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Nach dem Musical aus den 1950ern: Die Jets und die Sharks rivalisieren um die Vorherrschaft im New Yorker Viertel West Side. Doch dann verlieben sich der ehemalige Jetanführer Tony und die Schwester des Sharksanführers Maria unsterblich ineinander.

Meine Meinung zum Film

Steven Spielberg verfilmt den Klassiker „West Side Story“ neu, als diese Meldung durchsickerte, habe ich mich gefragt: „Warum?“. Gut, ich mochte auch noch viele neuere Spielbergfilme, insbesondere die Dramen wie „Bridge of Spies“ und „Die Verlegerin“ und dennoch konnte ich mir nicht vorstellen, wie Spielberg an den nicht ganz unverwüstlichen Klassiker von Robert Wise herankommen will und warum er es für notwendig erachtet, die Geschichte neu zu erzählen. Dementsprechend verwundert war ich, dass der Film schon vor den Pressevorführungen in den USA als heißer Oscar-Kandidat gehandelt worden ist.

Nun nachdem ich den Film gesehen habe, würde es mich jedoch nicht wundern, wenn Spielbergs „West Side Story“ ähnlich viele Oscar-Nominierungen abräumen werden wird, wie die erste Spielfilmadaptionen, die 1962 für elf Oscars nominiert worden ist und ganze zehn Academy Awards gewann. Gut, die Basis für den Film ist auch einfach gut: da wäre zum einen das Motiv der Verbotenen Liebe angelehnt an Shakespeares Romeo & Julia (der sich seinerseits an Ovids Pyramus und Thisbe abarbeitete) und zum anderen die großartige Musik von Leonard Bernstein mit Melodien für die Ewigkeit, veredelt von den griffigen, emotionalen Texten vom kürzlich verstorbenen Stephen Sondheim. Dennoch ist es beachtlich, dass Spielberg sich weder dazu hinreißen lässt, sich auf der Basis auszuruhen noch zu sehr vom Erfolgsrezept abzuweichen. Drehbuchautor Tony Kushner hat den Grundstock beibehalten und sie um neue Motive ergänzt. So ist die West Side ein Viertel, das von der Gentrifizierung bedroht wird. Außerdem wird ein gleichwertigerer Fokus zwischen den Jets und den puerto ricanisch stämmigen Sharks geschaffen. Das Casting ist auch passend zum Zeitgeist umgesetzt worden, anders als in der 1961er Version.

Dennoch ist es vor allem Spielbergs Inszenierung, die diesen Film nicht zu einer blassen Kopie des ersten Films verkommen lässt. Während der 1961er Film eher intim in seiner Inszenierung war, nutzt Spielberg besonders für die großen Nummern die weiten Perspektiven und exzessive Kamerafahrten. Besonders die Kameraarbeit unter Janusz Kaminski ist einzig und allein mit dem Wort großartig zu beschreiben. Auch wenn aktuell noch häufig predictet wird, dass die Beste Kameraarbeit bei den Oscars nur über „Dune“ geht, ich wäre nach Sichtung des Films fast schon geneigt auf einen Sieg der „West Side Story“ in dieser Kategorie zu setzen. Aber auch die anderen technischen Aspekte im Film sind nicht minder brillant. Spielberg arbeitet ästhetisch wieder an seinem leicht märchenhaften Bild, das hier wunderbar passt, dazu passend ausgesucht sind die farbenfrohen Kostüme und das Setdesign.

Der neue „West Side Story“ ist eine technische Meisterleistung, Highlights sind da die Balkonszene, der Ball in der Turnhalle sowie natürlich der Tanzkampf auf der Brücke, dessen Virtuosität nochmal besser zur Geltung kommt. Doch wie sieht es mit dem emotionalen Wert aus? Auch da lässt sich festhalten, das der Film funktioniert, wenn auch nicht so gut, wie auf der rein technischen Ebene. Die Tragik insbesondere die Dynamik der Tragik der Geschichte sind zu gut, um nicht die ganz großen Emotionen zu wecken, insbesondere in Kombination mit den fabelhaften Musikstücken. Dennoch findet sich hier die einzige echte Schwäche des Films: der Hauptdarsteller. Ansel Elgort, der nach den Dreharbeiten zum Film seinen eigenen MeToo-Skandal zu verarbeiten hatte, gibt sich zwar Mühe, kann aber nur mit seiner reinen Präsenz glänzen (zum Beispiel in der Szene, in der Maria und er sich das erste Mal sehen). Wird es jedoch emotionaler, wirkt sein Minenspiel seltsam. Ansonsten möchte ich mich bei der Beurteilung der Schauspielleistungen zurückhalten, aufgrund er Tatsache, dass ich die synchronisierte Fassung, welche glücklicherweise die Songs im Original lässt, aber mit irritierenden Untertiteln (jene aus der deutschsprachigen Musicalfassung) versorgt, gesehen habe. Gesanglich sind die Darsteller gut bis sehr gut und Elgort gibt sich zumindest Mühe. Rachel Zegler und Ariana DeBose wirken mit ihrer schieren Ausstrahlung schon stark ohne ein Wort sagen zu müssen und auch in den anderen Rollen wirkt das Casting gelungen. Obwohl der neue Film nur unsignifikant kürzer ist als der alte, fühlt sich das Pacing deutlich zügiger an, eben weil nicht nur auf die Jets näher eingegangen wird, sondern auch auf die Sharks.

Fazit

Der vielleicht beste Film von Steven Spielberg seit langer Zeit. Der Meister des Blockbusterkinos zaubert eine furiose Neuauflage des Musicalklassikers auf die große Leinwand, wo man den Film zwingend schauen sollte. 8/10

Daten & Fakten

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Tony Kushner

Länge: 157 Minuten

Genre: Musical

Darsteller: Ansel Elgort, Rachel Zegler, Ariana DeBose, Mike Faist, David Alvarez, Rita Moreno, Corey Stoll, Brian D Arcy James uw

Gesehen am 10.12.2021 im Lumen Kino Düren

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