Seit gut einem Jahr steht dieser Song auf der imaginären sehr langen Liste möglicher Songs, die ich auf den Blog besprechen möchte. Ein Grund ist natürlich die namentliche Kongruenz zum Schreckgespenst, das unser Leben seit ca. einem Jahr beherrscht, ein anderer Grund ist natürlich, dass „The Rhythm of the Night“ einer der unverwüstlichsten 90er Dancesongs ist. Der aktuelle Anlass ist jedoch ein anderer, ich habe Dienstag das Video „A Complete Guide to Pop Music Needle Drops in Movies“ von Patrick H Willems gesehen, indem Willems die Meinung vertritt, dass „The Rhythm of the Night“ Teil des besten Needle Drops der Filmgeschichte ist.

Wer sich jetzt fragt, was ein Needle Drop ist, dem sei gesagt, dass man ihn kennt, jedoch den Begriff nicht. Ein Needle Drop bezeichnet den Nutzen eines Musikstückes, das nicht zum komponierten Score gehört, in einer Filmszene. In den letzten Jahren hat diese Technik wieder inflationär zugelegt, auch wenn schon Regisseure wie Martin Scorsese und Quentin Tarantino sie immer wieder in ihren Filmen angewandt haben. Spätestens seitdem der diegetische Nutzen (die Musik ist auch für die Charaktere im Film zu hören) in „Guardians of The Galaxy“ exzessiv praktiziert worden ist, sind Needle Drops wieder voll en vogue. Man kann das ganze auch denkbar schlecht machen (ja ich meine dich, „Suicide Squad“), doch in Claire Denis „Der Fremdenlegionär“ (Originaltitel: Beau Travail) wird der diegetische Needle Drop in der Endszene angewendet. Der Film thematisiert die emotionale Verklemmung eines Fremdenlegionärs, der seine Gefühle nicht zeigen kann. Erst am Ende des Films, wenn er alleine in einer Bar steht und „The Rhythm of the Night“ angestimmt wird, kann er seinen Gefühlen freien Lauf lassen und was soll ich sagen, er drückt sich sehr expressiv aus:

„The Rhythm of the Night“ wird hier perfekt eingesetzt, die ganze Energie des Songs strömt sich auch auf den Zuschauer aus. Der Song gilt vollkommen zurecht als Genreklassiker, der alle anderen Songs des italienischen Musikprojekts derart in den Schatten stellt, dass fälschlicherweise angenommen wird, Corona sei ein One-Hit-Wonder gewesen. In Italien konnte Corona immerhin drei Nummer Eins Hits stellen, in den Rest Europas konnten neben „The Rhythm of the Night“ auch Songs wie „Baby Baby“ und „I don´t wanna be a Star“ respektable Platzierungen erzielen. Die prägnante Stimme hinter „The Rhythm of the Night“ stammt von Giovanna Bersola, die jedoch keinen weiteren Song der Formation einsingen durfte. Als Gesicht wurde das brasilianische Model Olga de Souza ausgewählt, die beim letzten Comeback wohl das erste Mal selbst die Songs der Formation gesungen hat. Einige Teile des Songs sind aus dem Song „Save Me“ der Band Say When entnommen worden. Neben der Hauptmelodie wurden Teile der Lyrics auch von diesem Soulsynthpopmischsong genommen und in den bassgesteuerten Eurodancesound der Neunziger überfordert. Die Catchphrase „This is the Rhythm of the Heart“, die den Song zum Hit werden ließ kam jedoch vom Trio Giorgio Spagna, Francesco Bontempi (auch bekannt als Lee Marrow und mit einem Top Ten Hit mit „Shanghai“ 1985) und Annerley Gordon (die als Ann Lee 1999 mit „2 Times“ einen Solohit hatte). Zum Abschluss hier noch der Link zum 1994er Musikvideo, über das grausame MashUpCover von Bastille lege ich den Mantel des Schweigens.

3 Kommentare zu „Song der Woche (9) – Corona „The Rhythm of the Night“

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