Inhalt

Als ihr Mann (Liam Neeson) bei einem Raubüberfall mit seinen Komplizen stirbt, muss Veronica Rawlings (Viola Davis) für den jetzt in die Politik ziehenden Gangster Jamal Manning (Brian Tyree Henry) zwei Millionen Dollar innerhalb von zwei Wochen auftreiben. Gemeinsam mit den anderen Witwen (Michelle Rodriguez & Elizabeth Debicki) plant sie einen Coup, der ihnen insgesamt fünf Millionen Dollar bringen soll. Dabei hängt ihr Jamals Bruder Jatemme (Daniel Kaluuya) nach. Trotz des Wahlkampfs seines Bruders gegen Jack Mulligan (Colin Farrell) denkt der nicht daran, nachgiebig zu sein.

Kritik

In erster Linie klingt der Inhalt nach einem erstklassigen Thriller, allerdings ist er das nur teilweise. Stattdessen ist Widows ein Drama, das sich aus einem Krimi/Gangsterthema eröffnet. Deswegen ist auch der deutsche Untetitel im höchsten Maße irreführend. Widows basiert auf einer britischen Miniserie aus den 1980ern von der Regisseur Steve McQueen schon lange eine Verfilmung im Auge hatte. Gemeinsam mit Gillian Flynn schrieb er dann das Drehbuch zu dieser zweistündigen Studie. Zunächst bleibt einiges unklar, ebenso werden nicht alle Fragen toterklärt. Obwohl der Film immer wieder das Erzähltempo drosselt, bleibt er immer spannend, bis es dann zum Showdown kommt.

Dieser kränkelt an einer größtenteils lahmen Inszenierung, der auch ein typischer Hans Zimmer Overscore nicht hilft. Das Faustpfand von Widows ist nicht der Überfall, sondern die Geschichte, die dazu führt, dass drei Witwen und ihre Fluchtwagenfahrerin (Cynthia Erivo) einen Raubcoup durchführen. Dabei ist Veronica Rawlings der Drehpunkt der Geschichte, auch wenn sich nicht alle Verbindungen zunächst erschließen. Oscarpreisträgerin Viola Davis (How to get away with murder, Fences) ist wie nicht anders zu erwarten großartig, wie sie sowohl den innerlichen Schmerz, die Kühle und die Verzweiflung darstellt. Überhaupt ist das Ensemble die große Stärke von Steve McQueens neuesten Film. Neben Davis überragen der Großschauspieler Robert Duvall in einer kleinen Rolle sowie Daniel Kaluuya dessen Gangster so irre ist, dass jede Szene mit ihm genial ist.

Neben diesen Szenen ist vor allem eine Dialogszene zwischen Duvall und Colin Farrell, der hier ausnahmsweise eine Rolle gut verkörpert, sowie die Anfangsmontage hervorragend. Ebenso sind Carrie Coon (Wann kriegt die endlich mal eine Hauptrolle?) sowie Liam Neeson in kleinen Rollen bereichernd für den Film. McQueens Inszenierung ist in einzelnen Szenen sehr innovativ (vor allem eine Szene, in der man eine Limousinenfahrt vom Brennpunkt zur High Society beobachtet) aber dann in manchen Szenen eher träge (der genannte Überfall). Daneben tragen vereinzelte Szenen schwarzen Humor in sich. Danben gelingt dem Drehbuch ein Coup, der den Film in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. Dieser ist für mich einer der besten Plottwists der letzten Jahre, kann jedoch auch kritisch gesehen werden. Daneben ist mir der Schnitt und Tonschnitt positiv aufgefallen.

Fazit

Erstaunlicherweise ist „Widows“ nicht mehr präsent in der Awardsseason, vielleicht hab ich auch eine Schwäche übersehen, aber trotz des eher lahmen Showdowns ist „Widows“ als Charakterdrama zu empfehlen. Daneben sind vor allem Viola Davis und Daniel Kaluuya aus einem starken Ensemble herausragend. Der Film zeigt auf bittere Art Schmerz und Verrat. 9/10

Werbung

3 Kommentare zu „Widows – Tödliche Witwen

  1. Gerade diese Wendung (en) habe ich halt nach dieser leidenschaftlichen Anfangsszene nicht gekauft. Hat mich leider völlig aus dem Film gebracht. Sonst ist der Film aber schon recht gut.

    Colin Farrell hat doch schon häufig gezeigt, wie gut er ist. 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Irgendwie nachvollziehbar, für mich hatte der Film dadurch eine noch größere Wucht.
      Colin Farrell ist mir immer zu schleimig, bei dem hab ich das Gefühl, dass der jede Rolle gleich anlegt, während zum Beispiel ein Robert Duvall oder eine Viola Davis eine bessere Kategorie Schauspieler sind.

      Gefällt 1 Person

      1. Deine Meinung zu Colin Farrell kann ich gar nicht nachvollziehen. Er hat in so vielen Filmen so unterschiedliche Rollen gespielt und „schleimig“ ist er nun wirklich nicht. Aber manchmal mag man einen bestimmten Schauspieler einfach nicht, kenne ich natürlich auch. :))

        Viola Davis und Robert Duvall sind natürlich auch immer großartig.

        Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s