Eine weitere Folge der Subthematik „Homosexuelle Emanzipation in der Popmusik der Achtziger“ mit den Herren von Bronski Beat. Bevor man aufgrund des Namens denkt, dass die Gruppe aus Polen oder einem anderen osteuropäischen Land stammt, kläre ich auf, dass das Trio aus Großbritannien stammt. 1983 gegründet benannte sich die Truppe nach Steve Bronski, der mit Larry Steinbachek für die Keyboards und Percussion verantwortlich war. Sänger der Band war Jimmy Somerville, der eine sehr charakteristische hohe Stimme hatte, die im ersten Hit des Trios zu Tage trat: Smalltown Boy.

Besonders war an Bronski Beat, dass alle Mitglieder offen homosexuell waren und dies offen in ihren Songs ansprachen und verarbeiteten. Die Debütsingle „Smalltown Boy“ trägt autobiographische Züge, da Sänger Jimmy Somerville sich wegen seiner Homosexualität in seiner Heimatstadt Glasgow nicht wohlgefühlt hat. Der Songtext dreht sich um einen jungen Mann, der wegen seiner Homosexualität seine Heimatstadt verlassen hat, allerdings betrachtet aus der Perspektive eines kommentierenden Außenstehenden, der mit dem jungen Mann mitfühlen kann.

Zu Beginn singt Somerville zu einer charakteristischen Synthiemelodie, die sich mehr oder weniger durch das ganze Stück zieht. Dies ist mit einer eigenwilligen Bassline unterlegt. Erst nach diesem Auftakt beginnt das Strophe Refrain Schema, das zumindest gefühlt ein wenig Tempo zu Gunsten von größerer klanglicher Tiefe rausnimmt. Im ersten Refrain wird das Tempo aufgenommen, woraufhin ein starker Kick den Song durchdringt. Der Song wirkt als Klagelied nach, obwohl er passend zum Synth-Pop der Achtziger trotz der Rhythmuswechsel auch tanzbar gehalten ist. „Smallton Boy“ hat sowohl eine melodische als auch textliche Tiefe, die man irgendwie spüren kann, selbst wenn man den Text nicht versteht. Um dies zu unterstreichen wurde ein Musikvideo gedreht, dass die Probleme, die ein Homosexueller in den Achtzigern gespürt hat, deutlich zeigt und auch mit dem Songtext interagiert. Für die prüden U.S.A. musste ein zweites Musikvideo gedreht werden, dennoch floppten Bronski Beat dort im Vergleich zu ihrem Erfolg in Europa zumindest in den Mainstreamcharts, „Smalltown Boy“ belegte immerhin Platz Eins der Dancecharts.

Nach dem ersten Album und zwei weiteren Hits stieg Jimmy Somerville aus Bronski Beat aus, um die Communards zu gründen. Nachfolger John Foster war weder so politisch wie Somerville, der sich auch bei „Lesbians and Gays support the Miners“ im Bergwerkerstreit gegen Margaret Thatcher engagiert hat, noch hatte er eine ähnlich charakteristische Stimme, weswegen Bronski Beat nur noch ein ziemlich typischer 80er Hit mit „Hit The Perfect Beat“ vergönnt war.

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4 Kommentare zu „Schräg, aber gut (59) – Bronski Beat „Smalltown Boy“

    1. Möglich, aber unwahrscheinlich da Arcade eigentlich nicht auf seine Sexualität anspielt. Bin gerade in Maastricht by the way, mögliche, Austragungsort wird ausgekundschaftet.

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      1. Sehr cool ^^ Du weißt hopefully, dass man das nicht, wie alle Leute immer sagen, MAAStricht ausspricht, sondern die zweite Silbe betont: MaasTRICHT. Hat mir mal meine GeschiLehrerin beigebracht 😂 Ähm, dir jedenfalls viel Spaß und ich erwarte dann den Reisebericht!

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