Die ersten Kinobesuche im Jahr 2022 liegen hinter mir unter anderem mit zwei Kandidaten, die auch bei den Oscars im Gespräch sind.

Drive My Car

Der Theaterschauspieler Yusuke Kafuku soll zwei Jahre nach einem Schickssalsschlag für ein Kulturfestival das Stück Onkel Wanja inszenieren. Für die Hauptrolle wählt er die Affäre seiner Ehefrau und öffnet sich langsam der ihm widerwillig zur Seite gestellten Fahrerin.

Drei Stunden lang präsentiert Regisseur Ryusuke Hamaguchi einen Film über Schauspieler, Vergebung, Philosophie und einem roten Saab, der die meiste Zeit davon an mir vorbeigefahren ist. Der vierzigminütige Prolog (!) hatte mich noch in den Film involviert, wird hier die zwischenmenschliche Beziehung zwischen Kafuku und seiner Frau ausgearbeitet. Sobald die Haupthandlung einsetzt, hat mich der Film jedoch verloren. Basierend auf Kurzgeschichten von Haruki Murakami entsteht ein fast schon fragmentarischer Film, der dann aber doch zu konventionelle Erzählmethoden bedienen möchte. Dabei sind einzelne Szenen immer noch interessant, aber es entsteht kein Film, der mich auch nur ansatzweise tangiert. „Drive My Car“ ist ein elitär-philosophischer Film, der aber darin gefangen ist, elliptisch zu erzählen und Charakterentwicklungen plötzlich zu präsentieren. 5/10

Pleasure

Die junge Schwedin Linnea (Sophia Kappel) geht nach LA, um im Pornobusiness unter dem Künstlernamen Bella Cherry Fuß zu fassen. Zunächst voller Euphorie, lernt sie bald auch die Schattenseiten der Pornoindustrie kennen.

„Pleasure“ mutet fast schon dokumentarisch an, auch wenn Regisseurin Ninja Thyberg ursprünglich gegen die Pornoindustrie demonstriert hat, gelingt hier ein nicht rein verurteilendes Bild über die Pornoindustrie. Durch die Bindung an die Hauptfigur kann dabei nicht alles gezeigt wird, dadurch entsteht aber auch ein gutes Pacing, das den Film durch die verschiedenen Stationen trägt. Positiv hervorzuheben ist, dass Linnea nicht aus Not die Pornoindustrie aufsucht, sondern aus Lust. Wie Linnea alias Bella mit ihren zwischenmenschlichen Beziehungen umgeht, bildet das Rückgrat eines Films, der sich traut die Industrie zu kritisieren, obwohl sie in Form der meisten Darsteller involviert wird. Expliziter Sex wird nicht direkt gezeigt, jedoch schafft es Thyberg das Gefühl für die Protagonistin während des Drehs spürbar zu machen. Besonders im letzten Drittel entwickelt sich Bella in eine Richtung, die an der Bindung zu ihr zweifeln lassen, um dann zu einem passenden Schluss zu finden . 8/10

Nightmare Alley

Remake des gleichnamigen Films aus dem Jahr 1947: Stanton Carlislie (Bradley Cooper) lernt auf einem Jahrmarkt Menschen zu betrügen, will jedoch schnell in die glamoröse Stadt, anstatt weiter mit dem Jahrmarkt herumzureisen.

Guillermo del Toro ist für mich ein schwieriger Fall: Visuell sind seine Filme beeindruckend, „Nightmare Alley“ bildet da keine Ausnahme, erzählerisch bleiben sie jedoch für meinen Geschmack weit dahinter zurück. Auch da ist „Nightmare Alley“ leider keine Ausnahme. Für mich wirkt dieser zweieinhalb Stunden lange Film ein wenig, wie nicht Fisch, nicht Fleisch. Die Kombination aus den verschiedenen Handlungslinien führt zu keinem rundum stimmigen Film. Stanton als Charakter ist interessant, was auch an der Verkörperung von Bradley Cooper liegt, der allerdings nur eine Sammlung seiner bekannten Facetten zeigen muss. Jedoch empfand ich die Rückblenden als Störfaktor. Der restliche Cast ist Namensstark, jedoch auch ein wenig verschenkt. Einzig Cate Blanchett, die in der zweiten Hälfte des Films eine gewichtige Rolle einnimmt, darf glänzen als Femme Fatale. Sie ist es auch, die ein wenig erzählerische Schärfe einbringt, die im letzten Drittel zunimmt und für die beste Phase des Films sorgt. Bis dahin meandert „Nightmare Alley“ jedoch so stark vor sich hin, dass auch hier ein für mich nur durchschnittlicher Film entsteht. 6/10

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