Der Blogger, der früher unter dem Namen Ma-Go bekannt war, kehrt mit seinem neuen Blog als Filmgeschichtenerzähler zurück. In seinem ersten Beitrag widmet er sich den cineastischen 90er Jahre. Grund genug für mich auf meine Lieblingsfilme der 1990er-Jahre zurückzublicken und meine liebsten fünfzig Filme der 90er zu benennen und zu ranken. Laut Letterboxd habe ich 273 Filme der 1990er-Jahre gesehen und obwohl das verglichen mit den 2010er Filmen weniger Auswahl ist und die Wahrscheinlichkeit, dass mir somit einige oft genannte Filme fehlen, steigt, habe ich mich schwer getan Filme zu streichen, weswegen es doch eine Top 50 geworden ist.

Bevor ich zur Liste komme, hier ein paar Filme, die ich auf einigen Listen gesehen habe, ich aber (noch) nicht gesehen habe:

Goodfellas, Before Sunrise, Magnolia, Der Duft der Frauen, Die Filme der „Drei Farben“-Trilogie, Dead Man, Thelma & Louise, Lost Highway, Batman Returns, Strange Days, Quiz Show, Zeit des Erwachens, Bugsy, Barton Fink, Wiedersehen in Howards End, Chaplin, Das Piano, Was vom Tage übrig blieb, Sinn und Sinnlichkeit, Wyatt Earp, Besser geht´s nicht, Gods and Monsters, Being John Malkovich, Gilbert Grape, Boys don´t Cry, Raus aus Amal, Kurz und schmerßlos, Mann beißt Hund und weitere vor allem kleinere Filme

Von daher hier ein für manche überraschender Fakt: Hier befinden sich viele Blockbuster und Filme, die die Kinokassen klingeln ließen und im Gegensatz zu den letzten Jahreslisten kaum bis gar keine Arthausfilme:

Platz 50: Fight Club (1999, David Fincher)

Es gibt nicht wenige Filmfans, die diesen Film auf Platz Eins oder zumindest in die Top Ten ihrer 1990er-Liste packen würden. Die Inszenierung ist genial und Edward Nortons Schauspiel steht dem in nichts nach und doch war „Fight Club“ für mich nie ein derartiges Meisterwerk wie für viele andere Filmfans.

Platz 49: Und täglich grüßt das Murmeltier (1993, Harold Ramis)

Ich kenne einen Mann aus Konstanz, der den hier wahrscheinlich auf Platz Eins seiner 90er-Jahre Liste hätte und ja Bill Murray in einer Zeitschleife macht Viel Spaß. So viel Spaß, dass selbst sehr gute Vertreter des Zeitschleifenfilms an der von „Groundhog Day“ aufgestellten Messlatte scheitern.

Platz 48: Hass – La Haine (1995, Mathieu Kassovitz)

Beklemmendes und zugleich pulsierendes Milieudrama aus Frankreich gehalten in rohem Schwarz-Weiß. „La Haine“ ist von einer selten erreichten Intensität getrieben, die auch lange nach Filmende nachwirkt.

Platz 47: Cool Runnings (1993, Jon Turteltaub)

Vielleicht der Feel-Good-Film der 90er-Jahre mit legendären Zitaten („Sanker bist du Tod? – „Ja, Man“; „Üns, Zwü, Drü“ um) einem knuffigen John Candy und einem Vibe, den man sich nicht entziehen kann. Lebensbejahend ohne Ende.

Platz 46: Con Air (1997, Simon West)

„Con Air“ hat die einmalige Goldene Himbeere für die „Rücksichtsloseste Missachtung von Menschenleben und öffentlichem Eigentum“ erhalten. Dennoch oder gerade deswegen ist „Con Air“ ein temporeicher Actionfilm mit Darstellern, denen man die Lust freizudrehen förmlich ansieht.

Platz 45: JFK – Tatort Dallas (1991, Oliver Stone)

Nach der Sichtung dieses Films kann man nicht mehr wirklich glauben, dass Lee Harvey Oswald Einzeltäter war. Das zeigt die Tendenziösität, die Oliver Stone hier aufdrängt. Allerdings ist JFK ein spannender Blick in die Gerichtswelt nach dem Tod Kennedys mit einem Cast, der sich in den Dienst des Films stellt.

Platz 44: Rumble in the Bronx (1995, Stanley Tong)

Der Film, der Jackie Chan seinen Durchbruch in Hollywood gebracht hat, ist nach meinem dafürhalten auch sein bester. Die Action ist sauber inszeniert und knallhart, der Film weniger klamaukig als man es von Chan gewohnt ist, weswegen er hier beispielsweise „Who am I“ und „Police Story 3“, die vereinzelt spektakulärere Action haben aussticht.

Platz 43: Mission: Impossible (1996, Brian de Palma)

Wenn man sich heute den ersten Mission: Impossible ansieht, wirkt dieser Film wie ein ganz anderes Franchise als die Tom Cruise Actionvehikel der letzten Jahre. Auf dem Regiestuhl nahm hier Brian de Palma Platz, dessen Inszenierung an eine Neuinterpretation der Paranoiathriller der 70er Jahre erinnert.

Platz 42: Die Truman Show (1998, Peter Weir)

„Die Truman Show“ ist ein brillanter Film, doch seitdem ich gelesen habe, was aus dem Originaldrehbuch von Andrew Niccol im fertigen Film fehlt, denke ich, dass ein noch besserer Film möglich gewesen wäre. Dennoch natürlich ganz stark von Jim Carrey und Ed Harris gespielt und detailreich in der Umsetzung.

Platz 41: Glengarry Glen Ross (1992, James Foley)

Manchmal braucht man wenig für einen guten Film. James Foley hatte für „Glengarry Glen Ross“ ein paar Charakterdarsteller und ein feines Skript über eine Drucksituation in einer Immobilienfirma. Dabei ist es erstaunlich, dass dieser Film nie an Zug verliert und dennoch seine Charaktere nicht aus den Augen verliert.

Platz 40: 10 Dinge, die ich an dir hasse (1999, Gil Junger)

Coming Of Age Filme in den Neunzigern waren selten so gut wie in den 80ern. „10 Dinge, die ich an dir hasse“ ist da eine glorreiche Ausnahme. Basierend auf Shakespeares „Der widerspenstigen Zähmung“ entsteht ein Ensemblepiece, welches mit jeder Sichtung an Qualität gewinnt. Charmant, gewitzt und originell.

Platz 39: Lola rennt (1998, Tom Tykwer)

„Lola Rennt“ ist Techno. Kaum ein Film, der so zeitgeistig 90er ist, hat es geschafft auch außerhalb der 90er zu funktionieren. Dabei hilft die eigenwillige narrative Struktur ebenso wie der Temporausch, den Tom Tykwer uns hier einjagt.

Platz 38: Ghost in the Shell (1995, Mamoru Oshii)

Ein Anime, dessen Stärke sich vor allem im Interpretationsspielraum entfaltet. „Ghost in the Shell“ erzählt im Rahmen einer klassischen Krimijagd von Identität, Misstrauen und Gehorsamsdruck und bedient sich dabei jener visueller Vorteile, die ein Anime einem Realfilm bietet.

Platz 37: Kevin – Allein zu Haus (1990, Chris Columbus)

Einer der Weihnachtsfilmklassiker schlechthin, der so gut ist, dass er zwei Jahre später nochmal genauso funktioniert hat. Macaulay Culkin ist ein Gewinn, da er den kleinen Kevin so sympathisch wirken lässt, dass man diebische Freude an seinen Fallen für die Diebe hat, die den dritten Akt des Films kennzeichnen.

Platz 36: Boogie Nights (1997, Paul Thomas Anderson)

„Boogie Nights“ ist ein unglaublich vitaler Film, dessen Höhepunkt in der einzigen Szene mit Alfred Molina liegt. Paul Thomas Anderson inszeniert virtuos ein Ensemblepiece, das einen Einblick in die Pornofilmbranche der 1970er gibt und führt den jungen mark Wahlberg zur besten Schauspielleistung seiner Karriere.

Platz 35: Speed (1994, Jan de Bont)

Der Name ist Programm. Jeder weß welcher Film gemeint ist, wenn gesagt wird „Der mit der Bombe im Bus“ und das obwohl der Film weder damit anfängt noch endet. Keanu Reeves zeigt, warum er als Actionheld taugt und unter Jan de Bonts vitaler Regie entsteht ein Bombenfilm. (Den konnte ich mir nicht verkneifen)

Platz 34: Der talentierte Mr. Ripley (1999, Anthony Minghella)

Frei nach dem Roman von Patricia Highsmith entspinnt sich großes Schauspielerkino, in dem Matt Damon, Jude Law, Cate Blanchett und Philipp Seymour Hoffman groß aufspielen. Anthony Minghella versteht es dieses psychologische Drama von Minute zu Minute unangenehmer wirken zu lassen.

Platz 33: Robin Hood – König der Diebe (1991, Kevin Reynolds)

Lasst den Unmut aus, aber im Gegensatz zu den neueren Robin Hood Verfilmungen trifft dieser Film einen Zuschauernerv. Trotz Drehbuchproblemen unterhält der Film durchgehend, bietet einen wunderbaren Schurken (Alan Rickman ist auch eine sichere Bank) und ist Blockbusterkino wie ich es mag und inzwischen schmerzlich vermisse.

Platz 32: Das Schweigen der Lämmer (1991, Jonathan Demme)

Mich wundert, dass der Film noch nicht stigmatisiert worden ist, für den Grund, warum Buffalo Bill Serienmörder ist. Wahrscheinlich ist der Film zu gut, bietet er Jodie Foster und vor allem Anthony Hopkins in Höchstform, Spannung bis zum Anschlag und eine Regie, die das gekonnt zu vermengen weiß.

Platz 31: Der Soldat James Ryan (1998, Steven Spielberg)

Ich bin ehrlich mit euch. Meine Sichtung des Films ist zu lange her, um irgendetwas substanzielles zu sagen, außer dass ich den Film sehr beeindruckend fand, auch wenn er weit weniger als Antikriegsfilm funktioniert als die erste halbe Stunde hoffen ließ.

Platz 30: Philadelphia (1993, Jonathan Demme)

Wenig Menschen werden diesen Film vor dem Vorgänger des Regisseurs haben. „Philadelphia“ funktioniert jedoch sowohl als menschliches Drama, als Aufklärung über ein Tabuthema und als Justizfilm und dann sind da noch Denzel Washington und Tom Hanks.

Platz 29: Blue Steel (1991, Katheryn Bigelow)

Ungemein fesselnd ist „Blue Steel“. Ein Copthriller aus der Regie von Katheryn Bigelow, der von der fantastischen Jamie Lee Curtis getragen wird. Die zweite Häflfte besteht aus sich immer weiter zuspitzenden Spannungsmomenten, die mir den Atem geraubt haben.

Platz 28: Pretty Woman (1990, Gerry Marshall)

Ach, ja „Pretty Woman“ ist ein schmonziges Märchen, aber was für eins. Julia Roberts und Richard Gere sind blendend unter der Regie Gerry Marshalls, der noch am Set das Drehbuch umschrieb, um einen Feel Good Film zu kreieren. Beste Sequenz ist natürlich jene, in der Vivien einkaufen geht.

Platz 27: East is East (1999, Damien O´Donnell)

Turbulente Culture Clash Komödie aus Großbritannien. Ein weiterer Beweis für die These, dass Filme, die zu einer vergangenen Zeit spielen zeitloser sind, wird hier doch der Zustand einer Mischfamilie porträtiert und das mit bissig-britischem Humor.

Platz 26: Der König der Löwen (1994, Roger Allers, Rob Minkoff)

Was wurde nicht alles zu „Der König der Löwen“ gesagt? Für Disney ein Überraschungserfolg, ist dies der vielleicht beste Film aus der hauseigen Meisterwerke genannten Reihe. Im Grunde Shakespeare für Kinder und von einer ungebrochenen visuellen Brillanz.

Platz 25: Last Boy Scout (1991, Tony Scott)

Ich sag es jetzt so, wie ich denke: „Last Boy Scout“ ist der beste Film nahezu aller Beteiligten. Tony Scott war nie besser (auch wenn er weitere Actionkracher fabrizierte) und Bruce Willis war nie cooler. Shane Black hatte zuvor zwei mindestens genauso starke Filme mit Drehbüchern versorgt und doch waren seine Sprüche auch nie cooler als hier.

Platz 24: American History X (1998, Tony Kaye)

Den Endschnitt verantwortete Edward Norton und wenn man liest, dass Tony Kaye den Film deutlich experimenteller gestalten wollte, bin ich froh, denn auch so schwankt „American History X“ nahe an der Überinszenierung und dafür ist das Thema und die Geschichte zu wichtig, besonders mit diesem Ende.

Platz 23: Zwielicht (1996, Gregory Hoblit)

Gleich nochmal Edward Norton, der hier eine der besten Schauspielleistungen überhaupt liefert und auch Richard Gere liefert seine beste Schauspielleistung in diesem letztendlich bitter-zynischen Gerichtsdrama mit einigen Wendungen und einem ergreifendem Spannungsbogen.

Platz 22: Terminator 2 – Tag der Abrechnung (1991, James Cameron)

Manche sagen: „Terminator 2 ist der beste Actionfilm aller Zeiten“. So weit würde ich nicht gehen und doch ist das für mich definitiv James Camerons Magnum Opus. Wunderbare Inszenierung trifft auf eine Sachlage, die genauso gut schief hätte gehen können.

Platz 21: Ghost – Nachricht von Sam (1990, Jerry Zucker)

Ein Potburri an Genres liefert Jerry Zuckers Kultfilm der 90er Jahre, der Whoopi Goldberg einen Oscar brachte und mir bei jeder Sichtung Tränen aus den Augen zieht. Patrick Swayze überragt in diesem gleichermaßen spannenden wie emotionalen Film, nur Demi Moores Frisur verstehe ich bis heute nicht.

Platz 20: Perfect Blue (1997, Satoshi Kon)

Nicht der Anime aus dem Jahr 1997 den man hier erwarten würde, aber jeder der einen Satoshi Kon Film gesehen hat, wird verstehen, warum man seine Filme so schätzt. „Perfect Blue“ ist ein Mindfuckpsychothriller voller Überraschungen. So gut, dass sich Darren Aronufsky für „Black Swan“ daran bedient hat.

Platz 19: The Crying Game (1992, Neil Jordan)

Nach einem Animemindfuck über Identität, gibt es nun einen anderen Film, bei dem Identität eine gewichtige Rolle einnimmt. Im Grunde verraten die Preisverleihungen des Folgejahrs den Twist, der den Film noch eine andere Ebene gibt. Im Grunde vermengt Neil Jordan hier drei Filme zu einem und bleibt dabei bei einer Laufzeit unter zwei Stunden.

Platz 18: Der Gigant aus dem All (1999, Brad Bird)

Die Konkurrenz ist stark und dennoch ist Brad Birds an der Kinokasse gefloppter „The Iron Giant“ der beste Animationsfilm der 1990er Jahre. Sicher sind hier Elemente aus Spielbergs E.T. zu finden, aber der Film ist zu charmant und zu rührend, um nicht zu überzeugen und dazu faszinierend inszeniert.

Platz 17: Auf der Flucht (1993, Andrew Davis)

Aus der 60er Jahreserie „Dr. Richard Kimble auf der Flucht“ wird unter der Regie von Andrew Davis ein temporeicher, packender Thrillerreißer. Harrison Ford spielt den flüchtigen sehr gut, Tommy Lee Jones ist noch besser. Der Film versteht es gekonnt sowohl die Kriminalhandlung voranzutreiben als auch die veränderte Sicht von Marshall Gerard auf Kimble aufzubauen.

Platz 16: Der Schmale Grat (1998, Terrence Malick)

Ein fast schon meditativer Antikriegsfilm, der zu jeder Sekunde schreit bzw. säuselt, dass er von Terrence Malick geschaffen worden ist. Entweder man kommt in den Sog und lässt sich drei Stunden abwechselnd berauschen, ob der Schönheit des Kriegsschauplatzes und erschüttern, ob der Brutalität des Krieges oder man kann damit nichts anfangen.

Platz 15: Reservoir Dogs (1992, Quentin Tarantino)

Quentin Tarantinos Debüt (zumindest wenn man den nicht mehr auffindbaren „My Best Friend´s Birthday“ nicht miteinbezieht) ist ein virulenter Thriller, der schon alle Tarantinotrademarks zeigt ohne allerdings sein typische (Über-)Länge zu haben. Daneben ein Film über einen Raubüberfall, ohne den Raubüberfall zu zeigen.

Platz 14: Bang, Boom Bang (1999, Peter Thorwarth)

„Ich bin da wat am planen dran.“ Peter Thorwarths Langfilmdebüt zeigt das Ruhrgebiet so, wie man es sich vorstellt, in einem komödiantischen Gangsterfilm mit schrulligen Figuren und unvorsehbaren Drehbuchwendungen. Bonus gibt es für Diether Krebs in seiner letzten Rolle.

Platz 13: Insider (1999, Michael Mann)

Aus der Reihe „Entdeckungsfilme, die ich mag“ heute Michael Manns „The Insider“. In einem Jahr voller spektakulärer Filme, viel der bei der breiten Masse ab, obwohl Al Pacino in einer seiner besten Rollen zu sehen ist und auch Russell Crowe und Christopher Plummer zu überzeugen wissen. Michael Mann schafft es hier dicht zu inszenieren und gleichzeitig sich in den Dienst seiner Geschichte zu stellen.

Platz 12: Eine Frage der Ehre (1992, Rob Reiner)

Aaron Sorkin adaptiert hier sein Theaterstück und Rob Reiner veredelt dies mit einer fokussierten Regie, wodurch dieser Film nicht nur fantastische Dialoge hat, sondern auch einen zerreißenden Spannungsbogen und einen brillierenden Cast. Das steigert sich bis hin zur Gerichtsverhandlung und dem Kreuzverhör zwischen Tom Cruise und Jack Nicholson.

Platz 11: Jackie Brown (1997, Quentin Tarantino)

Nicht der Tarantino, den man so weit oben erwartet, zumindest wenn nicht regelmäßig meine Beiträge zu Tarantino gelesen hat. Tarantinos am wenigsten von Gewalt dominierter Film zeigt seine Liebe zum Blaxplotation Kino der Siebziger, ebenso wie sein Gefühl dafür Spannung in einen ruhigeren Film einzuweben.

Platz 10: Leon – Der Profi (1994, Luc Besson)

Luc Besson auf seinem Höhepunkt, danach kam fast nur noch Grütze, doch „Leon – Der Profi“ ist ein ganz großer Film. Jean Reno als wortkarger Killer, der Natalie Portmans Mathilda unter seine Fittiche nimmt. Dabei spürt man zu jeder Zeit, dass es sich um einen europäischen Film handelt und Gary Oldman als Norman Stansfield ist einer der besten Schurken überhaupt.

Platz 9: Das Fest (1998, Thomas Vinterberg)

Alle paar Jahre macht Thomas Vinterberg einen überragenden Film. „Das Fest“, streng nach den Dogma 95 Regeln gedreht, war der erste seiner Filme, die diese Qualität erreichen konnte. Irgendwo zwischen schwarzer Komödie und zerschemetterden Drama angesiedelt, bricht „Das Fest“ mit Sehgewohnheiten und seziert heile Familienwelt auf eine einzigartige Weise.

Platz 8: Trainspotting (1996, Danny Boyle)

„Trainspotting“ schreit nach 90er Jahre. Dafür ist dieser Film erstaunlich gut gealtert, was an Danny Boyles überragend vitaler Regie liegt. „Trainspotting“ ist sicher kein Easy Watch, aber ein mehr als lohnenswerter Film über Drogensucht und Gruppendynamik voller audiovisueller Ideen.

Platz 7: Die Verurteilten (1994, Frank Darabont)

Sicher ein erwartbarer Pic, hat sich „Die Verurteilten“ seit mehr als zehn Jahren auf Platz Eins der IMdB gemütlich gemacht. Aber der Film ist auch einfach so gut. Getragen von der Chemie zwischen Tim Robbins und Morgan Freeman, entsteht ein inspirirender Film über Geduld, Gewohnheit und Freundschaft mit einer herrlichen Wendung ins letzte Drittel.

Platz 6: Der mit dem Wolf tanzt (1990, Kevin Costner)

Als gigantischer Flop vorhergesagt, wurde Kevin Costners Regiedebüt zu seinem künstlerischen und kommerziellen Höhepunkt. Mehrere Oscars für diesen Spätwestern, der sich ganz einer gerechteren Sichtweise auf die Ureinwohner verschreibt und dabei eine poetische Schönheit ausstrahlt, am besten in der knapp vierstündigen Fassung ansehen.

Platz 5: Forrest Gump (1994, Robert Zemeckis)

Immer wieder mache ich den Fehler, diesen Film, wenn ich ihn Mal länger nicht gesehen habe, schwächer zu machen als er ist. Robert Zemeckis inszeniert hier einen Film, den man leicht als Satire sehen könnte und schafft es aber an die Herzen der Zuschauenden zu gehen, was auch am durchweg überzeugenden Tom Hanks und der Rahmenhandlung rund um Forrest Liebe zu Jenny liegt.

Platz 4: Matrix (1999, Die Wachowskis)

Ein bahnbrechender Film, der bei allem Genre Sci-Fi Schnick Schnack ein zutiefst persönlicher Film der Wachowski-Schwestern ist. „Matrix“ ist ein furioser Remix verschiedener Ideen und kultureller Einflüsse, gepaart mit jenem inszenatorischem Wagemut, der aus „Matrix“ einen bahnbrechenden Film gemacht haben.

Platz 3: Sieben (1995, David Fincher)

Ein bitterböser, eiskalter Thriller, der David Fincher nach „Alien 3“ den Respekt gab, den er verdient. Seitdem hat sich Fincher als Spezialist für technisch perfekte, erzählerisch gewiefte Thriller etabliert, der oft nahe dran an der Großleistung „Sieben“ kam, diese jedoch nie erreichte, was vor allem an dieser überragenden letzten halben Stunde liegt.

Platz 2: American Beauty (1999, Sam Mendes)

Irgendwo zwischen bitterböser Satire auf das US-Kleinstadtleben im verlotterten American Dream und zerreißendem Familiendrama angesiedelt, liefert Sam Mendes ein Meisterwerk als Regiedebüt ab, das bis in die Nebenrollen perfekt besetzt ist und wie ein Spiegel auf die Fassadenscheinheiligkeit funktioniert.

Platz 1: Schindlers Liste (1993, Steven Spielberg)

„Schindlers Liste“ will man nicht oft sehen, dafür ist der Film aller Spielbergschen Hoffnung zum Trotz zu deprimierend. Dennoch ist dieser Film ein einnehmendes Machwerk, welches es schafft drei Stunden lang die Grausamkeit der Judenverfolgung im dritten Reich aufzuzeigen ohne die Hoffnung zu verlieren.

13 Kommentare zu „Meine Top 50 Filme der 1990er Jahre

  1. Starke Liste mit tollen Filmen. Da wird man ja direkt nostalgisch und will die einfach alle nochmal gucken. Oder zum ersten Mal gucken 😅 Der mit dem Wolf tanzt habe ich, zu meiner Schande, bis heute nicht gesehen.

    Gefällt 3 Personen

  2. Na, dann lass uns mal über deine Liste quatschen 🙂

    „Laut Letterboxd habe ich 273 Filme der 1990er-Jahre gesehen“

    Dazu habe ich leider keine Statistik. Aber aus dem Bauch heraus würde ich jetzt mal schätzen, dass es bei mir noch ein paar mehr sind. Und dennoch habe ich von deiner Liste 16 (!!!) nicht gesehen. Das hätte ich echt nicht vermutet.

    „Von daher hier ein für manche überraschender Fakt: Hier befinden sich viele Blockbuster und Filme, die die Kinokassen klingeln ließen“

    Witzig, dass du das ansprichst. Mir ist das bei meiner Liste auch aufgefallen. Vielleicht waren die Blockbuster damals einfach besser? Den ganz große Teil meiner Liste würde ich jedenfalls in die Blockbuster Schublade stecken. Hinzu kommt noch eine Reihe an Filmen, die allgemein eher weniger beliebt sind, bei mir aber einen gewissen Nostalgie-Bonus haben.

    Unter den Top20 haben wir immerhin 4 Überschneidungen. Das ist doch schon mal eine gute Grundlage.
    Unter den Top50 wären es natürlich deutlich mehr.

    „Bevor ich zur Liste komme, hier ein paar Filme, die ich auf einigen Listen gesehen habe, ich aber (noch) nicht gesehen habe:“

    Goodfellas und Before Sunrise habe ich auch nicht gesehen. Die beiden stehen ja bekanntlich auf meiner 22Für2022-Liste. Vom Rest habe ich einige gesehen. Zu meinen Lieblingsfilmen gehört allerdings nur „Gods and Monsters“, wobei ich den schon lange nicht mehr gesehen habe. Allerdings trifft das auf einige Filme zu, die zu meinen Favoriten aus den 90ern zählen.

    Meine Top20 hänge ich dir unter den Twitter-Beitrag. Hat auf jeden Fall Spaß gemacht, deine Liste zu durchstöbern.

    Gefällt 1 Person

    1. Bei ein paar Filmen kann ich mir denken, dass du die nicht gesehen hast (zB East is East, The Crying Game).

      Schwierig zu beurteilen, aber ich tendiere auch dazu, dass Blockbuster früher besser waren und Kevin Costner Filme sind meine Marvelfilme.

      Ich schau Mal, ob ich dieses Jahr an „Gods & Monsters“ rankomme.

      Gefällt mir

  3. Ich habe leider ein paar Filme von deiner Liste bisher noch nicht kennen gelernt, manche sind mir dafür zum Glück wieder ins Gedächtnis gekommen, wie zum Beispiel „Blue Steel“.
    Aber es stimmt: „Trainspotting“ kann man sich immer noch gut anschauen. Da traue ich mich nur immer noch nicht an den Nachfolger heran. 🙂

    Gefällt 1 Person

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