Der September hatte Filmtechnisch weniger Masse als die Vormonate bei mir zu bieten. Auch qualitativ gab es einige Enttäuschungen, doch der ein oder andere Film entschädigt:

Netflix
Der Weiße Hai (Jaws)

8/10 Steven Spielbergs endgültiger Durchbruch und Geburt des modernen Blockbusterkinos gilt ja inzwischen als Klassiker. Kurz gesagt: Zu Recht. Spielberg zeigt hier alle inszenatorischen Tricks um eine simple Geschichte effektiv zu erzählen. So packt „Jaws“ trotz gemächlichen Tempos von Anfang an zu. Natürlich kann man den Film auch philosophisch sehen und hinterfragen, warum ausgerechnet der Arbeiter sterben muss, aber dafür ist der Film als Haithriller zu faszinierend.
Einfach zu haben (Easy A)

7/10 Ein Film mit Emma Stone in der Hauptrolle kann ja schon mal keine Katastrophe sein und tatsächlich ist „Easy A“ eine rasant erzählte, lustige Coming Of Age Story über eine Schülerin, die sich durch Gerüchte den Ruf der Schlampe erarbeitet ohne mit irgendwem zu schlafen. Da wird an die großartigen John Hughes Klassiker (Breakfast Club, Das darf man nur als Erwachsener, Pretty in Pink und Ferris macht Blau) referiert und zum Schluss der großartige Song „Don´t You (Forget about me) gespielt, ohne eine iegne Identität zu opfern. Auch wenn „Easy A“ längst nicht so frech ist wie vielleicht erwartet, ist er ein sehenswerter Film, auch dank der kuriosesten Elternfiguren, die ich bestaunen durfte.
American Psycho

9/10 Was für ein Trip. „American Psycho“ führt einen brachial in die gestörte Psyche eines 80er-Jahre Yuppies. Christian Bale verkörpert diesen Patrick Bateman derart meisterhaft, dass einem wirklich Angst und Bange wird. Daneben besticht „American Psycho“ durch eine clevere Regie, einigen wirklich schaurig-schönen Musikmonologen sowie einem Endkniff, der statt einer dumpfen Auflösung Interpretationsspielraum bietet. Unbedingt anschauen!
Gravity

5/10 „Gravity“ läuft knapp zwanzig Minuten und ich denke zum ersten mal ganz schön langweilig das Ganze, das ändert sich leider auch nicht wirklich. Visuell ist dieser Weltraumfilm beeindruckend, aber inhaltlich ist der hier schon arg leer, sodass sich der Film trotz gerade mal 83 Minuten Nettolaufzeit viel zu lang anfühlt. „Gravity“ ist ein technisches Meisterwerk, aber Alfonso Cuaron schafft es seit „Children of Men“ nicht mehr seine technischen Fähigkeiten mit einer erzählerischen Wucht zu verbinden.
Brügge sehen und sterben (In Bruges)

7/10 Ich hatte Martin McDonaughs Debütfilm über zwei Auftragskiller, die einen Job vergeigen, noch etwas stärker in Erinnerung, jedoch ist er manchmal zu behäbig. Gerade das Protagonistenduo mit ihren konträren Ansichten über die belgische Stadt macht Laune und natürlich ist Ralph Fiennes wie immer großartig. Dennoch fand ich „In Bruges“ nicht durchgehend sehr gut. Ein schwarzhumoriger unterhaltsamer Film ist er natürlich dennoch.
High Society

4/10 Iris Berben, Katja Riemann, Emilia Schüle und Jannis Niewöhner sind in dieser Vertauschungskomödie vollkommen verschenkt. Der Plot istr denkbar simpel, Rich Kid und Asibratze wurden bei der Geburt vertauscht, daraus entwickelt sich ein grotesker Plot mit manchen guten Szenen aber auch vielen katastrophalen Szenen, wie den abstoßenden Prolog, wodurch „High Society“ zu einem Film wird, dessen Konsum nicht empfohlen werden sollte, trotz guter Schauspieler.

Amazon PrimeAnsic
Glass (geliehen für 0,99€)

4/10 M Night Shyamalans Comeback „Split“ hier also die Vermählung von jenem und seinem 2000er Geniestreich „Unbreakable“. Auch wenn „Glass“ teilweise an den zweiten Film des Regisseurs erinnert, ist er einfach nur katastrophal. „Glass“ liefert genug Potenzial für einen absoluten Topfilm und wird dank Shyamalans zu große Ego und wegen eines fehlenden Korrektivs zur Luftnummer. Alle Schauspieler sind potenziell gut, aber gerade James McAvoys Show ist vollkommen drüber. Der Film muss wohl aus Budgetgründen nahezu ausschließlich in einer Nervenklinik spielen. Dies führt zu einer viel zu langsamen Erzählweise (ernsthaft ich bin eingeschlafen) ebenso wie zu zwei hanebüchenen Twists, die das letzte Pflänzchen Hoffnung auf einen guten Abschluss begruben. Es ist fast schon faszinierend, wie ein Film mit so viel Möglichkeiten so schlecht sein kann.
Toni Erdmann

5/10 Wenn ich mir Filmkritiken und Letterboxdbewertungen ansehe, ist „Toni Erdmann“ ein klassischer Love or Hate Film. Ich empfand für diesen Film beides. Ein paar Szenen sind hervorragend und wirken echt (die Geburtstagsfeier, die Barszene, die Discoszene, selbst die Nacktparty) aber dem gegenüber steht viel Geschwurbel, ein Look der an die schlimmsten RTL Scripted Realitys erinnert sowie eine fürchterliche Inkohärenz. Dabei wird Toni Erdmann von hervorragenden Performances von Sandra Hüller und Peter Simonischek gerettet, mit schwächeren Darstellern wäre das tatsächlich ein Debakel geworden.
Die Üblichen Verdächtigen (The Usual Suspects)

4/10 Filme die auf einen großen Endtwist setzen tuen dies oft um die eigene Schwäche zu kaschieren. Bei diesem Vertreter merkt man spürbar, dass das Ende Ausgang der Planungen war. Dadurch ist „Die Üblichen Verdächtigen“ ein Kriminalfilm, der langweiliger als die schlechtesten ARD-Schmunzelkrimis ist und nur durch Kevin Spacey (Oscar wäre aber für Sieben angebrachter gewesen) vor den untiefen der miesen Filme bewahrt wird. Der Schlusstwist soll das ganze spannend erscheinen lassen, jedoch funktioniert der auch nicht mehr, da dies Film Nr.1 ist, der genannt wird, wenn es um Endtwists geht, vor allem weil Christopher McQuarrie (für das Drehbuch verantwortlich) sich zu sehr auf diesen Wechselmoment verlässt.
Terminator 2: Tag der Entscheidung (…Judgment Day)

9/10 Manchmal mag man Filme nicht besonders, erkennt aber ihre hohe Qualität an. „Der Pate“ ist da mein Paradebeispiel, „Terminator 2“ lässt sich auch in diese Reihe hinzufügen. Deutlich besser als der erste Teil ist dieser als Actionmeisterwerk gefeierte Film wirklich sehr gut. Hohes Tempo, starke Regie-/Kameraarbeit, eine technische Topleistung, aber zur großen Liebe, hat es bei diese Film bei mir nicht gereicht, dennoch ein Film, den man gesehen haben sollte.
Der Hauptmann

8/10 Robert Schwentke hat in Hollywood einige stumpfsinnige Auftragsarbeiten abgeliefert, zurück in Deutschland liefert er mit der wahren Geschichte über den jungen Willi Herold eine Köpenickade, die durch Mark und Bein geht. Stilsicher in Schwarz-Weiß gedreht weiß „Der Hauptmann“ durch starke Schauspielleistungen, behutsamer Regie und ergreifendem Thema zu überzeugen.
The Player

8/10 „The Player“ ist mein erster Robert Altman Film. Der Regiealtmeister hat hier eine clevere Satire auf Hollywood geschaffen. Der von Tim Robbins verkörperte Filmproduzent, der über die Finanzierung der ihm vorgelegten Drehbücher entscheidet. Als er massiv mithilfe von Postkarten samt Botschaften bedroht wird, geht er nicht zur Polizei, sondern sucht selbst den Täter. Bei der Konfrontation tötet er den vermeintlichen Täter, wodurch ihm die Polizei auf den Versen ist. Daneben stellt sich heraus, dass er den falschen getötet hat. Mit zahlreichen Cameoauftritten gespickt, stellt Altman Hollywood fast schon bloß, ebenso arbeitet er sich am Zuschauer ab, den er spätestens mit dem Ende kritisch hinterfragt. Getragen vom famosen Tim Robbins ist „The Player“ eine chter Treffer.

Sonstige
Das Geheimnis meines Erfolgs (The Secret of my Success)

7/10 Aus der Reihe ganz nette Filme, die von ihrem Hauptdarsteller aufgewertet werden. Michael J Fox lässt fast vergessen, dass das hier eine zu materialisierende Ode an den American Dream und holt mehr aus der Figur heraus, als das Drehbuch vermuten lassen würde. Daneben ist die Inszenierung stylisch und das Tempo in dieser Komödie sehr hoch.
Hereditary

7/10 Ari Aster hab ich neulich für seinen neuen Film Midsommar sehr gelobt. Sein Erstlingswerk ist gradliniger, hat dennoch alle Anzeichen eines Asters, ist aber doch deutlich schwächer. Dabei ist die Idee ein Familiendrama in Gewand eines Horrorfilms zu zeigen mutig, doch spätestens das quatschige Ende entwertet den Film leider. Dennoch sehenswert und um Längen besser als der übliche 08/15-Horrorfilm.
Rogue One: A Star Wars Story

6/10 Kritiker von „Rogue One“ vor allem unter den Star Wars Fans bemängelten, dass der Film zu wenig „Star Wars“ DNA trage. Eine Kritik, die ich zu keinster Weise nachvollziehen kann. „Rogue One“ ist von seiner Machart ein klarer Star Wars Film, viel mehr als „Solo“ im Folgejahr. Der Cast ist gut, bekommt aber keine Möglichkeiten zu glänzen, das Tempo ist langsam, das Finale macht den Film dann deutlich besser, aber richtig überzeugt war ich von „Rogue One“ nicht.

Wie immer die Fragen: Welche Filme habt ihr gesehen? Welche wollt ihr sehen? Wo seid ihr nicht meiner Meinung?

6 Kommentare zu „Streamingrückblick September: Von Haien, einem Erdmann und Keyser Söze

  1. Ich schreib mal ein paar Worte zu den Filmen die ich gesehen habe, aber anderer Meinung bin. Außer Gravity. Da muss ich dir mehr als nur zustimmen.

    Glass: Verstehe die Kritikpunkte und gerade am Ende läuft wieder alles falsch, was nur falsch laufen kann. Trotzdem fand ich die Machart und die Idee mit den „realistischen“ Superhelden grandios. Mit einem anderen Regisseur, hätte da was draus werden können.

    Toni Erdmann: Einer der besten deutschen Filme des Jahrtausends. Nur etwas zu lang ist er geraten, sonst habe ich da nix zu meckern. Tolle Darsteller, toller Look und obwohl Theater-mäßig inszeniert, macht der Film so viel mehr draus.

    Rogue One: Seh ich etwas besser. Das Finale hebt den Film nochmal auf ein anderes Level. Sonst ist es der erste „Krieg der Sterne“ Film, bei dem man wirkliche den Krieg auch merkt. Wobei aber auch hier noch Luft nach oben war.

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    1. Shamayalan hätte bei Glass ruhig Regie führen können, solange ein korrektiv im Drehbuch stattgefunden hätte. Die Idee hat ja was und „Unbreakable“ war ja auch phänomenal.
      Toni Erdmann und toller Look? Der sieht aus wie Der Blaulicht Report! Die Darsteller retten den Film, aber der ist vieeeel zu lang.

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  2. Endlich mal jemand, der Gravity nicht als Meisterwerk bezeichnet…ich hab mir den damals mit einer Freundin im Kino angeschaut und dachte nur die ganze Zeit „Ja, toll anzuschauen aber der Plot ist nicht nur dünn, sondern auch hanebüchen“

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      1. Ja, technisch kann man wirklich nix bemängeln aber mir wurde es auch einfach zu schnell zu repetitiv…ich mein, wenn man mal bedenkt, dass sie ständig nur von Raumstation zu Raumstation fliegt, nur um eine nach der anderen aus Versehen zu zerstören, wundert man sich doch am Ende, ob jetzt überhaupt noch eine übrig wäre.

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