Ende des Jahres, in der Weihnachtszeit nicht dazu gekommen Kritiken zu schreiben, von daher ein neues Kino Round Up. „Spencer“ habe ich vor am 13.12. in Maastricht im Pathe Kino in der Originalfassung mit niederländischen Untertiteln gesehen, die anderen Filme habe ich in den Aachener Kinos gesehen. „Matrix: Ressurrections“ habe ich in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln gesehen, die anderen beiden Filme in der deutschen Synchrofassung.

Spencer

Wer sich von „Spencer“ ein umfassendes Biopic zu Lady Di erwartet, wird enttäuscht werden. „Spencer“ stellt ein Alternativszenario der Weihnachtsfeiertage 1991 dar, was am Anfang angedeutet wird und mit dem Ende eingelöst wird. Ähnlich wie bei „Jackie“ komprimiert Regisseur Pablo Larrain das Biopic auf das Beobachten einer Ausnahmesituation. Dabei greift er auf ein Drehbuch von Steven Knight zurück, welches Ich als Schwachpunkt des Films empfand. Viele Dialoge wirkten unnötig oder ziellos. Larrain macht dies mit einer klaustrophobischen Inszenierung nah an Kristen Stewart Lady Di wett. Dabei sind einige Dinge (Halskette, Zange etc.) als Metaphern für das sich gefesselt fühlen von Diana gewählt.

Während des Schauens habe ich mir gewünscht, den Film mehr zu mögen, denn obwohl mir der Regiestil hier zugesagt hat und der Film auch schauspielerisch sehr gut ist, empfand ich den Film als deutlich zu lang und zu anstrengend. Die britische Königsfamilie wird diesen Film nicht mögen, ihre Darstellung ist kalt. Manche Szenen sind absolut herausragend, bezeichnenderweise oft Szenen, die mit wenig bis gar keinen Dialog auskommen. Nun habe ich Lady Di und den Hype um sie nie Live erlebt, für mich gibt Kristen Stewart hier eine glasklare Oscar-Performance, auch wenn sie nur in einzelnen Szenen Diana optisch ähnelt. Auch Sally Hawkins und Sean Harris haben mir in ihren Rollen gut gefallen. Besonders hervorzuheben ist die Filmmusik von Jonny Greenwood, die Hand in Hand mit der Inszenierung geht und das Unbefinden Dianas auf mich übertragen hat. Auch das Ende mit dem Needle Drop zum Mike & The Mechanics Hit „All I Need Is A Miracle“ hat mir in seiner konsequenten Neuschreibung gefallen, dadurch wirkt der aus Verleihsicht schwierige Titel noch passender. 7/10

Aline – The Voice of Love

Chronistenpflichtig führe ich diesen Film hier auf, der sich „frei“ auf das Leben von Celine Dion bezieht. Die freie Interpretation bezieht sich rein auf die Tatsache, dass die Regisseurin, Drehbuchautorin und Hauptdarstellerin Valerie Lemercier, den Hauptfiguren andere Namen gibt, was noch in einem Meta-Gag mündet. Ich bitte euch, tut euch diesen Film nicht an. „Aline – The Voice of Love“ ist mit Abstand das schlechteste Musikerbiopic, dass ich bisher zu sehen bekam. Das Drehbuch ist eine abstruse Aneinanderreihung von Momenten, mit teilweise grotesk großen Zeitsprüngen und lässt überhaupt kein Fleisch an der Hauptfigur. Man sieht nahezu keine Gesangseinlagen oder Tonstudioaufnahmen, drei Songs werden kurz Mal angespielt, ansonsten gibt es nichts zur Musik. Höhepunkt dieses „Konzepts“ ist der Eurovision Song Contest (der hier Dublin Singing Grand Prix genannt wird), wo man Aline bis zum Auftritt sieht, um dann zur gerupften Punktevergabe zu kommen. Besonders gruselig auch die Tatsache, dass die Hauptdarstellerin und Regisseurin ihr Gesicht per schlechtem CGI auch in die Kindheitsszenen auf einen Kinderkörper packt. Alles, was wir über Celine Dion erfahren ist, dass sie sich in ihren 25 Jahre älteren Manager verliebt und dass sie unbedingt Kinder haben wollte und wohl sehr dumm ist. Ernsthaft, nach diesem Film denkt man, dass Dion nichts kann außer singen. Sie verläuft sich in ihrer Villa, schreibt nur 6en in der Schule, kann kein Mathe und wirkt auch sonst nicht eigenständig. Ein Biopic, dass die Hauptfigur bloßstellt und keine Musik bietet. Stattdessen gibt es zwei Stunden tonale Unebenheiten, in manchen Momenten wirkt der Film wie eine Satire, das sind auch die Momente die einigermaßen funktionieren, nur um dann in den Telenovelamodus schalten. Einfach grausam. 3/10

Spider-Man: No Way Home

Kommen wir zum ersten Elefanten im Raum: Den gigantomanisch gehypten „Spider-Man: No Way Home“, der jetzt sogar im Rennen um eine Oscar-Nominerung für den besten Film ist. Hier muss ich sagen: Es wird zu spoilern kommen, ich gehe aber davon aus, dass jeder der den Film sehen will, es schon getan hat oder spätestens hier aufhört zu lesen oder sich bewusst ist, dass er/sie gespoilert wird.

Ich könnte „Spider-Man: No Way Home“ dafür anzählen, dass die Inszenierung unstet ist. Ist das erste Drittel hektisch inszeniert, kehrt bald der Marvel Inszenierungstrott zurück und bis auf einen Kampf zwischen Spider-Man und Dr. Strange ist das visuell auch nicht besonders beeindruckend. Dennoch ist das ein solide gemachter Film, das will ich gar nicht abstreiten und doch finde ich den Film zumindest von den drei Tom Holland Spider-Man Filmen mit Abstand am schwächsten. In der ersten Hälfte schafft es der Film trotz der größeren Ernsthaftigkeit nette Humordosen, die ins High School Setting passen, einzufügen. Daneben beginnt der Film mit dem Fake News Plot, der im Vorgänger begonnen worden ist und der einen interessanten Start liefert. Die Figur von J. Jonah Jameson wird mit wenigen Szenen so ausgebaut, dass man versteht, dass er Spider-Man für seine eigene Karriere braucht. Die erste Stunde des Films ist so gut, dass ich die quatschige Szene aus dem Trailer bei Doctor Strange in Kauf nehme und auch verzeihe, dass der Film zu wenig aus dem Fake News Plot macht – So hätten Drohungen gegen MJ und Ned Peter Parker zu dem Wunsch verleiten lassen können, die Welt solle vergessen, dass er Peter Parker sei, anstatt der Wunsch, dass die beiden an ihre Wunsch-Uni gehen können -. Auch die Idee, dass Peter die Schurken aus den anderen Universen heilen will, ist an sich ok, wirkt jedoch durch das Verwürfnis mit Doctor Strange übermotiviert und hat angefangen den Film bei mir Bröckeln zu lassen. Ab diesem Moment wurde es für mich immer schlimmer. In der ernsthaften zweiten Hälfte sieht man, dass Tom Holland schauspielerisch nicht besonders gut als Peter Parker ist und weil man Fanservice macht wird dieser Effekt durch einen Schauspieler, der viel zu wenig Rollen seit Mitte der Zweitausender bekommen hat und einen, der gerade für ein Netflixmusical im Rennen um eine Oscar-Nominierung als Bester Hauptdarsteller ist, deutlich verstärkt. So hat letzterer die mit Abstand emotional ergreifendste Szene, die ohne Worte nur mit starken Blicken funktioniert. Wie die beiden in den Film kommen ist auch eher mittelprächtig erklärt, wird aber geschluckt, weil man die beiden hat. Spätestens durch das Ende, das überhaupt nicht zum Peter Parker, der im MCU etabliert worden ist, wird der Film für mich zum Ärgernis. Schon im Laufe des Films wird die Eigenständigkeit im Vergleich zu den anderen Peter Parker Film-Spider-Mans immer weiter reduziert, um dann ein dummes Ende zu forcieren, die Peter Parker exakt so darstellt, wie man es schon zwei Mal gesehen hat. Abgesehen davon, dass dafür die MCU interne Logik vollkommen überbeugt wird, wirkt das wie ein Leckerli für Fans, die die Sam Raimi Spider-Man Filme lieber mochten als jene von Jon Watts. Natürlich ist das überaus subjektiv, weil ich mir gewünscht habe, dass man Tom Hollands Spider-Man so weiterentwickelt, dass es nicht nur Kritiker des „Iron Boy“ (weil Tony Stark eine Art Ersatzvater ist und ihm coole, hochtechnisierte Anzüge baut) befriedigt, sondern auch jene, die Tom Hollands Spider-Man mochten. 5/10

Matrix: Ressurrections

Der zweite Elefant im Raum: Matrix Ressurrections. Selten hatte ich das Gefühl, dass es beliebt ist, einen Film in Grund und Boden zu reden als hier und ich muss sagen, ich hatte meine helle Freude mit dem neuen Matrix.

Natürlich hat dieser Film Fehler, die man ihm ankreiden muss. Die größte Enttäuschung ist sicherlich die Action, die nicht innovativ ist und oft zu nah gefilmt worden ist und in einigen Szenen ist der Schnitt nicht gut. Nun gut, wegen der Action habe ich Matrix nie geguckt (weswegen ich Reloaded und Revolutions auch schwach finde), sondern eher wegen dem Spiel mit der Story. Der Aufbau der Matrix erlaubt es ja, viele Sachen zu machen, die in anderen Filmen überhaupt nicht funktionieren würden. Diese Karte spielt Lana Wachowski in „Matrix: Ressurrections“ vollkommen aus. Man merkt innerhalb des Films, dass Wachowski die Fortsetzung auch gemacht hat, damit niemand anderes sich an „Matrix“ vergreift, was in einem deutlichen Metakommentar deutlich gemacht wird. Die erste Dreiviertelstunde fokussiert sich auf Metakommentare, die manche so deuten als würde man sich über „The Matrix“ lustig machen. Empfand ich gar nicht so, ich empfand es eher so, dass über Kinozuschauer sich lustig gemacht wird und zwar über jene, die nichts neues sehen wollen (jede Originale Idee der Wachowskis nach Matrix ist bekanntermaßen gefloppt), die die Matrix nur wegen der Acton geguckt haben oder weil man den Film „cool“ fand.

Jene wünschen sich auch eher einen nostalgischen Aufguss, statt etwas herausforderndes. „Matrix: Ressurrections“ bietet beides. Wenn 1 zu 1 Szenen aus den alten Matrix-Filmen laufen oder in die Szene projiziert werden, ist das gleichzeitig der deutlichste und mutigste Umgang mit Nostalgie in Blockbusterfortsetzungen. In manchen Momenten hat mich der Gedanke eingeholt, dass Wachowski den Film extra unrund gestaltet, um den Metakommentar zu bestätigen. Ändert nichts daran, dass das letzte Drittel wegen Actionoverload auch zäh ist, da war ich aber derart zufrieden, dass es mir fast schon egal ist. Die wichtigste Frage bei einem Matrixfilm für mich ist jedoch, bietet der Film wieder Stoff zum interpretieren und alleine dadurch, dass der Plot aufgeräumter abgeräumt wird, als in „Matrix“ bietet der Film wieder genug Anhaltspunkte. Die Identitätsmessage ist hier etwas deutlicher als in der alten Trilogie, mit dem Wissen von heute über die Wachowskis drückt sie sich jedoch auch in den alten Filmen immer wieder auf. Heute findet Lana Wachowski jedoch einen anderen Ausgang für ihre Hauptfiguren, der sicherlich Streitpunkt sein wird, für mich jedoch wunderbar funktioniert hat. Dazu passend wirkt dann auch die komplett andere Farbgebung und Setgestaltung in der Matrix, das jedoch auch zum neuen Ansatz innerhalb der Matrix passt, der sich zum Metakommentar hinzufügt. Keanu Reeves ist hier schon arg hölzern, während für mich Jonathan Groff und vor allem Neil Patrick Harris (Warum bekommt der nicht mehr Rollen??) in ihren Rollen überaus gut funktionieren.

Sicher ist „Matrix: Ressurrections“ nicht so gut, wie ich ihn empfunden habe, das gebe ich offen zu, „Matrix“ war für mich immer was besonderes und ein neuer „Matrix“, der mir wieder was zu denken gibt und mich persönlich herausfordert und dann doch befriedigt, verzeihe ich mehr als einem „Matrix“ der gute Action bietet, ansonsten aber platt ist. Alleine deswegen verstehe ich nicht, wie Leute ernsthaft sagen, dass dies der schlechteste Matrix-Film und oder der bzw. einer der schlechtesten Filme des Jahres ist. 8/10

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