Montag wurde vermeldet, dass zum zweiten Mal in Folge Apache 207 mit „Roller“ den deutschen Musikautorenpreis gewinnen konnte. Grund genug diesen Song endlich zu würdigen (zum ersten Mal gegenüber meiner besten Freundin angekündigt habe ich dieses Lob schon im November 2019), denn ich oute mich (wobei das anhand der beste Songs Liste 2019 klar sein sollte) auch als Fan dieses Songs. Kurz zur Einordnung, Deutschrap der letzten Jahren verteufele ich in der Regel noch mehr als die katholische Kirche Homosexualität. Im Gegensatz zur katholischen Kirche habe ich jedoch gute Gründe, besteht Deutschrap doch nur daraus sich eine Marke als „Badass“ aufzubauen und musikalische Werke zu vollbringen, die nicht einmal den Ansatz einer Melodie oder Songstruktur aufweisen können. Erschwerend hinzu kommt, dass die lyrischen Leistungen dieser Werke mit ungenügend reichlich unzureichend beschrieben sind. Selbst die schlimmsten rein aus Plattitüden bestehenden Schlagertexte der 80er wirken im Vergleich dazu wie Meisterstücke lyrischer Güte. Sicher es gibt Ausnahmen, die aber derart weit vom dominierenden Mainstream des Deutschraps (der gleichzeitig die deutschen Single Charts ad absurdum führt) ist, dass sie schon gar nicht mehr zum Zirkel jener von mir verhassten Interpreten zählt.

Apache 207, bürgerlich Volkan Yaman, wirkt auf den ersten Blick genau so wie man sich einen Deutschrapper vorstellt, nur um diesen Blickwinkel sofort zu konterkarieren. Wo es anderen um „Fame“ geht und man mehr darauf fokussiert ist sich als Marke zu etablieren, singt (!) Apache 207 im Refrain zu „Roller“ einfach „Aber Apache bleibt gleich“ und etabliert mehr ironisch sich selbst als Marke. Apache bleibt gleich ist, so zumindest mein Eindruck, inzwischen zum geflügelten Wort aufgestiegen und wird gerne für Memes benutzt. Apache 207 schafft es seinen Fans zu vermitteln, dass es ihn vor allem darum geht Musik zu machen und dabei mit einem Augenzwinkern zu agieren. Nirgendwo in seiner Diskografie ist dieses ironische derart ausgeprägt wie bei „Roller“, weswegen Apache auch mit einigen Elementen sich durchschleichen kann, die sonst gut für einen Twittershitstorm sorgen könnten. So braucht man wahrlich keine Fantasie, um die Zeile „Schwänze lutschen ist bei euch kleinen Pissern doch Tradition“ als homophob zu interpretieren. Im Kontext der zweiten Strophe fällt das ganze etwas anders auf, so wirkt die Zeile eher wie eine neue Metapher zum jemanden in den Arsch kriechen. Die zweite Strophe kann durchaus als Abrechnung mit jener famegeilen Deutschrapwelt gedeutet werden, wohingegen Apache sich selbst als denjenigen inszeniert, der egal was kommt gleich bleibt und weiter mit seiner Vespa fährt. Egal wie groß der Erfolg sein wird, egal wie viele „Party Ho´s“ hinter hem her sind, Apache bleibt gleich. Schon der Beginn des Songs zeigt auf, wie sehr sich Apache 207 vom Deutschrapmainstream distanziert:

Warum fickt ihr Kopf, Kopf?
Mein Kopf platzt, Gucci-Sandalen, ich trag‘ sie nur aus Trotz, Trotz
Trotzdem machen sie mir nach, kann’s nicht glauben, lieber Gott
Gott sei Dank schützt du mich, wenn meine Wespe ma‘ wieder rollt

Die ersten Zeilen von „Roller“

Ein weiterer Aspekt, der zum Erfolg von „Roller“ beitrug ist der aus dem House entlohnte 4 On the Floor Beat, der den Song weg vom klassischen Rap hin zum 90er Eurodance assoziieren lässt (auch wenn diese oft getroffene musikalische Einordnung ein wenig übertrieben ist) und das immer wieder eingesetzte lautmalerische „Brim“. So kommt es, dass dieses hochironische Musikstück selbst mich sofort überzeugen konnte. Inzwischen darf „Roller“ getrost als erfolgreichster deutscher Rapsong betitelt werden, auf Spotify, dem Lieblingsmedium junger Musikhörer, konnte der Song bis jetzt 254 Millionen Streams erzielen, ein für einen deutschsprachigen Song exorbitant hohen Wert. Daher sollte es auch nicht verwundern, dass dieser Song zweimal in Folge als erfolgreichster deutschsprachiger Song ausgezeichnet worden ist, vollkommen zurecht, wie ich finde.

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