Während Zentraleuropa unter der Eurodanceepedimie litt und Nordamerika gerade in der Übergangsphase von Grungegeburt zu East vs West Coast Drama standen, war Großbritannien berauscht von sich selbst. Der Britpop trug stellvertretend den Klassenkampf aus, nachdem Labour sich vom Sozialismus verabschiedete.

Die Britischen Musikmedien feierten diesen Zustand und ließen alles andere außer Acht. Die Hauptprotagonisten dieser Musikwelle waren Oasis sowie Blur. Der Britpop ist vor allem durch die Beatles, die Modbewegung Ende der Sechziger sowie dem Punk inspiriert und stellt eine Rückbesinnung auf gitarrenlastige Popmusik dar. Während Oasis sehr schemenhaft blieb, entwickelte sich Blur unter der Führung des Sängers Damon Alborn weiter.

Alborn ist typisch für den Britpop kein besonders begnadeter Sänger, ist jedoch ein linksgerichteter Frontmann, der vielseitig musikalisch interessiert ist. So gründete Alborn auch die Gorillaz, diese animierte Popband, um die Anfang der 2000er ein Hype entstand.

Vorher, 1994, wurde Blurs drittes Album „Parklife“ veröffentlicht. Die erste Singleauskopplung war Girls & Boys. Zunächst von Hardcorefans aufgrund der eingesetzten Keyboardmelodien verpönt, wurde Girls & Boys zum bis dahin erfolgreichsten Song der Formation aus Südengland. Dabei sticht besonders die erwähnte Keyboardmelodie hervor, die eigentlich nicht zu dem restlichen gitarrenbetonten Stil passt. Deswegen klingt der Song, der sich über betrunkene britische Touristen im Ausland lustig macht, schräg. Dennoch hat der Refrain mit seinem ewigen Girls & Boys Ohrwurmqualität. Der Song markiert eine Wende der Bandgeschichte hin zu einem experimentelleren Stil, der stellenweise sowohl an Radiohead als auch an Pulp erinnert sowie die Grungeparodie Song 2 möglich machte.

Auch wenn Blur knapp den auf die Höhepunkt der Britpopmania ausgerufenen Klassenkampf mit Oasis verloren, werden sie die Band sein, die musikalisch weitaus vielschichtiger agierte und demnach in der Retrospektive die Speerspitze des Britpops bildete. Alles fing an mit einem schrägen Keyboardriff und einem Text über herumtollende alkolisierte Fremdschämurlauber.

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2 Kommentare zu „Schräg, aber gut (25) – Blur „Girls & Boys“

  1. Blur kenne ich sogar mal *juchu* Und das hört sich fast an wie der Beitrag „Boys on Girls“ von Sannie aus dem dänischen Vorentscheid für den ESC 2018. Gerne mal reinhören 😊
    Und die Gorillaz hat mir meine Schwester letztes Jahr nahegebracht. Das ist richtig gut und eine tolle Idee, die zu animieren 😀

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