Herzlich Willkommen zum Comeback der allseits beliebten Rubrik, heute in etwas kürzerer Ausgabe. Wer mir bei Letterboxd folgt, wird gesehen haben, dass ich auch die ersten beiden Bond-Filme gesehen habe. Da ich mit einem Kumpel jedoch alle Bondfilme im Laufe des Jahres alle sehen werde, wird es dazu einen großen Sonderbeitrag am Ende des Jahres geben.

Chungking Express

Der hochgelobte Film von Wong Kar-Wai, in den USA vertrieben durch Quentin Tarantino, erzählt zwei Episoden von Liebesgeschichten, die nicht aufgehen. Was nach einer Story klingt, die mein Herz erfassen sollte, ließ mich erstaunlicherweise relativ kalt. In meiner Wahrnehmung ist der Film, vor allem dank der Stroboskop-Effekt Szenen überinszeniert, während die Charaktere trotz starken Darstellern blass bleiben. „California Dreamin“, das exzessiv gespielt wird, ist mir im Laufe des Films immer mehr auf den Keks gegangen. Gelungen empfand ich wie die Geschichten abgeschlossen werden. 6/10

Flucht in Ketten (The Defiant Ones)

Kurz nach der Todesmeldung Sidney Poitiers habe ich diesen Film, der auch auf meiner 22 für 2022-Liste, gesichtet. Die Chemie zwischen Poitier und Curtis, die als unliebsame Flüchtlinge aneinandergekettet sind, trägt den Film über einige zähe Momente hinweg. Stanley Kramers Regie ist fokussiert und kleidet den Film in sehr gut anzuschauendes Schwarz-Weiß, auch wenn der Verzicht auf klassische Filmmusik für mich eine Fehlentscheidung war. Als Lehrstück gegen Rassismus auch aus dem zeitgenössischen Kontext gerissen ist der Streifen jedoch immer noch mitreißend. 7/10

Interview mit einem Vampir (Interview with the Vampire)

Neil Jordans großer Film nachdem ihm „The Crying Game“ die Möglichkeit gab in Hollywood mit großem Budget zu agieren. Daher entstand die geplante Verfilmung des Anne Rice Romans unter seiner Regie mit Starbesetzung. Die ist auch neben der opulenten Aufmachung die größte Stärke des Films, der so nur wahrscheinlich in den Neunzigern entstehen konnte. Oft schmalzig, übertrieben pompös, mit einem dominierenden Soundtrack ausgestattet, sowie mit einer Vielzahl an historischen Ungenauigkeiten, zugunsten der Dramaturgie, entwickelt sich ein gut anschaubarer Film, der für mich aber eher wie eine Fingerübung wirkt. 6/10

Fahrraddiebe (Bicycle Thieves)

Schon vor Federico Fellini konnte das italienische Kino Glanzlichter setzen. Vittorio de Sicas neorealistisches Drama besticht durch Authenzität. In einer glänzenden Tiefenschärfe präsentiert de Sica das Post-Weltkriegsitalien als Ort, in dem es schwer fällt die Hoffnung zu bewahren. Die Geschichte um Familienvater Antonio, der mit seinem Sohn sein gestohlenes Fahrrad sucht, um seinen neuen Job nicht direkt zu verlieren, schafft es einen in den Bann zu ziehen. Dafür sorgt der hoffnungsvolle Auftakt, dem der harte Realismus entgegengestellt wird, wodurch wohltemporiert Sozialkritik eingeflochten wird und der Film immer noch in meinem Kopf herumspuckt. 8/10

Ein Herz und eine Krone (Roman Holiday)

Auch in Italien gedreht, aber durch und durch Hollywood-Film ist „Roman Holiday“ mit Gregory Peck, dem ich mehr Hauptrollen gegönnt hätte und Audrey Hepburn, die in der Rolle der europäischen Prinzessin zum Star wurde. Eine leichtfüßige romantische Komödie, die das Genre prägen sollte, wird hier präsentiert. Leider hat mir „Ein Herz und eine Krone“ jedoch weniger als gewünscht gefallen, auch wenn es sich hier um einen beschwingten Film mit sympthatischen Hauptdarstellern. Die Entscheidung den Film in Rom zu drehen hat sich als goldrichtig erwiesen, auch wenn der Film den Drehort vor allem als Vehikel für die beginnende Romanze nutzt. Vielleicht hat es auch geschadet, dass ich das Quemake mit Adriano Celentano und Ornella Muti (dt. Titel: Gib dem Affen Zucker) schon vor Jahren gesehen habe und auch mochte. Dennoch möchte ich nicht nur aus genrehistorischer Sicht eine Empfehlung für den Film von Oscar-Preisträger William Wyler aussprechen. 7/10

7 Kommentare zu „Klassikerparade (27) – Chungking Express, Flucht in Ketten, Interview mit einem Vampir, Fahrraddiebe & Ein Herz und eine Krone

          1. Ich würde sagen ich fand ihn minimal besser als du. Wobei es bei mir eher nicht die sog. „90er, Merkmale“ waren, die mich rausgerissen haben als viel mehr meine Probleme mit der Tonalität hier und da. Und mit den Motivationen einzelner Figuren war ich manchmal überfordert

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  1. „Chungking Express“ gehört mit „Fallen Angels“ tatsächlich zu meinen liebsten Wong-Kar-Wei-Filmen. Und „Interview mit einem Vampir“ fand ich damals ziemlich großartig. Allerdings schon ewig nicht mehr gesehen. Den Rest habe ich noch nicht gesehen.

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