Driver, die direkt in die Hochzeit überblendet, und derart übertrieben ist, dass ich einen lautlosen Lachanfall bekommen habe. Wie gesagt, wenn man diesen Film ernst nimmt, dann ist er eine Katastrophe, wenn man ihn nicht ernst nimmt, hat man zumindest Spaß. Dafür empfehle ich allerdings zwingend die Sichtung in der Originalfassung. Sollte der Film allerdings ne Oscar-Nominierung als Bester Film erhalten, verliere ich endgültig den Glauben an die Academy.

Fazit

„House of Gucci“ ist beileibe kein guter Film. Allerdings ist er auf trashige Art über seine gesamte Laufzeit unterhaltsam, vor allem dank Jared Leto, der zu wenig Szenen hat, um den Film zu retten. 5/10

Daten & Fakten

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Becky Johnston, Roberto Bentivegna

Länge: 158 Minuten

Genre: Drama, Biopic

Darsteller: Lady GaGa, Adam Driver, Al Pacino, Jared Leto, Jeremy Irons, Camille Cottin, Salma Hayek, Jack Huston um

Gesehen am 08.12.2021 im Eden Palast Aachen in der Originalfassung

2 Kommentare zu „House of Gucci

  1. Leto hätte für mich auch mehr Szenen haben können. Definitiv. Bisher hatte ich noch nirgendwo gelesen, dass er/sie auch Ähnlichkeiten von Al Pacino zu Dieter Thomas Heck ausmachte. Dachte schon, es wäre meine eigene Vision aufgrund eines Lachflashes. Viel zu lachen gibt es auf jeden Fall, zumindest in der Originalfassung. Sehr überrascht bin ich dann doch aber, dass Du einen maltesischen Akzent heraushören kannst. Obwohl ich schon mal Urlaub auf Malta gemacht, sicher viel rumkomme und mit vielen Akzenten konfrontiert bin, habe ich das nicht heraushören können. Vielleicht hast Du es ja auch nur irgendwo anders aufgeschnappt.

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    1. Es gab manche Szenen, wo ich meinte, dass Gaga exakt wie die Hotelrezeptionistin von meinem letzten Urlaub (eben auf Malta) klang. Besonders, wenn sie Worte sehr hart betont hat, klang das für mich ähnlich, aber kann mir mein Empfinden auch einen Streich gespielt haben.

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